Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Er ist Begleiter, Beschützer – und Besserwisser. Letzteres trifft jedenfalls auf den Titelhelden der Reihe "Kommissar Rex" zu. SAT.1 holt den tierischen Ermittler nach über 20 Jahren wieder zurück auf die Bildschirme. Dieses Mal schnüffelt er allerdings nicht mehr an der Seite von Tobias Moretti als Richard "Richie" Moser, sondern von Maximilian Brückner (47), den Star aus "Sophie Scholl – Die letzten Tage", als leitender Kommissar Max Steiner. Dass ein Hund jedoch nicht immer auf sein Herrchen hört, sondern auch seinen eigenen Kopf hat, weiß Brückner, Hofbesitzer und Vater von drei Kindern, nur zu gut. Wie emotional und abwechslungsreich die Dreharbeiten mit seinem tierischen Kollegen waren, erzählt er im Interview anlässlich des Starts des Reboots (sechs Folgen, ab 13. April montags, 20.15 Uhr, auf SAT.1). Der gebürtige Bayer muss es wissen, schließlich beherbergt er selbst zahlreiche Fellknäuel daheim im Chiemgau. Und so groß kann der Unterschied zwischen Schaf und Hund doch auch nicht sein, oder?
teleschau: Herr Brückner, Fans dürfen Sie nun an der Seite eines tierischen Hauptdarstellers sehen. – Haben Sie selbst Haustiere?
Maximilian Brückner: Ich weiß nicht, ob "Haustiere" das richtige Wort ist. Ich habe nämlich Schafe, Ziegen, Hühner, Enten und Gänse. Die sind aber zum Glück nicht im Haus. Als ich klein war, hatten wir Hunde. Das ist allerdings lange her. Hunde brauchen einfach unglaublich viel Zeit und Aufmerksamkeit. Das ist bei meinen Schafen anders, die das ganze Jahr über fröhlich auf der Weide grasen. Meine Hoftiere lassen sich deshalb auch sehr gut mit meinem Beruf vereinbaren.
teleschau: Für "Kommissar Rex" stehen Sie gemeinsam mit einem Hund vor der Kamera. Hunde folgen allerdings keinem Drehbuch ...
Brückner: Im Grunde macht mir genau das sehr viel Spaß. Ich musste zu jedem Zeitpunkt hellwach sein, auf den Hund reagieren und trotzdem in der Rolle bleiben und meinen Text sagen. Selbst wenn ich fast über ihn stolpere, weil er jetzt doch lieber nach links statt nach rechts geht. Ich finde es spannend, gerade dann nicht abzubrechen, sondern die Szene weiterlaufen zu lassen. Oft kommt dabei etwas sehr Passendes heraus. Natürlich musste ich aber nicht nur für mich, sondern auch für den Hund spielen – meinen Partner und besten Freund. Ich rede in den Filmen ganz normal mit ihm. Er ging mir auch manchmal auf die Nerven, aber gerade dann transportierten wir als Team etwas unfreiwillig Komisches und Schräges. Rex und Kommissar Max Steiner sind eben zwei Junggesellen, die zusammen in einer Bude leben und gemeinsam Fälle aufklären.
"Ich war der einzige Kandidat beim Casting, mit dem der Hund kein Foto machen wollte"
teleschau: Was braucht es, damit die Beziehung zwischen Ermittler und Hund glaubwürdig wirkt?
Brückner: Ich glaube, trotz allen Humors ist Ernsthaftigkeit das Wichtigste. Ich finde es immer schwierig, wenn der Hund nur der Hund ist und der Kommissar ihm Befehle erteilt. Manchmal macht der Hund eben nicht das, was man will. Dieses Hin und Her macht die Filme erst authentisch.
teleschau: Dafür brauchte es aber sicher eine besondere Vorbereitung?
Brückner: Wir haben großartige Tiertrainerinnen, die sehr unprätentiös agieren, was ich sehr schätze. Ich habe mich nicht anders auf diese Rolle vorbereitet als auf meine anderen Rollen – ich spiele viel aus dem Bauch heraus. Allerdings bin ich vorab zwei- oder dreimal zu den Trainerinnen auf die Filmtierranch gefahren, um Rex besser kennenzulernen, weil ich der einzige Kandidat beim Casting war, mit dem der Hund kein Foto machen wollte. Absurd, oder? (lacht) Ich dachte mir: "Prima, jetzt mag der mich nicht ..." Aber ich mag Sachen, die erst mal sehr kompliziert oder gar unmöglich erscheinen. Jetzt sind wir ein Herz und eine Seele.
teleschau: Warum berührt Zuschauende die Beziehung zwischen Mensch und Tier oft stärker als viele zwischenmenschliche Geschichten?
