Egal, ob wir für Pheromone nun eine besondere Nase haben oder nicht, die Suche nach den lockenden Substanzen geht munter weiter. In zahlreichen Studien haben Wissenschaftler getestet, ob Frauen und Männer auf mögliche Sexuallockstoffe des jeweils anderen Geschlechts reagieren. Eine mögliche Quelle für menschliche Pheromone sind die Schweißdrüsen unter den Armen oder im Genitalbereich.
So findet sich im Achselschweiß von Frauen ein ernsthafter Pheromon-Kandidat. Der Stoff kann offenbar dafür sorgen, dass Frauen, die eng zusammenleben, zeitgleich ihre Tage bekommen. Bei Probandinnen einer Studie, die regelmäßig "weiblichen" Achselschweiß auf die Oberlippe getupft bekamen, trat dieser Effekt nach vier Monaten ein. Auch männlicher Schweiß beeinflusste die monatlichen Blutungen. Doch damit sind die Forscher zunächst am Ende ihrer Weisheit. Wie die Zyklus-Anpassung genau funktioniert und durch welche Substanz sie tatsächlich ausgelöst wird, ist noch nicht geklärt.
Andere mögliche Kandidaten sind Androstenol und Androstenon. Sie kommen vor allem im Achselschweiß des Mannes vor. Bakterien stellen sie her, indem sie das Geschlechtshormon Testosteron abbauen. Versuche zeigten, dass Frauen, die Androstenol schnupperten, Männer als sexuell attraktiv beschrieben, während Androstenon eher die gegenteilige Wirkung hatte. Allerdings nehmen Frauen Gerüche im Laufe des Zyklus unterschiedlich wahr. Während des Eisprungs empfinden sie Androstenon zum Beispiel als weniger unangenehm.
Alle diese Untersuchungen haben ohnehin einen Haken: Die meisten fanden unter Laborbedingungen statt. Ob sich die Erkenntnisse auf das wahre Leben übertragen lassen, ist zweifelhaft. Auch nach Jahren intensiver Forschung konnten Wissenschaftler ein menschliches Pheromon bislang nicht eindeutig identifizieren. Unser Verhalten und die Gerüche, die wir aussenden, sind so komplex, dass es nur langsam gelingt, die Zusammenhänge zu entwirren.
Wenn Sie also bei der Party neulich ihren Traummann oder ihre Traumfrau getroffen haben, dann lag es wahrscheinlich nicht an Ihrem teuren Pheromon-Parfum. Vielleicht war, ganz banal, der Platz neben Ihnen der einzige freie. Ein Placebo-Effekt, also ein Schein-Effekt, kann mit im Spiel gewesen sein: Weil Sie an die Macht der Pheromone geglaubt haben, sind Sie möglicherweise offener auf andere Menschen zugegangen.
Das in manchen der vorgeblich lockenden Duft-Wässerchen enthaltene Androstenon stammt übrigens vom Eber.