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14. Oktober 2009, 11:40 Uhr

Datenskandal bei der Telekom deutlich größer

Bei der Telekom sind nach Informationen des stern deutlich mehr vertrauliche Kundendaten in dunkle Kanäle geraten, als bisher bekannt. Zudem schritt der Konzern trotz Warnungen monatelang nicht ein. Von Johannes Röhrig

Telekom, Datenmissbrauch, Bespitzelung, Datensicherheit

Trotz früher Hinweise brauchte die Telekom Monate, um die Zusammenarbeit mit einem dubiosen Partner-Unternehmen zu beenden© Jürgen Schwarz/DDP

Der jüngste Datenskandal bei der Telekom hat nach Informationen des Hamburger Magazins stern ein viel größeres Ausmaß, als bisher bekannt. Der stern berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, die am Donnerstag erscheint, dass offenbar sogar millionenfach vertrauliche Daten von Telekom-Kunden in dunkle Kanäle geraten sind. Zudem hatte der Konzern bereits Ende vergangenen Jahres Hinweise auf unseriöse Machenschaften, schritt zunächst jedoch nicht ein.

Wie der stern meldet, ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft seit Anfang des Jahres gegen einen Ring von Datenhändlern und Callcenter-Betreibern. Es wurden Telefonate abgehört und Scheinkäufe getätigt. Am 21. Juli schlug die Kripo zu. Nach Informationen des stern durchsuchten die Beamten deutschlandweit an fast 30 Orten Personen und Firmen. Millionen Datensätze wurden sichergestellt. Viele der Kundenlisten beinhalteten vertrauliche Informationen wie Geburtsdaten und Bankverbindungen. Die meisten davon sollen Kunden der Deutschen Telekom betreffen.

Vergangene Woche teilte der Konzern mit, es habe sich gezeigt, dass vier Vertriebspartner unseriös gearbeitet und Kundendaten an Dritte weitergereicht hätten - unter anderen auch an Callcenter im Ausland. Gegenüber dem stern gab die Telekom an: "Ob und wenn ja, welche Informationen aus unseren Systemen stammen, ist Teil der Ermittlungen, die nicht abgeschlossen sind." Der Datenschutz-Vorstand der Telekom, Manfred Balz, verwies auf eingeleitete Gegenmaßnahmen.

Leicht umgehbare Schutzbestimmungen

Die Ermittlungen der Kripo zeigen allerdings, wie fahrlässig die Deutsche Telekom beim Kundenfang mit dem Schutz von Daten umging. Der Konzern engagiert rund 1000 Haupt-Vertriebspartner. Die wiederum greifen auf mindestens 12.000 Subunternehmer zurück. Eigentlich dürfen Informationen aus der Vertriebsdatenbank nur manuell aufgerufen werden. Aber diese Hürde lässt sich offensichtlich leicht umgehen: Die Bankdaten der Kunden könnten auch maschinell abgerufen werden, bestätigte ein Mitarbeiter der Telekom-Konzernsicherheitsabteilung gegenüber der Kripo. Der automatisierte Abruf sei aber "vertraglich verboten".

Zudem war die Telekom nach stern-Informationen gewarnt, dass Vertriebspartner in unerlaubtem Maße auf die Kundendatenbank zugreifen. Eine der Firmen, die im Juli von der Polizei durchsucht wurden, heißt Sedi Media und sitzt in der Nähe von Stuttgart. Ein Mitarbeiter eines Callcenters in der Türkei gab der Telekom bereits am 12. Dezember 2008 den Hinweis, dass Datenlisten der Sedi Media für die Akquise von Telekomkunden genutzt würden.

Zusammenarbeit erst Monate später beendet

Die Telekom nahm den Vertriebspartner daraufhin unter verschärfte Beobachtung. Heraus kam, dass von der Firma aus allein in der zweiten Jahreshälfte 2008 rund vier Millionen Mal auf Vertriebsdatenbanken der Telekom mit den vertraulichen Kundeninformationen zugegriffen worden war. Telekom-intern wurde notiert, es handele sich um eine "unzulässige maschinelle Abfrage", die in keinem Verhältnis zu den Vertragsabschlüssen der Sedi Media stehe.

Ein Sperrung des Zugangs blieb zunächst jedoch aus. Sie erfolgte erst Monate später. Die Telekom gibt an, dass die Sedi Media seit dem 31. März 2009 nicht mehr über das Telefon akquirieren dürfe, vollständig wurde die Zusammenarbeit erst im August beendet.

Von Johannes Röhrig
 
 
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