Brückner: Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, weil Tiere sehr echt und pur sind. Sie spielen keine Rolle, sondern agieren ungefiltert – so wie Menschen, wenn sie noch Kinder sind, bevor sie in die Strukturen der Gesellschaft hineingeraten oder hineingedrängt werden und jeder irgendwann eine Rolle im eigenen Leben übernehmen muss.
"Was wir von Hunden lernen können, ist Vertrauen"
teleschau: Was können Menschen Ihrer Meinung nach von Hunden lernen?
Brückner: Ich habe mich zwar viel mit ihm beschäftigt, aber der Großteil lief über die Hundetrainerinnen. Er hörte vor allem auf sie und weniger auf mich (lacht). Was wir aber von Hunden lernen können, ist Vertrauen. Ich erinnere mich an eine Szene, die mir eine Gänsehaut beschert hat. Ich sollte emotional ausflippen. Die Kamera kam ganz langsam näher, um den Moment einzufangen. Der Hund merkte das und nahm die Kamera als Bedrohung für mich wahr. Er wollte mich beschützen. Das hat mich – der ich eigentlich eher der pragmatische Typ bin – echt gerührt.
teleschau: Wer ist also der bessere Kollege – der Mensch oder der Hund?
Brückner: Das ist gemein (lacht). Hunde sind einfach cool. Sie verzeihen auch sehr viel und bleiben an deiner Seite. Allerdings denke ich, dass wir Menschen und Hunde als Spiel-Partner vor der Kamera nicht vergleichen können.
teleschau: Im Laufe der langjährigen Geschichte von "Kommissar Rex" waren weitaus mehr Hunde an dieser Rolle beteiligt, als den Zuschauern bewusst war.
Brückner: Das ist hier ebenfalls der Fall. Genau wie ich braucht Rex bei manchen Sachen einfach ein Stuntdouble. Dann springt ein anderer Hund, der beispielsweise auf riskante Sprünge spezialisiert ist, in die Bresche. Außerdem dürfen wir nicht vergessen: Er muss genauso wie ich jeden Tag funktionieren. Deshalb gibt es für Proben auch eine lebensgroße Attrappe.
teleschau: Das alles hört sich nach sehr anstrengenden Tagen auch für den Hund an.
Brückner: Ich hatte zu keiner Sekunde das Gefühl, dass der Hund keinen Spaß hatte – im Gegenteil. Es wirkte eher so, als würde er es genießen und sich manchmal sogar absichtlich ein bisschen Zeit lassen. Fast so, als würde er den Star raushängen lassen ... Für mich käme es auch nicht infrage, mit einem Tier zu arbeiten, bei dem ich merke, dass es ihm nicht gut geht. Hier waren die Hunde sehr motiviert – wir mussten sie fast ein bisschen bremsen. Die Tiertrainerinnen achten zudem sehr genau darauf, dass alles ruhig abläuft, die Konzentration stimmt und die Tiere nicht von jedem angefasst werden. Ich war der Einzige, der engen Kontakt zu ihnen hatte. Alle am Set achteten sehr darauf, dass alles im richtigen Maß blieb und sie nicht überfordert wurden.
teleschau: Wäre es heutzutage nicht einfacher, den Hund mit KI zu erstellen?
Brückner: Nein, es geht um das Gefühl, das wir transportieren können – selbst in einer Zeit, in der KI vieles zu glätten scheint. Wenn nichts Echtes mehr passiert, wir nicht mehr improvisieren, wird es schnell langweilig. Gerade kleine Unsauberkeiten, die nicht ganz ins Drehbuch zu passen scheinen, lassen Szenen lebendig werden. Ohne sie wirkt das Zusammenspiel tot – wie KI: Sie tut so, als wäre sie lebendig, ist es aber nicht.
