Was geschieht mit einem Kind, das von seinen Eltern keine Liebe erfährt? Dieser schmerzhaften Frage widmet sich das irische Filmdrama "The Quiet Girl", das ARTE erstmals im linearen Fernsehen zeigt. Irland, 1981: Die junge Cáit (Catherine Clinch) gehört zu jenen Kindern, die kaum auffallen. Sie ist still, schüchtern und in sich gekehrt. Zu Hause erfährt das kleine Mädchen weder Zuneigung noch Geborgenheit, und das Essen ist oft knapp. Sie widersetzt sich nicht, als ihr Vater sie eines Sommers bei entfernten Verwandten auf dem Land zurücklässt.
Dort wird sie von Eibhlín (Carrie Crowley) empfangen, einer warmherzigen Frau, die das Mädchen liebevoll "Zuckerstückchen" nennt. Mit Geduld und Hingabe kümmert sie sich um Cáit, lässt sie am Alltag teilhaben beim Kuchenbacken ebenso wie beim Füttern der Kälber. Zum ersten Mal erlebt das Kind, was es heißt, gesehen, umsorgt und geliebt zu werden. Selbst Eibhlíns sonst schweigsamer und distanzierter Ehemann Seán (Andrew Bennett) öffnet sich nach und nach und schenkt dem fremden Mädchen Aufmerksamkeit und Nähe. Obwohl Eibhlín betont, in ihrem Haus gebe es keine Geheimnisse, spürt das kleine Mädchen jedoch, dass etwas Unausgesprochenes in der Luft liegt. Mit dem Ende des Sommers droht auch Cáits Zeit an diesem Ort der Zuneigung zu enden ...
Für den Oscar nominiert
Regisseur Colm Bairéad, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt diese Geschichte mit großer Feinfühligkeit und Zurückhaltung. Zärtlich und präzise zeichnet er das Porträt eines Kindes, das eine neue Welt entdeckt – eine Welt, in der Liebe und Fürsorge selbstverständlich und nicht hart umkämpft sind. Gedreht in irischer Sprache basiert der Film auf der Novelle "Foster" von Claire Keegan. "The Quiet Girl" wurde 2022 bei den Irish Film and Television Awards mit sieben Preisen ausgezeichnet und 2023 für den Oscar als bester internationaler Film nominiert. Der Film ist zudem in der ARTE-Mediathek verfügbar und wird nun im Rahmen der ARTE-Sonderprogrammierung rund um die 76. Berlinale ausgestrahlt.
The Quiet Girl – Mi. 04.02. – ARTE: 21.50 Uhr