Neuer Verdachtsfall in Münchner Klinikum

27. September 2012, 11:08 Uhr

Womöglich ist es auch in München zu Manipulationen bei der Organvergabe gekommen. Prüfer sind im Klinikum Rechts der Isar auf Auffälligkeiten bei der Vergabe von Spenderlebern gestoßen.

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Bei Lebertransplantationen im Münchner Klinikum Rechts der Isar soll es zu Unregelmäßigkeiten bei der Organvergabe gekommen sein©

Der Skandal um Manipulationen bei der Organvergabe könnte sich ausweiten. Am Münchner Krankenhaus Rechts der Isar stellten Prüfer Auffälligkeiten bei der Organvergabe fest. Das bayerische Wissenschaftsministerium sieht allerdings keinen Verdacht auf aktive Manipulationen bei Leberplantationen im dortigen Transplantationszentrum.

Das Krankenhaus habe vor einem Monat sieben Fälle an das Ministerium gemeldet, sagte ein Sprecher von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) am Donnerstag auf Anfrage. Dabei habe es "Auffälligkeiten" gegeben, aber nach bisherigem Stand keine absichtliche Manipulation von Patientendaten. Das Krankenhaus habe die Fälle auf Anweisung des Ministeriums an die Bundesärztekammer und die Münchner Staatsanwaltschaft zur Überprüfung gemeldet.

Am Mittwochabend hatte die Bundesärztekammer in Berlin mitgeteilt: "Für das Münchner Zentrum im Klinikum Rechts der Isar bedurfte es der Einleitung einer Sonderprüfung, da hier mehrere Auffälligkeiten bestehen." Ärztekammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery sagte am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk: "Es geht in etwa in die Richtung wie in Göttingen und Regensburg." Dort soll ein Oberarzt die Labordaten seiner Patienten gefälscht haben, damit diese schneller eine neue Leber bekamen.

Ärztekammerpräsident kritisiert bayrische Behörden

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ließ sich der Verdacht auf neue Manipulationen in München bislang nicht erhärten. "Vom ersten Anschein haben wir keinen ausreichenden Anfangsverdacht für eine Straftat", sagte ein Sprecher am Donnerstag. Die im August begonnene Prüfung der Vorwürfe sei aber noch nicht abgeschlossen. Ein Gutachter unterstützt die Behörde bei der Frage, ob es im Klinikum Rechts der Isar strafrechtlich relevante Manipulationen gab. Aufmerksam wurde die Staatsanwaltschaft durch eine anonyme Anzeige beim Wissenschaftsministerium.

Montgomery kritisierte die bayerischen Behörden: "Mich irritiert sehr, dass aus der bayerischen Staatsregierung vor einiger Zeit vermeldet worden war, dass man die bayerischen Programme überprüft und nichts gefunden habe." Die neuen Auffälligkeiten zeigten einmal mehr, dass eine unabhängige Kommission der Selbstverwaltung wahrscheinlich "genauer und besser prüft, als eine reine Kommission der betroffenen Ministerien".

Montgomery lehnt eine Verschärfung der staatliche Kontrollen ab, wie sie nach der Aufdeckung der mutmaßlichen Transplantationen in Göttingen und Regensburg von vielen Politikern gefordert wurde. Heubisch hatte alle sechs bayerischen Transplantationszentren aufgefordert, ihre Akten und Patientenkarteien zu überprüfen.

kng/DPA
 
 
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