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9. Oktober 2007, 06:51 Uhr

Mittepunkt der Welt

Coole Läden, schöne Menschen, schräge Outfits: In Berlin-Mitte steigen die besten Elektropartys der Welt. Eva Padberg und Niklas Worgt sagen, warum die Hauptstadtszene trotzdem schlechter ist als ihr Ruf.

Seit 2004 leben Eva Padberg und Niklas Worgt in Berlin, im Sommer 2006 haben sie geheiratet© another-dimension

Frau Padberg, Herr Dapayk, Sie veröffentlichen als Dapayk & Padberg bereits die zweite CD. Wegen Frau Padbergs Modelkarriere wird ihre Musik aber von vielen bestimmt gar nicht ernst genommen, oder?

Eva Padberg: Viele Leute, die da zunächst mit einer eher ablehnenden Haltung rangegangen sind, waren positiv überrascht. Wir hören oft, dass es gar nicht so schlimm ist, wie sie es erwartet hätten. (lacht) Außerdem ist es für das Projekt auch ein Vorteil, dass ich bekannt bin. Die Leute sind deswegen erst mal neugierig. Niklas Worgt: Elektro ist auch eine Musikrichtung, die die Leute gar nicht erwarten. Wir machen Clubmusik, die nicht darauf abzielt, in den Charts große Erfolge zu landen. Das hat man ja bei einem Model normalerweise als Erstes im Kopf: Ach, jetzt will sie damit auch noch Geld verdienen. Darum geht es uns aber nicht. Es ist einfach ein Spaßding. Wenn da etwas Geld übrig bleibt, ist es schön, wenn nicht - dann ist das auch scheißegal.

Man kann den Leuten ihr Vorurteil aber nicht wirklich zum Vorwurf machen, wenn man an die vielen hochpeinlichen Musikversuche von Models denkt.

Padberg: Bei mir ist es ja aus einem Hobby heraus entstanden, als zweites Standbein war die Musik nie wirklich angedacht. Nebenbei bemerkt gibt es auch Models, die gute Musik machen. Carla Bruni ist wohl das beste Beispiel. Wenn sich jemand schon immer für Musik interessiert und einen Background hat, dann funktioniert das auch ganz gut. Natürlich gibt es Models, die einfach einen Produzenten treffen, der dann zu ihnen sagt: Du Mädel, dir mach ich eine heiße Scheibe, und wir ziehen dir Hotpants an im Video. Ganz bestimmt wird damit auch sehr viel Geld verdient. Man ist eh schon in der Entertainmentbranche, da finde ich es eigentlich ganz legitim, wenn man auch die verschiedenen Möglichkeiten durchspielt.

Vom Coolnessfaktor der Clubszene zu profitieren, ist eine dieser Möglichkeiten. Ist man in den wirklich angesagten Läden deswegen nicht besonders misstrauisch und arrogant gegenüber Promis?

Worgt: Ach, das kommt immer darauf an, in welche Richtung du dich bewegst. Ich habe nichts gegen Giulia Siegel, ich kenne sie persönlich nicht. Aber sie ist eben für immer so ein Beispiel, wo die Leute schon eher wegen des Namens hingehen und sagen: Das kann nichts werden, das ist gruselig, sieht aber gut aus. Wir bewegen uns aber in einer ganz anderen Nische. Und selbst wenn die Leute damit nichts anfangen können, haben wir zumindest nie gehört, dass wir Scheiße machen. Ich hab letztens gelesen, dass Berliner Clubs alles an der Tür abweisen, von deutschen Soap-Opera-Stars bis zu Britney Spears. Das ist schon bitter! Wir hatten das Problem bisher noch nicht, Eva hat ja direkt mit der Szene zu tun. Wenn es in der Clubszene eine Arroganz gibt, dann hat die vor allem mit musikalischen Dogmen zu tun.

Bei ihrer Tour zur ersten Platte sind dann aber trotzdem vor allem promigeile Klatschspaltenleser gekommen.

Worgt: Deswegen hat es danach auch keine weitere Tour gegeben. Da hast du den coolsten Undergroundclub, den es seit zehn oder 15 Jahren gibt, und selbst der verkauft dann für 50 Gäste mehr seine Seele und macht auf Promibooking. Dann hast du vorne drei Reihen mit Leuten, die mit ihren Handykameras knipsen - und keiner tanzt. Okay, irgendwo hinten gibt es doch noch Leute, die versuchen, von der Musik etwas mitzubekommen. Deswegen spielen wir zum neuen Album nur fünf ausgewählte Gigs in Clubs, die wir kennen und bei denen wir uns darauf verlassen können, dass auf ihren Flyern das Wort Supermodel nicht auftaucht, schon gar nicht in überdimensionaler Größe.

Ein schönes und auch produktives Paar: Model Eva Padberg macht zusammen mit ihrem Mann, dem Musikproduzenten Niklas Worgt, elektronische Clubmusik© another-dimension

Frau Padberg, Ihr Beruf als Model hat sehr viel mit Körperdisziplin zu tun. Beim Clubbing geht es ja eher ums Gegenteil, um Entgrenzung. Sind elektronische Musik und Clubkultur für Sie ein Ausgleich?

Wenn man in dem Modeljob richtig gut arbeitet und weiterhin gebucht werden will, dann muss man diszipliniert sein. Man darf sich nicht ständig gehenlassen, nachts weggehen und einen über den Durst saufen. Die Musik ist schon ein krasser Gegensatz zum Modeln. Musiker sind immer gut drauf, haben Spaß, sie machen ganze Nächte durch, gerade in der Musikbranche, in der wir uns bewegen. Aber es ist nicht mein Ziel, einen krassen Gegensatz in meinem Leben aufzubauen, ich will nicht aufbegehren. Bei unserer letzten Tour haben sich Musik und Modeljobs teilweise schon etwas überschnitten. Dann passen wir besonders auf, dass man zwischendurch mal schlafen kann und auch ein paar Tage frei hat.

...gefunden in:

...gefunden in: Das Interview mit Eva Padberg stammt aus der Oktober-Ausgabe des U_mag. Dort gibt es weitere Bilder der Fotostrecke mit Padberg und Worgt und das Making-of. Außerdem im Heft: Fatih Akin wettert gegen den Kapitalismus, "Generation Genial" - Wie wir kreativ bleiben, ohne mit der Masse zu schwimmen und Wigald Droste wehrt sich gegen den deutschen Gammelsprech.

Dapayk & Padberg

Dapayk & Padberg Eva Padberg arbeitet seit zehn Jahren als internationales Topmodel und ist Star vieler Werbekampagnen. Letztes Jahr gab die 27-Jährige ihr Schauspieldebüt in dem Film "Maria an Callas", ab Ende November ist sie in der Videospielverfilmung "Schwerter des Königs - Dungeon Siege" zu sehen. Ihr langjähriger Freund Niklas Worgt (29) ist Musikproduzent und Inhaber der Plattenfirma Mo's Ferry Productions. Als Dapayk & Padberg veröffentlichten die beiden vor zwei Jahren ihr gemeinsames Debütalbum mit elektronischer Clubmusik. Das Paar lebt seit 2004 in Berlin und heiratete im Sommer 2006. Die CD "Black Beauty" von Dapayk & Padberg ist seit Ende September erhältlich.

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