Attraktivität liegt zunächst im Auge des Betrachters. Denn bevor die Nase etwas über die Beziehungsfähigkeit möglicher Bettgenossen verrät, haben Sie Ihr Gegenüber meist längst beäugt: Alter, Figur, Frisur, Klamotten. Nach dem, was wir sehen, sortieren wir das Feld potenzieller Spielgefährten. Das Checken der äußeren Erscheinung ist der erste und vielleicht auch wichtigste Schritt bei der Partnerwahl.
Wissenschaftler haben festgestellt: Weltweit finden Angehörige verschiedener Kulturen dieselben Gesichtsmerkmale schön. So wirken rund um den Globus ebenmäßige Züge anziehender als schiefe. Evolutionspsychologen erklären das so: Ein symmetrisches Gesicht signalisiert, dass unser Gegenüber gesund und fruchtbar ist. Der Natur geht es bei der Partnerwahl nun mal um Fortpflanzung. Und je gesünder jemand ist, desto besser sind die Chancen, gesunde Nachkommen zu haben.
Häufig ähneln sich die äußeren Anzeichen für Gesundheit und Fruchtbarkeit - dabei spielen die Geschlechtshormone eine Rolle: Je mehr Testosteron ein Mann hat, desto männlicher wirkt er - kräftige Augenbrauen, kräftiger Kiefer, große Nase. Auf der anderen Seite sind volle Lippen, rosige Wangen und symmetrische Brüste "Aushängeschilder" für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen und die Fruchtbarkeit der Frau. Auch das sogenannte Hüft-Taille-Verhältnis ist in dieser Hinsicht ein wichtiges Signal. Männer bevorzugen die Sanduhr-Form, also eine im Verhältnis zur Hüfte recht schmale Taille. Umgekehrt wählen Frauen Männer ohne sichtbare Taille, also mit eher schmalen Hüften.
Die Macht der Hormone zeigt sich besonders während der fruchtbaren Tage einer Frau: Sie fühlt sich selbstbewusster, attraktiver und hat mehr Lust auf Sex. Sie flirtet häufiger, ist unternehmungslustiger. Interessanterweise fliegen die Ladies in dieser Zeit auf ausgesprochen männliche Typen - selbst, wenn sie bei der Persönlichkeit Abstriche machen müssen. Darauf deuten zumindest mehrere Studien hin: Um die Zeit des Eisprungs herum bevorzugen Frauen danach größere Männer mit markanten Zügen und tiefer Stimme. Evolutionsforscher glauben, dass diese Eigenschaften signalisieren: Der Typ kann gute, kräftige Nachkommen zeugen. Außerhalb ihrer fruchtbaren Phase zeigten die Probandinnen sich hingegen eher an "weiblicheren" Männern mit zarten Zügen und sanfter Stimme interessiert, die sie für gute Väter halten.
Aber natürlich geht's nicht immer nur um das eine. Schließlich will man sich auch mal unterhalten. Intelligenz und Humor beim liebsten Menschen schätzen Frauen und Männer gleichermaßen. Dennoch unterscheiden sich nach Ansicht von Evolutionspsychologen beide Geschlechter in ihren Partnervorlieben. Sie haben unterschiedliche Ziele: Männern ist demnach eher wichtig, wie attraktiv ihre Partnerin ist - denn es geht darum, Nachkommen zu haben. Frauen hingegen achten eher auf den sozialen und wirtschaftlichen Status des Mannes - zumindest, wenn es um langfristige Beziehungen geht. Schließlich soll der Vater in spe auch für die Kinder sorgen können.
Diese aus der menschlichen Evolution abgeleiteten Erklärungen sind nicht unumstritten. Vor allem Wissenschaftsphilosophen werfen Evolutionspsychologen vor, dass einige ihrer Theorien zu spekulativ sind und nicht ausreichend berücksichtigen, wie beispielsweise die Kultur menschliches Verhalten prägt.