"Wenn man nicht scheitern kann, hat man auch nichts zu verlieren"
teleschau: "Kommissar Rex" erfreute sich auch international großer Beliebtheit. Wie groß ist der Druck?
Brückner: Ich bin völlig entspannt und gebe einfach mein Bestes, weil ich Herausforderungen mag. Scheitern gehört dazu. Wenn man nicht scheitern kann, hat man auch nichts zu verlieren. Natürlich hoffe ich, dass mir das nicht passiert. Mit Tobias Moretti kann man mich ohnehin nicht vergleichen. Er hat die Figur ganz anders angelegt, und wir sehen auch ganz unterschiedlich aus. Ich habe versucht, meinen eigenen Zugang zu finden. Meine Figur wirkt nach außen hin eher verschlossen, wie ein Eigenbrötler, der niemanden so richtig an sich heranlässt. Beim Hund aber kann er loslassen. Das öffnet etwas in ihm, was vielleicht kein Mensch erreichen würde.
teleschau: Wie schätzen Sie die Erfolgschancen des Reboots ein?
Brückner: Es ist immer schwierig, so etwas einzuschätzen. Ich glaube, die Zuschauenden haben das gleiche Gefühl wie ich damals, als ich diese Serie sah. Ich kann nicht einmal genau sagen, was es ist. Aber dieses Gefühl setzt sich fort. Vielleicht nehmen sie es wahr und akzeptieren das Neue. Wir werden es sehen.
teleschau: Inwiefern unterscheidet sich dieses Reboot vom Original?
Brückner: Eine Kopie vom Original ist immer schlecht. Im Kern geht es nicht um Details, sondern darum, das eigene Gefühl in die Figur einzubringen. Ob Lederjacke oder Anzug – solche Äußerlichkeiten sind zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Konstellation funktioniert. Und ich finde, das tun Rex und ich.
"Meistens werde ich dann sowieso mit meinem Bruder verwechselt"
teleschau: Sie wirken sehr bodenständig, obwohl Sie ein bekannter Schauspieler sind. Wie schaffen Sie es, auch nach 20 Jahren in dieser Branche geerdet zu bleiben?
Brückner: Ich lebe auf einem Hof. Das hat oft etwas sehr Beruhigendes. Trotz meiner vielen beruflichen Reisen bin ich immer ein Teil des Dorfes geblieben. Gleichzeitig schreibe ich weiter, entwickle Drehbücher und arbeite aktuell an einer musikalischen Lesung über den Tod. Dabei versuche ich immer, mich nicht auf meinen Lorbeeren auszuruhen.
teleschau: Obendrein sind Sie auch noch Vater von drei Kindern – wie lässt sich das Berufliche mit Familie vereinbaren?
Brückner: Diese sieben Monate, in denen ich nur am Wochenende zu Hause war, waren schon arg. Jetzt bin ich den ganzen Tag zu Hause und nehme mir alle Zeit der Welt für meine Familie. Ich muss morgens nicht weg und kann meinen Kindern Frühstück machen. Darauf lege ich großen Wert.
teleschau: Wie erleben Sie Fan-Begegnungen in der Heimat und Umgebung?
Brückner: Die meiste Zeit bin ich einfach nur Maximilian. Das liegt daran, dass ich in meinen Rollen komplett verschwinde. Die Leute wissen zwar, dass sie mich kennen, können mich aber oft nicht einordnen. Wenn beispielsweise das Herbstfest in Rosenheim ist, dann kommt schon mal der eine oder andere auf mich zu. Aber meistens werde ich dann sowieso mit meinem Bruder verwechselt (lacht).
teleschau: Gibt es zwischen Ihnen zeitweise auch Konkurrenz, beispielsweise wenn es um begehrte Rollen geht?
Brückner: Ja, es war eine Schweinerei, dass ich die Rolle des Florian Eder in "Neue Geschichten vom Pumuckl" nicht bekommen habe (lacht). Nein, Spaß beiseite. Wir haben eine Regel: Wir gehen nie gemeinsam zu Castings. Dass die Neuauflage diesen Erfolg feiert, freut mich extrem. Im Grunde machen wir ja Ähnliches: Ich spiele mit einem Hund und er mit einem Kobold. Wir ermitteln beide auf unsere eigene Art und Weise. Wir sind nie gegeneinander. Wir setzen aktuell sogar alles daran, gemeinsam vor der Kamera zu stehen. Mehr darf ich dazu leider noch nicht sagen.
