Podcast "Die Lage – International" Experte zu US-Angriff auf Iran: "Das Fenster schließt sich"

Die USA haben die USS Abraham Lincoln (im Foto) in die Nähe des Iran verlegt
Nur Drohgebärde? Die USA haben eines ihrer größten Kriegsschiffe, die "USS Abraham Lincoln", in die Nähe des Iran verlegt
© Seaman Daniel Kimmelman / DPA
Donald Trumps Drohungen gegen den Iran verlieren an Wirkung, warnt Sicherheitsexperte Christian Mölling. Im Worst Case könnten noch radikalere Kräfte die Macht übernehmen.

Die USA drohen dem Iran erneut mit einem Angriff – doch der Sicherheitsexperte Christian Mölling warnt vor überzogenen Erwartungen an eine militärische Lösung. Zwar müsse man grundsätzlich immer damit rechnen, dass militärische Optionen auf dem Tisch liegen: "Aber das Fenster schließt sich so langsam."

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Berichten zufolge sind in den vergangenen Wochen Zehntausende von regierungskritischen Demonstranten vom Regime erschossen und verschleppt worden.

Nach Einschätzung von Mölling ist das amerikanische Militär derzeit gar nicht in der Lage, einen Schlag durchzuführen, der zu einem Regimewechsel in Teheran führen könnte. "Die Option, die Trump haben möchte durch Militär, die kann ihm sein Militär zum jetzigen Zeitpunkt nicht bieten", sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Thinktank European Policy Center. Entscheidende Faktoren seien der enorme zeitliche Vorlauf einer solchen Operation, aber auch die Abhängigkeit von Partnern in der Region. "Es dauert unheimlich lange, bis das da ist. Und man ist auf die Hilfe anderer, vor allen Dingen der Israelis, angewiesen, um das Regime wirklich zu stürzen."

Für die Proteste im Iran könnte es zu spät sein

Auch komme der neuerliche Druck aus Washington möglicherweise zu spät, weil der Aufstand im Land selbst inzwischen weitgehend niedergeschlagen scheint. Nachdem Trump frühere Drohungen einer militärischen Reaktion nicht wahr gemacht hatte, war es dem Regime gelungen, die Proteste mit äußerster Brutalität wieder einzudämmen. "Diese beiden Dinge sind nicht mehr synchronisiert", erklärt Mölling. Die Folge: Trump könnte selbst zu dem Schluss kommen, dass eine Militäraktion "vielleicht dann doch keine richtige Option ist". 

Mölling verweist in diesem Zusammenhang auf ein Worst-Case-Szenario: "Es gibt Spekulationen darüber, dass man im schlimmsten Fall damit rechnen muss, dass noch radikalere Kräfte im Grunde genommen ans Ruder kommen."

Der Opposition fehlt eine Führungsfigur

Die iranische Protestbewegung sei bislang ohne erkennbare Führungsfigur, was eine Übergangsphase extrem erschwere. "Jeder, der sich jetzt als Anführer oder Anführerin hervortun würde, würde natürlich sofort durch die Revolutionsgarden eingecasht werden", sagt Mölling. Eine revolutionäre Übergangsphase lasse sich unter diesen Bedingungen kaum organisieren.

Die lange erwartete Entscheidung der EU, die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation einzustufen, sieht Mölling eher mittel- und langfristig als Druckmittel. "Es gibt den europäischen Staaten die Möglichkeit, nicht nur Personen festzusetzen, sondern auch Vermögen, Geldtransfers und ganze Netzwerke zu blockieren."

An der aktuellen Situation ändere das aber kurzfristig nichts. 

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