Miniserie in der ZDF-Mediathek
"The Veil" mit Elisabeth Moss: Duell zweier Frauen

  • von Eric Leimann
Imogen Salter (Elisabeth Moss) ist in der Miniserie "The Veil" jene Art von Agentin, die man nicht zum Feind haben will: hochintelligent, schlagkräftig und zu Alleingängen neigend.
Imogen Salter (Elisabeth Moss) ist in der Miniserie "The Veil" jene Art von Agentin, die man nicht zum Feind haben will: hochintelligent, schlagkräftig und zu Alleingängen neigend.
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"Peaky Blinders"-Macher Steven Knight liefert mit "The Veil" (ZDF-Mediathek, 10. März) eine Agentenstory, die auch ein Roadmovie quer durch Europa darstellt: Agentin Imogen Salter (Elisabeth Moss) muss herausfinden, ob Ex-Modell Adilah El Idrissi (Yumna Marwan) IS-Terroristin oder unschuldig ist.

Die sechsteilige Serie "The Veil" (Dienstag, 10. März, 22.30 Uhr, ZDFneo, oder ab 23.20 Uhr in der ZDF-Mediathek) erzählt von MI6-Agentin Imogen Salter (Elisabeth Moss, "The Handmaid's Tale"), die in einem Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze eine Frau aufspürt. Angeblich ist Adilah (Yumna Marwan) nur eine verzweifelte Mutter – doch Hinweise verdichten sich, dass sie eine Schlüsselfigur des IS und an der Planung eines Anschlags in Europa beteiligt sein könnte. Imogen soll Adilah nach Europa eskortieren, sie schützen, verhören und zugleich testen, ob sie eine tickende Zeitbombe oder ein Bauernopfer ist.

Die sechsteilige Miniserie von "Peaky Blinders"-Macher Steven Knight arbeitet mit klassischen Agentenserien-Motiven: Ver- und Misstrauen, Versteckspiele und Actionmomenten. Dabei lässt sie jedoch trotz starker Roadmovie-Bilder aus ganz Europa ein wenig Originalität vermissen.

Auf der Reise über Istanbul und Paris bis nach London schalten sich amerikanische Dienste, französische Behörden und verschiedene Geheimnisträger ein: Loyalitäten verschieben sich und Imogen muss entscheiden, wem sie überhaupt noch trauen kann – einschließlich sich selbst. Stärken der Serie liegen im intensiven Zweipersonenstück zwischen Imogen und Adilah. Deren Gespräche sind voller Andeutungen, Drohungen und spontaner Nähe, in denen beide Frauen ihre Version der Wahrheit konstruieren. Elisabeth Moss verkörpert Imogen als nervöse, emotional beschädigte Profilerin, die ihre Empathie genauso als Waffe nutzt wie ihre Fähigkeit zur Brutalität.

Kein neues "Homeland"

Visuell bietet "The Veil" eine elegante, leicht unterkühlte Bildsprache, die gut zum moralischen Grau der Geschichte passt. Gleichzeitig krankt die Serie an Überfrachtung. Nebenplots über politische Intrigen, interne Feindseligkeiten zwischen Diensten und Imogens traumatischer Vergangenheit sind so zahlreich, dass sie Spannung eher verdünnen als steigern.

Der Plot behauptet permanente Dringlichkeit, inszeniert sie aber oft in langen Expositionsszenen, die wie Füllmaterial wirken. So bleibt nach sechs Episoden der Eindruck einer ambitionierten, thematisch durchaus aktuellen Spionageserie, die nie ganz ihren erzählerischen Fokus findet. Wegen seines starken weiblichen Duos und dessen Beziehung ist "The Veil" sehenswert. Ein neues "Homeland" ist das starbesetzte Disney-Hochglanzprodukt von 2024 jedoch nicht.

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