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Ratgeber Sexualität

Das ewige Mysterium der Liebe

Immungene (MHC-Komplex)

Der Körpergeruch mischt bei der Partnerwahl noch an anderer Stelle mit. Wir beschnuppern uns nun mal meist gegenseitig, bevor wir einander näher kommen, und das kann man durchaus auch wörtlich verstehen: Offenbar verrät unsere individuelle Duftnote potenziellen Liebes-Kandidaten, wie es um unsere Abwehrkräfte bestellt ist.

Warum ist das Immunsystem bei der Partnerwahl wichtig? Sex, so sagen Evolutionsbiologen, lohnt sich - quer durch alle Lebensformen - nur dann, wenn diese Form der Fortpflanzung aussichtsreicher ist als Vermehrung ohne Sex. Ein möglicher Vorteil der schönsten Sache der Welt ist, dass sich die Erbinformationen von Ei- und Samenzelle mischen: Der Nachwuchs ist dadurch genetisch besser gegen Krankheiten gewappnet - das sichert das Überleben einer Art.

Wirbeltiere und Menschen haben in ihrem Erbgut Gene, die zum sogenannten Haupthistokompatibilitätskomplex, kurz MHC-Komplex, gehören - einem "Erkennungsdienst" für böse Eindringlinge. Diese MHC-Gene sorgen dafür, dass unser Immunsystem Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und größere Parasiten bekämpfen kann. Wir haben neun MHC-Gene, von jedem kann es Hunderte Varianten geben, die Allele genannt werden. Der einzelne Mensch verfügt aber nur über maximal 18 dieser Genvarianten. Ganz bestimmte Allele sind für ganz bestimmte Eindringlinge zuständig. Daher ist es wichtig, dass der Nachwuchs von Partnern gezeugt wird, deren MHC-Allele sich deutlich voneinander unterscheiden, weil er dann mehr Keime aufs Korn nehmen kann.

Aber offenbar können die Unterschiede auch zu groß sein. Viele Studien haben jedenfalls gezeigt: Das wählerische Geschlecht, meist die Damen, bevorzugt einen Partner, der MHC-Allele hat, die sich leicht von den eigenen unterscheiden. Offenbar können das nicht nur Tiere wie Mäuse oder Stichlinge riechen. Auch wir Menschen reagieren wohl auf Gerüche, die die Ausstattung unserer Immungene verraten.

Immer der Nase nach

Ein fast schon klassisches Experiment führten Schweizer Wissenschaftler dazu Mitte der 90er Jahre durch: Sie ließen Männer zwei Nächte lang ein T-Shirt tragen und präsentierten anschließend die gut eingedufteten Kleidungsstücke Versuchsfrauen. Die Probandinnen wussten nicht, worum es in dem Versuch ging. Dennoch rochen sie am liebsten Hemden, deren Träger andere Immungene als sie selbst hatten.

Andere Wissenschaftler führten weitere T-Shirt-Experimente durch, um herauszufinden, ob wir wirklich genetisch passende Partner erschnüffeln können. Die Ergebnisse widersprechen einander allerdings.

Auch bei verheirateten Paaren stellten Forscher keine eindeutigen Trends fest. Evolutionsbiologen vermuten: Es ist nicht unbedingt ideal, möglichst viele verschiedene MHC-Gene zu haben. Mit einem jeweils optimalen Satz könnte ein Organismus am besten an seine speziellen Umweltbedingungen angepasst sein. Hinzu kommt: In Wirklichkeit suchen und finden wir unsere Liebsten nicht allein mit der Nase.

Seite 1: Das ewige Mysterium der Liebe
Seite 2: Pheromone
Seite 3: Botschaft im Schweiß
Seite 4: Immungene (MHC-Komplex)
Seite 5: Attraktivität und Evolution
Seite 6: Soziologie und Psychologie
 
 
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