Experte hält weitere Plagiate für möglich

15. Februar 2012, 08:45 Uhr

Im Zuge des Fälschskandals um den Kölner Maler Wolfgang Beltracchi hatte der Kunstexperte Werner Spies sieben Max-Ernst-Fälschungen für echt befunden. Die Bilder bekamen damit Millionenwert. Im stern gesteht Spies, dass womöglich weitere Fälschungen im Umlauf sind. Von Nina Plonka und Oliver Schröm

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Nachdem aufgeflogen war, dass er fehlerhafte Gutachten erstellt hatte, dachte Werner Spies an Selbstmord©

Der international renommierte Kunsthistoriker Werner Spies gesteht im Exklusivinterview mit dem stern: Es gibt weitere mögliche Fälschungen im Stile von Max Ernst. Die Kunstfälscherbande um den Maler Wolfgang Beltracchi hatte Spies noch im Jahre 2007 eine Mappe mit unsignierten Arbeiten vorgelegt. Dies hat Spies den Ermittlungsbehörden verschwiegen.

Bislang war bekannt, dass Spies zwischen 1999 und 2004 insgesamt sieben gefälschte Gemälde der Bande gesehen und als echt erachtet hatte. Dem stern erzählt der Max-Ernst-Experte, ein Handlanger des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi habe ihn 2007 mit der Mappe aufgesucht. "Ich habe mir die Arbeiten nicht gründlich angesehen, aber nach dem ersten Blick hatte ich schon Zweifel an der Authentizität einiger Arbeiten. Das habe ich auch gesagt." Ob die Arbeiten trotzdem verkauft wurden oder überhaupt noch existieren, ist unklar.

Spies hat mit Fall Beltracchi noch nicht abgeschlossen

Für die bislang bekannten Fälschungen hatte Spies Expertisen ausgestellt. In der Branche gilt dies als stichfester Beweis für die Echtheit von Max-Ernst-Bildern. Damit ausgestattet verkauften die Betrüger die Werke für mindestens 4,5 Millionen Euro.

Im stern spricht Werner Spies erstmals darüber, wie er mit der Bande in Kontakt kam und erzählt von seiner tiefen Verzweiflung seit Bekanntwerden des Skandals. "Dieser Ansehensverlust! Da kam mir schon der Gedanke, mich von dieser Welt zu verabschieden", sagte der 74-Jährige in Paris.

Abgeschlossen hat Werner Spies mit dem Fall Beltracchi noch nicht. Er glaubt noch immer an die Echtheit der Bilder, versicherte er dem stern. "Einen Beweis der Unechtheit habe ich bis heute nicht", sagte Spies, der für seine Verdienste um die Kunst das Bundesverdienstkreuz und einen Orden der französischen Ehrenlegion erhielt.

Die Bande um den Maler Wolfgang Beltracchi hatte über Jahrzehnte Bilder gefälscht und sie über Galerien und Auktionshäuser in den internationalen Markt geschleust. Im Oktober vergangenen Jahres wurden Wolfgang Beltracchi und seine Handlanger vor dem Kölner Landgericht dafür wegen Betrugs verurteilt – der Fälscher erhielt sechs Jahre im offenen Vollzug. Vor Gericht wurden 14 Bilder verhandelt, die Behörden ermittelten in 55 Fällen.

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