Weidmann prognostiziert Lohnsprung 2012

28. Dezember 2011, 10:15 Uhr

Bundesbankpräsident Jens Weidmann wagt im neuen stern eine optimistische Prognose, was die Einkommen privater Haushalte angeht. Den Mega-Kredit mit Mini-Zins der EZB an die Banken verteidigt er.

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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist seit Mai 2011 im Amt©

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich erstmals zu dem 489-Milliarden-Euro-Kredit geäußert, den die Europäische Zentralbank vorige Woche den Banken zu einem Mini-Zins von einem Prozent zur Verfügung gestellt hat. In einem Gespräch mit dem stern nannte Weidmann dies "eine ungewöhnliche Maßname, auch in dieser Höhe". Sie sei aber notwendig, um "den Kreditfluss in die Wirtschaft in Gang zu halten". Weidmann: "Es ist eine Überbrückungshilfe für die Banken, die erst dann wieder gefestigt dastehen können, wenn die Staatsschuldenkrise überwunden ist."

Gleichzeitig lehnte Weidmann in dem Interview stärkere Eingriffe der Notenbanken zur Lösung der Staatsschuldenkrise ab. Dies würde die Stabilität der Währung infrage stellen und die Krise nur verschärfen. Weidmann: "Staatsfinanzierung mit der Notenpresse würde auf Dauer zulasten gerade der kleinen Sparer gehen, der Menschen mit niedrigem Einkommen."

Vordringlich sei, das Problem an der Wurzel zu packen und die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Weidmann: "Jeder Bürger weiß, wenn man zu hohe Schulden hat, dann muss man den Gürtel enger schnallen." In einer Währungsunion sei jedes Land für seine Finanzen verantwortlich. Andernfalls wäre es möglich, sich auf Kosten anderer zu verschulden.

"Kein Grund, in Panik zu verfallen"

Trotz der gegenwärtig schwierigen Lage sieht Weidmann "überhaupt keinen Grund, in Panik zu verfallen". Der Euro ist nach seinen Worten stabiler als die D-Mark. Auch die Perspektiven für Deutschland seien gut: Das Wachstum sei relativ robust, die Arbeitslosigkeit so niedrig wie lange nicht. Dem stern sagte Weidmann: "Wir gehen davon aus, dass die Einkommen der privaten Haushalte im kommenden Jahr um drei Prozent steigen. Da kann man doch nicht so tun, als ob die Welt untergeht".

Verständnis äußert der Bundesbankpräsident für die "Occupy"-Demonstranten vor der Frankfurter EZB-Zentrale: "Manche Anliegen der Demonstranten sind ja durchaus berechtigt, etwa die Forderung nach stärkerer Regulierung der Banken". Große Banken müssten "strenger beaufsichtigt werden". Generell habe die Finanzkrise Defizite in unserem Wirtschaftssystem aufgezeigt - "von der Regulierung der Finanzmärkte bis hin zur Frage der demokratischen Legitimation bestimmter Entscheidungen".

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