Duft hin, Taillenweite her: Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das biologische Erbe unsere Partnerwahl komplett beherrscht. Vielmehr beeinflussen Kultur und Biologie sich gegenseitig. So haben Studien gezeigt: In Ländern wie Schweden oder Finnland suchen Frauen nicht unbedingt Männer, die finanziell gut dastehen - im Unterschied etwa zu Frauen in Japan oder Indien. Das heißt, je wohlhabender und gleichberechtigter eine Gesellschaft ist, desto weniger unterscheiden sich die Partnerwahlkriterien von Männern und Frauen.
Hinzu kommt: Was wir sagen und was wir tun, sind möglicherweise zwei unterschiedliche Dinge. Das ergab zumindest eine Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler, die Studierende vor einem sogenannten Speed-Dating, bei dem einander unbekannte Personen im Minutentakt umeinander werben, nach ihren Vorlieben fragten. Wie erwartet, legten Männer mehr Wert auf das Aussehen der möglichen neuen Freundin. Den Frauen war der Status des künftigen Liebsten wichtiger. Die Kriterien, nach denen die männlichen und weiblichen Testpersonen später tatsächlich wählten, unterschieden sich dann allerdings nicht mehr voneinander. Wunsch und Realität passen nicht immer zusammen.
In einer Studie der Universität München waren Männer und Frauen sich weitgehend einig: Beide Gruppen fanden am wichtigsten, dass die Partner sich aufeinander verlassen können, sich gegenseitig Sicherheit und Geborgenheit geben und ähnliche Wertvorstellungen haben. Allerdings hatten vor allem verheiratete Paare an der Umfrage teilgenommen.
Bildung und Beruf spielen bei der Partnerwahl ebenfalls eine entscheidende Rolle. Nur selten finden sich Paare über soziale Grenzen hinweg. Psychologen beobachten auch, dass wir uns häufig nach Gleichgesinnten umschauen. Eigentlich logisch: Wenn zwei Menschen viele Interessen und Einstellungen teilen, gibt es seltener Streit. Klar ist jedenfalls, dass wir nicht unvoreingenommen an das Projekt große Liebe herangehen.
Das persönliche Umfeld, die Familie, frühere Beziehungen, ja sogar die Bücher, die wir gelesen und die Filme, die wir gesehen haben, prägen unsere Vorstellungen von Zweisamkeit - zum Beispiel, wie wichtig Sex dabei ist. Ab der Pubertät gehen wir mit einem Beziehungsideal im Kopf auf die Jagd - und testen unsere Vorstellungen an der Realität.
Biologie oder Psychologie, Kultur oder Natur: An welchen Menschen wir uns länger binden, hängt letztlich von vielen Dingen ab. Bislang ist es der Forschung nicht gelungen, zu erklären, warum wir uns überhaupt zu einer bestimmten Person hingezogen fühlen. Liebe und Leidenschaft sind nach wie vor unberechenbar.