"Die weltpolitischen Entwicklungen bereiten mir tatsächlich Sorgen"
teleschau: Sie kommen aus einer Großfamilie und leben in einem Mehrgenerationenhaus im Chiemgau. Ist das nicht manchmal auch anstrengend?
Brückner: Doch, aber das ist ganz normal. Die Vorteile überwiegen jedoch ganz klar. Jeder hat seinen Rückzugsort. Ich habe mein Büro oben. Unten spielen sechs bis acht Kinder. Für die Kinder ist es der Hammer. Für uns auch. Wir können uns immer aufeinander verlassen. Trotzdem menschelt es ...
teleschau: Würden Sie Ihre Kinder dabei unterstützen, wenn sie in Ihre Fußstapfen treten wollten?
Brückner: Wenn es ihre Entscheidung ist, werde ich sie immer unterstützen, auch wenn es eine harte Branche ist. Wir werden sehen, wohin sich das entwickelt. Mir war beispielsweise nicht bewusst, dass Lesungen so erfolgreich sein können. Ich merke, dass es ein echtes Bedürfnis nach analogen Erlebnissen gibt. Solche Gegentrends wird es immer geben. Theater etwa wird bestehen bleiben. Der Film hingegen wird sich, davon bin ich überzeugt, stark verändern. Letztlich hängt alles davon ab, was das Publikum annimmt. Wenn Menschen akzeptieren, dass KI ihnen etwas vermeintlich Lebendiges vorspielt, dann wird sich das auch durchsetzen, aber das lässt sich derzeit kaum abschätzen.
teleschau: Beim Filmfest München 2025 räumten Sie ein, dass Sie sich rückblickend auf Ihre berufliche Karriere darüber geärgert haben, oft Dinge als selbstverständlich hingenommen zu haben. Wie blicken Sie jetzt in die Zukunft?
Brückner: Das will ich gar nicht nur auf meine Branche beziehen. Wenn ich mich auf Veränderungen einlasse, dann komme ich auch irgendwann damit zurecht. Ich stelle mich einfach breiter auf. Die weltpolitischen Entwicklungen hingegen sind eine ganz andere Liga und bereiten mir tatsächlich Sorgen. In meinem Leben ging es bisher immer bergauf und vieles war selbstverständlich. Aber ich merke, wie schnell sich das ändern kann. Diese Einsicht zu gewinnen, ist ein Prozess – und genau das beschäftigt mich am meisten.
"Ich definiere mich nicht nur über meine beruflichen Erfolge"
teleschau: Was bedeutet Glück für Sie persönlich?
Brückner: Wenn ich alles um mich herum so bewahren kann, wie es gerade ist, dann ist das ein riesiges Glück für mich. Ich bin sehr dankbar für meine Familie und die beruflichen Chancen, die sich mir bieten. Aber ich definiere mich nicht nur über meine beruflichen Erfolge. Hier in meinem Zuhause bin ich glücklich, und das ist das Wichtigste.
teleschau: Die Handlung der Reihe spielt in Wien und Umgebung. Können oder müssen Sie vielleicht sogar auf Ihren bayerischen Dialekt verzichten?
Brückner: Nein, das ist Käse. Ich bin kein Wiener und werde mir auch nicht anmaßen, irgendetwas nachzuahmen. Die Zuschauer werden den süddeutschen Einschlag auf jeden Fall bemerken. Wir sind ja auch nicht weit von der Grenze entfernt. Nichtsdestotrotz kann ich meinen Dialekt auch ganz gut abstellen.
teleschau: Wie wichtig oder präsent darf Dialekt heute überhaupt noch sein?
Brückner: Ich bin der Ansicht, dass es nur Dialekte gibt – und das ist wunderschön. Betrachten wir beispielsweise die bayerische Mundart: Bayerische Filme funktionieren ja wahnsinnig gut. Am 14. Mai kommt mein neuer Film "Ein Münchner im Himmel" in die Kinos. Auch "Pumuckl" und die Krimis von Rita Falk mit Sebastian Bezzel kommen extrem gut beim Publikum an – und das weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Dialekt wirkt sympathisch und erleichtert durch seine Eigenart den Zugang zueinander.