Am 26. April 1986 veränderte eine Explosion im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl die Welt: Es war die schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung von Kernenergie. Ein Super-GAU. Ganze Landstriche wurden unbewohnbar, die Stadt Prypjat wurde aufgegeben, Tausende Menschen mussten ihre Heimat verlassen. In diesem Jahr jährt sich die Katastrophe zum 40. Mal.
Knapp zehn Jahre nach dem Unglück reiste der Fotograf Volker Kreidler im Auftrag des Deutschen Hygiene-Museums Dresden erstmals in die Region, um die Folgen dieser Zäsur festzuhalten – für die Menschen, die Orte und die Natur. Seine Bilder aus den 1990er-Jahren zeigen eine Welt im Übergang: zwischen sowjetischem Erbe und vorsichtigem Aufbruch. Sie zeigen aber auch, dass noch heute die Spuren des Super-GAUs sichtbar und spürbar sind. Und das nicht nur in der Sperrzone, sondern im ganzen Land.
Tschernobyl und seine Folgen für die Ukraine
In späteren Projekten, etwa einer Naturstudie 2015, rückt Kreidler das erstaunliche Comeback der Vegetation in den Fokus. Seine Bilder zeigen, wie sich Landschaften verändern, wenn der Mensch verschwindet. Seine Fotografien verbinden persönliche Geschichten mit historischen Umbrüchen und machen sichtbar, wie die Vergangenheit die Gegenwart noch immer beeinflusst.
Volker Kreidler schuf mit seiner Arbeit über Jahrzehnte hinweg ein vielschichtiges Porträt der Ukraine. Seine Fotografien aus rund 30 Jahren finden sich jetzt in einem Bildband des Hartmann Verlags: „Half Life Chornobyl“ heißt er. Und nein, das ist kein Tippfehler, so lautet der Name des geschichtsträchtigen Ortes auf Ukrainisch. Die von uns Deutschen übernommene Aussprache mit einem e in der ersten Silbe kommt hingegen aus dem Russischen.
Noch bis zum 25. Mai 2026 kann man Volker Kreidlers Fotografien auch in einer Ausstellung im Stadthaus Ulm sehen.