Apple-CEO geht
Tim Cook – der bestmögliche Langweiler

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Tim Cook
Tim Cook hat das iPhone nicht erfunden. Aber er hat es verkauft, wie sonst kaum jemand ein Produkt verkauft hat – und Apple zu einem Vier-Billionen-Dollar-Unternehmen gemacht
© Evan Vucci / Picture Alliance

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Tim Cook übergibt den Posten als Apple-CEO an John Ternus. Seine Bilanz: 15 Jahre Minimalismus – und eine Multibillionen-Dollar-Bewertung.

Bei Apple endet eine Ära. Nachdem schon Ende 2025 über seinen Weggang spekuliert wurde, übergibt CEO Tim Cook nun offiziell an John Ternus. Der Manager, der bisher bei Apple für Hardware zuständig war, soll den Posten im Laufe des Sommers übernehmen.

Tim Cook hat seine Rolle wahrscheinlich auf die Apple-typischste Weise ausgefüllt: In den 15 Jahren mit ihm an der Konzernspitze ist nicht viel passiert – aber in der Zeit lief es hervorragend für Apple. Cook hat es geschafft, bei der wichtigen Produktkategorie Smartphone, die Apple mit dem iPhone mehr oder weniger erfunden hat, an der Spitze zu bleiben.

Die Hoffnung von Apple-Kennern ruht jetzt auf dem „Hardware-Typ“ Ternus. Vielleicht gibt es dann wirklich ein neues Apple-Produkt. Doch wer so denkt, missversteht Tim Cook und den Konzern Apple. Denn: Bei Apple ging es noch nie darum, einfach nur etwas Neues zu machen. Der Kern der Marke Apple ist, die Dinge gut zu machen.

Tim Cooks Bilanz: Weniger ist mehr

Rückblick auf einen der wichtigsten Momente der Apple-Geschichte: den 9. Januar 2007. Steve Jobs steht mit seinen klassischen weißen New-Balance-Sneakern, 501-Levis-Jeans und schwarzem Rollkragenpullover auf der Bühne, und zieht ein iPhone aus der Tasche. Was er damals nicht sagte: „Ich habe etwas komplett Neues erfunden.“ Was er sagte: „Apple erfindet das Telefon neu.“ Ein feiner Unterschied: Jobs ging es vor allem darum, Dinge besser zu machen. Und auch darum, Dinge nicht zu machen.

Steve Jobs Frau Laurene Powell sagte zu seinem Biografen Walter Isaacson, dass sie über neue Möbel bis zu acht Jahre gesprochen hätten. „Wir haben viel Zeit damit verbracht, uns zu fragen: Was ist der Zweck eines Sofas?“ Über eine neue Waschmaschine soll zwei Wochen lang beim Abendessen diskutiert worden sein.

Das war der Geist von Jobs: In den 2000ern, in denen Technologieprodukte oft eine Raumschiff-Enterprise-Ästhetik hatten (silbrig, mit möglichst vielen Knöpfen und Funktionen) macht er Dinge in Weiß, weitestgehend ohne Knöpfe, die funktionierten. Das, was nicht da war, war dabei genauso wichtig, wie das, was da war.

iMessage, Rekordgewinne und KI-Milliarden

Nach Jobs Tod übernahm Tim Cook die Rolle als CEO – und wirkte erst mal wie der langweiligste Nachfolger, den man sich hätte ausdenken können. Kein Visionär wie Produktdesigner Jony Ive, der (inspiriert von Braun-Legende Dieter Rams) iPod und iPhone gestaltet hatte. Stattdessen Tim Cook, jemand, der vorher bei Apple für Sales, Lieferketten und Service zuständig war.

Cook zog nie ein komplett neues Produkt aus der Tasche. Stattdessen machte er die Dinge, die in der Luft lagen, nur besser als alle anderen: In seiner Zeit brachte Apple die Apple Watch heraus und die Kopfhörer AirPods – Geräte, die neue Standards für Uhren und Kopfhörer etablierten. Auf eine Art und Weise erkannte Cook, was notwendig war, und was nicht: Unter seiner Führung verkaufte Apple Rekordmengen an iPhones und erwirtschaftete Rekordgewinne. Der Konzern entwickelte sich von einem Hardware-Unternehmen zu einem Ökosystem, in dem Geld auch mit Abos und Services, Musik und Cloud-Diensten verdient wird. 

Unter Tim Cook baute Apple auch iMessage aus – ein verschlüsselter, vorinstallierter Messenger-Dienst, der den meisten Nutzerinnen und Nutzern nur auffällt, weil die Textblasen blau und nicht grün sind. Daran lässt sich gut messen, was allein die Marke Apple mittlerweile bedeutet: Eine Studie der University of Chicago fand heraus, dass Studenten in den USA bereit waren, monatlich 31 Dollar allein dafür zu zahlen, dass ihre Textblasen bei anderen weiterhin im „iPhone-Blau“ erscheinen.

Was Cook nicht tat

Cook war also nicht der Erfinder, sondern er hat das Geschäft ausgebaut – und das sehr gut, immer mit den Kunden im Blick: Der Apple-Chef fiel nicht nur mit Rekordgewinnen auf, sondern auch, weil er sich gegenüber dem FBI weigerte, technische Hintertürchen in iPhones einzubauen oder das iPhone 5c des San-Bernardino-Attentäters zu entsperren. Cook ließ die Smartphones mit Privacy- und Sicherheits-Features ausstatten, wozu Funktionen gegen App-Tracking oder der Lockdown-Mode gehören, der vor digitalen Angriffen schützt. 

Vor allem in den vergangenen Monaten fiel Apple unter den Big-Tech-Unternehmen auf, weil sie gerade nicht Abermilliarden in KI-Modelle butterten, von denen unklar ist, wie viel Geld sie wirklich verdienen werden.

Während insbesondere Mark Zuckerberg über die Jahre von einem Skandal in den nächsten stolperte und sich erfolglos an Projekten wie der Kryptowährung „Diem“ oder dem „Metaverse“ versuchte, konzentrierte sich Apple unter Cook auf das Wesentliche: eine Firma, die gleichermaßen für Nutzer und Aktionäre funktioniert. Mit dem Motto „weniger ist mehr“ stieg Apples Börsenwert in Cooks Zeit um mehr als das Zehnfache: von 350 Milliarden Dollar im Jahr 2011 auf mehr als 4 Billionen Dollar heute.

Nach all dem Lob für den Kurs, auf dem Cook Apple über 15 Jahre gehalten hat, fiel es dann schwer, mit ansehen zu müssen, wie Cook im vergangenen Sommer mit einem 24-karätigen-Goldklotz bei Donald Trump im Weißen Haus vorstellig wurde. Bei all seinen Erfolgen – vielleicht ist es an der Zeit, dass jemand anderes übernimmt. So ein „Hardware-Typ“ könnte nicht schlecht sein.

Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im November 2025. Er wurde aktualisiert. 

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