Eigentlich hatten die Rennorganisatoren alles genau berechnet. Die Strecke beim Frühjahrsklassiker Paris - Roubaix führte 85 Kilometer vor dem Ziel über einen Bahnübergang. Dort würde zwar wie immer ein TGV passieren, doch die Rennfahrer würden erst 10 Minuten später dort vorbeikommen. Würden.
Eines hatten die Organisatoren nicht mit bedacht: Am Renntag herrschte starker Rückenwind. Das Peloton war zehn Minuten schneller als geplant. Ausgerechnet als das Feld den Übergang querte, senkten sich die Schranken.
Einige Fahrer huschten noch schnell rüber, einige blieben stehen. Auch als die Schranken geschlossen sind quetschte sich noch manch Fahrer durch und überquerte die Gleise. Es ist schließlich ein Rennen. Doch Sekunden später rauschte der TGV vorbei.
Passiert ist bei dem Vorfall nichts. Doch nach dem Rennen, das der Thüringer John Degenkolb als erster Deutscher seit 119 Jahren gewann, herrschte große Aufregung. Bei den Fahrern, bei der Bahngesellschaft SNCF und bei den Organisatoren.
"Darum muss sich jemand kümmern. Es war lebensgefährlich. Wir sind durchgefahren, aber es war knapp", sagte der französische Meister Arnaud Demare.
Bahn stellt Strafanzeige - "unverantwortlicher Verstoß"
Die Rennorganisatoren bestätigten, die Fahrer nicht bestrafen zu wollen. "Es war den führenden Fahrern nicht möglich, sicher zu stoppen", sagte Guy Dobbelaere, "das Peloton war zehn Meter entfernt, als die Schranke runterging." Die Radsportorganisation UCI befand, es sei ein schockierender Moment gewesen, der "extrem besorgniserregend" gewesen sei. Sie fordern einen gesonderten Bericht der Organisatoren.
Die französische Eisenbahn SNCF hat nach dem Rennen eine Strafanzeige angekündigt, weil einige Teilnehmer trotz geschlossener Schranken einen Bahnübergang überquert haben. "Millionen Fernsehzuschauer konnten live diesen extrem schweren und unverantwortlichen Verstoß sehen, der tragisch hätte enden können", teilte die SNCF mit. Deshalb habe sie entschieden, eine Anzeige gegen Unbekannt zu stellen.