Stromausfall
Notfallvorsorge kostet deutsche Haushalte im Schnitt 900 Euro

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Ein Mann kocht bei Stromausfall Ravioli
Als im Januar in Berlin der Strom ausfiel, standen viele Menschen ohne Vorsorge da
© Jochen Tack / Picture Alliance

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Nicht erst seit dem Berliner Stromausfall rät die Bundesregierung, für den Notfall vorzusorgen. Doch der Katastrophenschutz kann teuer werden, zeigt eine exklusive Auswertung.

Wer den offiziellen Empfehlungen des Bundes zur Notfallvorsorge folgt, muss im Schnitt mit etwa 900 Euro an Kosten rechnen. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung der Deutschen Kreditbank (DKB), die Capital exklusiv vorliegt. Die Analyse basiert auf den durchschnittlichen Marktpreisen für Produkte, die sich auf der offiziellen Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) finden. 

Demnach sind vor allem Produkte für die Energieversorgung wie Gasheizer oder Brennstoff teuer. Gemeinsam mit der Campingtoilette macht dieser Bereich knapp die Hälfte der Gesamtkosten aus. Auf einen dreistelligen Betrag kommt aber laut DKB auch die Hausapotheke. Für viele Haushalte dürfte dies eine spürbare finanzielle Belastung darstellen, schreibt die DKB.

Das BBK bestätigte auf Capital-Anfrage, dass Kosten in dieser Höhe plausibel sind – zumindest, wenn alles neu angeschafft werden müsse. „Uns ist bewusst, dass nicht jede und jeder einen Notvorrat für zehn Tage und dazu alle Gegenstände unserer Checklisten anschaffen oder lagern kann“, so die Behörde. Wer könne, solle aber Vorsorge treffen. „Wichtig dabei ist: Auch kleine Vorräte und Vorsorgeschritte helfen bereits.“

Stromausfall in Berlin im Januar: tagelang ohne Heizung und Netz

Immer wieder sorgen Extremwetter oder andere Notfälle dafür, dass Menschen einige Tage autark überstehen müssen – zuletzt im Januar in Berlin, als tagelang der Strom bei eisigen Temperaturen ausfiel. Dabei mussten zehntausende Menschen teils ohne Heizung oder Mobilfunknetz ausharren. Experten und Politiker warnen regelmäßig, dass die kritische Infrastruktur in Deutschland angreifbar sei.

Damit sich die Menschen für solche Krisenfälle wappnen können, veröffentlicht das BBK eine sogenannte Checkliste. Darauf finden sich neben Lebensmitteln Produkte wie Campingkocher, Schlafsäcke, Taschenlampen und eine Campingtoilette. Auch Medikamente und Batterie- oder Kurbelradios empfiehlt die Behörde. Im Idealfall sollen die Menschen bis zu zehn Tage autark überstehen können.

Das können bisher allerdings noch nicht alle. In einer Umfrage des BBK aus dem vergangenen Jahr gab etwa die Hälfte der Befragten an, bereits gewisse Vorsorgemaßnahmen getroffen zu haben. Ein Großteil antwortete, erst dann zu reagieren, wenn ein Notfall oder eine Katastrophe eintritt. Deutlich höher sei die Quote unter denen, die bereits eine Katastrophe erlebt haben, schreibt das BBK. Ein Grund dafür laut Behörde: Viele Menschen nehmen Naturkatastrophen nicht als reale und akute Bedrohung wahr.

Am teuersten: Gasheizer und Campingtoilette

Die DKB-Auswertung weist nun auf einen weiteren, sehr realen Aspekt hin: Wer vorsorgen will, muss teilweise tief in die Tasche greifen. Die teuersten Einzelprodukte sind demnach ein Gasheizer mit durchschnittlich 143,48 Euro, gefolgt von der Campingtoilette (121,68 Euro) und einem Batterie- oder Solarradio (41,44 Euro). Die DKB errechnete, dass sich die Summe im Schnitt auf 903,18 Euro beläuft, wenn man vollständig vorsorgen möchte.

Notfallvorsorge-Checkliste: Die teuersten Produkte

  • Gasheizer: 143,48 Euro
  • Campingtoilette: 121,68 Euro
  • Batterie- oder Solarradio: 41,44 Euro
  • Campingkocher: 35,63 Euro
  • Kohlenmonoxidmelder: 35,55 Euro
  • Gasflasche: 32,83 Euro
  • Brennstoff: 32,83 Euro

Quelle: DKB

Für viele Haushalte ist das ein ordentlicher Betrag. Im Median beträgt das Giro-Guthaben der Deutschen laut Bundesbank etwa 3000 Euro. Fast 30 Prozent müssten also für die Notfallvorsorge ausgegeben werden – zumindest, wenn man sich alles auf einmal anschaffen will. „Katastrophenschutz beginnt im Alltag – und betrifft auch den Geldbeutel“, sagt Hauke Kramm, Sprecher der DKB. „Denn wer Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Ausrüstung für mehrere Tage bereithalten soll, muss diese Anschaffungen realistisch kalkulieren und nach und nach umsetzen.“

Immerhin: Von null anfangen müssen nur die wenigsten, schreibt das BBK auf Anfrage. Demnach hat sich in Umfragen gezeigt, dass über 90 Prozent der Befragten Zugang zu unabhängiger Lichtversorgung haben, rund 87 Prozent einen Verbandskasten besitzen und über 60 Prozent einen Campingkocher oder einen Gas- oder Kohlegrill zu Hause haben. Auch warme Kleidung, Decken oder Essgeschirr seien in den meisten Haushalten vorhanden.

„Notfallvorsorge ist immer individuell und daher gibt es weder Richtig noch Falsch und aus Sicht des BBK auch kein Vollständig“, heißt es vom BBK. Menschen lebten in sehr unterschiedlichen Situationen. „Wer eine Biotoilette im Garten hat, braucht keine Campingtoilette, und wer einen Holzofen hat, braucht möglicherweise weniger Decken oder alternative Wärmequellen im Winter.“

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