Ein führerloser Nachtzug rast unkontrolliert auf der Strecke zwischen Glasgow und London. An Bord befinden sich zwölf Personen, die nun wehrlose Geiseln eines Hackers sind: Das ist das Schreckensszenario, von dem die sechsteilige BBC-Thrillerserie "Nightsleeper" aus dem Jahr 2024 in Echtzeit erzählt. Das Erste zeigt die fesselnde Serie von Nick Leather nun zu später Stunde an einem Stück im Nachtprogamm.
Alles beginnt mit einem scheinbar gewöhnlichen Taschendiebstahl kurz vor Abfahrt des Zuges am Bahnsteig von Glasgow. Durch sein beherztes Eingreifen kann der Polizist Joe Roag (Joe Cole) dem Dieb die Tasche wieder entwenden und der rechtmäßigen Besitzerin zurückgeben, ehe sein Zug mit leichter Verspätung Fahrt aufnimmt. Doch wie sich alsbald herausstellt, war der Taschendiebstahl nur ein Ablenkungsmanöver, um ein verdächtiges Steuergerät im Zug zu installieren. Die Verbindung zum Lokführer wird dadurch unterbrochen, Notbremsen sind nicht funktionsfähig und die einzige Telefonverbindung zu außen besteht über das Satellitentelefon eines Fahrgastes.
Führerloser Zug rast durch die Nacht
Zur selben Zeit befindet sich die Londoner Cyberexpertin Abby Aysgarth (Alexandra Roach) am Flughafen Gatwick, um gemeinsam mit ihrer Freundin Meg Hooton (Remy Beasley) in den Urlaub nach Marakesh zu fliegen, als sie einen Anruf ihres aufgeregten Kollegen Tobi McKnight (Gabriel Howell) bekommt: "Großbritanniens meist genutztes Virenschutzprogramm hat also einen Virus?", fragt Abby ungläubig und erfährt, dass auch kritische Infrastruktur betroffen ist. Als sie dann auch noch von dem Kontrollverlust des Nachtzugs erfährt, ist klar: Es handelt sich um eine gezielte Hackerattacke auf die britische Bahn, die im schlimmsten Fall in einer tödlichen Katastrophe enden könnte. Abby verwirft ihre Reisepläne und kehrt zurück in die Sicherheitszentrale in London, um genau das zu verhindern.
Zwar gelingt es der Polizei, den Zug beim ersten planmäßigen Halt in Motherwell weitestgehend zu evakuieren. Doch noch bevor die letzten Passagiere ausgestiegen sind, setzt sich die nun führerlose Lok wie von Geisterhand erneut in Bewegung. An Bord befinden sich nun noch zwölf Personen, die dem unbekannten Hacker schutzlos ausgeliefert sind ...
Ausgangssituation erinnert an Agatha Christie
Eine Schicksalsgemeinschaft aus einander fremden und sich nicht immer wohlgesonnen Menschen, vereint auf engstem Raum und ohne Möglichkeit zu entkommen: Diese Ausgangssituation funktionierte schon bei Krimi-Ikone Agatha Christie. Auch die BBC-Serie "Nightsleeper" zieht einen beachtlichen Teil ihrer Spannung aus den unterschiedlichen Charakteren und ihren mal mehr, mal weniger schmeichelhaften Geschichten, die Stück für Stück bekannt werden: neben dem Polizisten Joe Roag, der wie sich bald herausstellt, gar kein Polizist mehr ist, sind unter den an Bord verbliebenen Fahrgästen unter anderem ein kleiner Junge (Adam Mitchell) ohne seine Mutter, ein ehemaliger Zugführer (James Cosmo, "Game of Thrones"), eine Journalistin (Katie Leung, "Harry Potter", "Bridgerton") und die britische Verkehrsministerin (Sharon Small).
Ob es jedes der häppchenweise ans Licht kommenden Dramen für eine spannende Serie tatsächlich gebraucht hätte, lässt sich diskutieren. Ein Stück weit büßt die Serie schon an Glaubwürdigkeit ein, weil jede Folge mit einem neuen Schock als Cliffhanger endet. Fesselnd ist "Nightsleeper" trotzdem, vor allem da das zugrundeliegende Szenario: ein Hackerangriff auf kritische Infrastruktur durch einen feindlichen Staat in den aktuellen Zeiten durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Vor diesem Hintergrund ist es dann doch ein wenig schade, mit welcher Erklärung die Serie letztlich endet. In der ARD Mediathek stehen alle sech Folgen "Nightsleeper" am Freitag, 17. April, ab 5.30 Uhr, zum Abruf bereit.
Nightsleeper – Fr. 17.04. – ARD: 23.55 Uhr