Bei zwölf Prozent Rendite werden auch risikoscheue Investoren leicht schwach. Mit solchen Versprechen werben einige Anbieter für Anlagen in Private Markets, also außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) oder Kredite außerhalb des streng regulierten Bankensektors (Private Credit). Schlagzeilen machte der Neobroker Trade Republic, der mit zweistelligen Renditen für Private Markets-Investments warb und diese ab 1 Euro zugänglich macht.
In den USA haben solche Private-Credit-Fonds gerade größere Probleme. Deshalb warnt nun die deutsche Finanzaufsicht Bafin vor Risiken bei ELTIFs, die in ihrer reformierten Form erst seit rund zwei Jahren auf dem Markt sind. „Wir beobachten, dass Anlagen wie Private Debt und Private Equity immer stärker an Privatkunden vertrieben werden, zum Beispiel in Form von ELTIFs“, sagte Bafin-Präsident Mark Branson am Dienstag während der Jahrespressekonferenz der Bafin in Frankfurt.
„Die Entwicklung bei ELTIFs steht noch ganz am Anfang, deshalb schauen wir, dass sie richtig vertrieben werden, an die richtigen Kunden mit dem richtigen Verständnis“, sagte Branson. Es gelte, „sicherzustellen, dass nicht die falschen Kundinnen und Kunden in diese Investments reinstolpern“.
Auf die Produkte selbst habe die Bafin wenig Einfluss, weil sie meist in Luxemburg oder Irland aufgelegt seien. „Wer über einen Fondsmantel wie einen ELTIF in Private Equity oder Private Debt investiert, muss sich der Risiken bewusst sein, die damit einhergehen“, sagte Branson. Die Anlagen, die in solchen Fonds stecken, sind oft illiquide und könnten nicht schnell ohne erheblichen Wertverlust in Barmittel umgewandelt werden. „Wer in einen solchen ELTIF anlegt, sollte daher nicht auf kurzfristige Liquidität angewiesen sein.“
Hinzu komme, so Branson, dass es sich bei Private Equity oder Private Debt um „komplexe und oft auch wenig transparente Anlagen“ handele und die Anlageobjekte nicht immer leicht zu bewerten seien. „Die Renditeversprechen sind verlockend. Man findet Produkte, die eine Rendite von zwölf Prozent plus in Aussicht stellen“, sagte Branson.
ELTIF: „komplex und oft wenig transparent“
„Tatsächlich aber können Anlegerinnen und Anleger auch erhebliche Verluste erleiden, insbesondere wenn sie einen kürzeren Anlagehorizont haben“, warnte der oberste deutsche Finanzaufseher. „Und das ist im Retailbereich ja häufig der Fall. Außerdem können auch die Kosten hoch bis sehr hoch sein: drei bis vier Prozent pro Jahr sind normal, fünf bis sechs Prozent findet man auch.“ Aktiv verwaltete Aktien- und Mischfonds kommen meist auf eine Kostenquote von 1,5 bis 2,0 Prozent, passive Produkte (ETFs) gibt es meist im Bereich von 0,1 bis 0,3 Prozent.
Um die Risiken der ELTIFs besser auszuweisen, will die Bafin die europaweiten Regeln ändern. ELTIFs werden bislang nur auf Basis ihrer geringen Volatilität bewertet und gelten daher als recht sicher. Weil die von ELTIFs gehaltenen Anlagen größtenteils jedoch nicht leicht verkäuflich sind, drohen Liquiditätsrisiken.
Diese sollen, so ein europäischer Vorstoß der Bafin, künftig ebenfalls berücksichtigt werden. „Der Risikoindikator eines ELTIFs sollte nicht nur die Volatilität sein, sondern auch die Liquidität“, sagte Branson. Sollte die Initiative im Zuge der Überarbeitung der europäischen Finanzregulierung Erfolg haben, würden ELTIFs künftig als erheblich risikoreicher ausgewiesen werden. Den hohen Renditen stünde dann wohl ein angemessener Risikoausweis gegenüber.
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