Donald Trump ist Fan eines billigen Dollars. Er hofft auf mehr Exporte, wenn US-Unternehmen einen Währungsvorteil haben. Das mag vereinzelt funktionieren. Aber niemand in Europa wird seinen VW Golf durch einen Monstertruck aus US-Produktion ersetzen, nur weil der relativ gesehen etwas billiger wird.
Dazu kommt: Den möglichen Vorteilen im Güterhandel stehen zwei andere Probleme entgegen: Ein schwacher Dollar treibt die US-Inflation hoch und gefährdet die Stabilität am Finanzmarkt. Und damit ist Kevin Warsh im Spiel. Der von Trump als Fed-Präsident nominierte Ökonomkönnte schneller in die Rolle des Dollar-Retters rutschen, als ihm selbst lieb sein mag.
Kevin Warsh hat das Mindset für Krisen
Das Vertrauen in die Weltleitwährung ist massiv angekratzt, wie die Rekordjagd beim Goldpreis zeigt – und auch die deutliche Euro-Aufwertung. Eine Dollar-Krise ist jederzeit möglich. Die gute Nachricht ist: Mit Warsh würde jemand an der Spitze der US-Notenbank stehen, der die Qualifikation und das Mindset für solch eine Lage hat. Schließlich hat er bereits während der globalen Finanzkrise für die Fed gearbeitet und ist als Mitglied der "Gruppe der 30" bestens in der Welt der Notenbanken verdrahtet.
Das lässt Investoren genauso aufatmen wie die Tatsache, dass Warsh kein Anhänger einer ultralockeren Geldpolitik ist. Im Gegenteil: Er hat sich bislang für einen deutlichen Bilanzabbau bei der Fed ausgesprochen, zuletzt aber auch für niedrige Zinsen. Ob das taktisch oder grundsätzlich war, wird sich in seiner Anhörung vor dem Senat zeigen.
Nähe zu Trump ist problematisch
Problematisch bleibt allerdings die Nähe von Warsh zu Trump. Er hat in die milliardenschwere Lauder-Familie eingeheiratet, die zu den Wegbereitern von Trumps Präsidentschaft zählt. Die jüngste Warnung des amtierenden Fed-Chefs Jerome Powell, sein Nachfolger möge sich von der Politik fernhalten, könnte also in diese Richtung gemünzt sein.
Dennoch: Angesichts von Trumps anderen Fed-Kandidaten erscheint Warsh die beste Wahl. Man stelle sich nur vor, der esoterisch-querdenkende Steven Miran würde in der Herzkammer des Kapitalismus schalten und walten können. Oder Kevin Hassett, der Meister der Fehlprognosen. Der amtierende Governeur Christopher Waller wäre auch keine gute Wahl gewesen, er hatte sich bei den jüngsten Zinsentscheidungen an Miran und damit Trump angenähert. Und Blackrock-Rentenboss Rick Rieder ist sicherlich fachlich qualifiziert, aber seine Wahl hätte ein Geschmäckle gehabt, weil sein Boss Larry Fink eine führende Rolle beim Weltwirtschaftsforum in Davos spielt.
Einfach dürfte die Amtszeit für Warsh nicht werden. Trump wird kaum von seiner Forderung nach ultraniedrigen Zinsen abrücken und kann mit seinem erratischen Handeln jederzeit eine Dollar- oder Finanzkrise auslösen.
Was hoffen lässt: Notenbanken formen sich immer auch ihre Präsidenten. Powell war ebenfalls eine Wahl Trumps – und hat sich zu dessen härtestem Gegner entwickelt.
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