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Editorial: Fit, schlank und gut drauf

Liebe stern-Leser!

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. So viel Freude es in diesen Tagen auch macht, Fußball zu gucken: Wer fit, schlank und psychisch gut drauf sein will, muss sich selbst regelmäßig bewegen. Viele nehmen es sich vor - und tun es doch nicht.

Warum das so ist und wie es mit der passenden Sportart doch gelingt, zeigt unsere Titelgeschichte (Seite 90). Bei ihren Recherchen trafen stern-Redakteurin Alexandra Kraft und Fotografin Brita Sönnichsen Wissenschaftler wie Professor Klaus-Michael Braumann, Dekan der Sportuniversität in Hamburg und selbst leidenschaftlicher Läufer. Er sagt: "Bewegung kann Leben verlängern und qualitativ besser machen." Und sie lernten viele jüngere und ältere Menschen kennen, die das am eigenen Leibe erlebt haben.

Auch bei der stern-Kollegin hat die Arbeit an dem Beitrag Wirkung gezeigt. Statt nur ab und zu ins Fitnessstudio zu gehen, gibt es heute keine Ausrede mehr. Und ins Büro fährt sie mit dem Fahrrad.

In Berlin ringt die Große Koalition um die Finanzierung des Gesundheitssystems. Eines der großen Probleme sind die schnell wachsenden Arzneimittelkosten: Sie stiegen zwischen 1995 und 2005 um 56 Prozent. Mittlerweile geben wir mehr Geld für Medikamente aus als für alle niedergelassenen Ärzte. Vor zehn Jahren war das noch umgekehrt. Erheblich sparen könnte man nach Ansicht der meisten Experten bei den so genannten Scheininnovationen, also bei Medikamenten, die nur leicht verändert als teure Neuheiten auf den Markt geworfen werden. Die Krankenkassen zahlen dafür im Jahr mehr als 3,4 Milliarden Euro. Jetzt soll das staatliche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die Spreu vom Weizen trennen. Die Pharmaindustrie sieht darin eine enorme Gefahr.

Mit welchen Methoden die Branche versucht, den Institutsleiter anzugreifen und ihr Milliardengeschäft zu retten, beschreibt stern-Redakteur Markus Grill in dieser Ausgabe. So meldete sich im April ein angeblicher Medizinjournalist namens Adel Massaad bei ihm. Er bot belastende Unterlagen an und vermittelte Gespräche mit dem Chef eines Pharmakonzerns sowie mit dem Vorsitzenden des Deutschen Diabetiker-Bunds. Doch dann fand Grill heraus, dass Adel Massaad allein von Januar bis März dieses Jahres 1,2 Millionen Euro von Pharmafirmen und PR-Agenturen erhalten hat. Um die Medien zu manipulieren? Mit den Zahlungen konfrontiert, wollte der vorher so redselige Informant plötzlich nichts mehr sagen. Er beauftragte einen Anwalt, dem stern die Geschichte über ihn zu verbieten.

Alles über das "Pharma-Duell", das auch ein Lehrstück über Lobbyismus zulasten der Beitragszahler ist, lesen Sie ab Seite 114.

Herzlichst Ihr

Thomas Osterkorn

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