Als Englischlehrerin war die Holländerin Tanja Nijmeijer bereits 2.000 nach Kolumbien gegangen. 2.002 kehrte sie dorthin zurück, um sich der dortigen Guerillaarmee FARC ("Kolumbianische Volksarmee") anzuschließen. Aus der Hauptstadt Bogota flüchtete sie in den Dschungel, um dort den bereits seit 1964 währenden Aufstand weiterzuführen. Allerdings wurde 2.007 ein Tagebuch aufgefunden, in dem die Gepflogenheiten der FARC in ihrer Beschreibung nicht gut wegkamen. Im westlichen Ausland wurde daher angenommen, Tanja werde gegen ihren Willen im Dschungel festgehalten. Doch im Film von Marcel Mettensiefen (D, NL, 2023) erklärt sie einem Journalisten, der sie nach mehreren Jahren besuchen darf, dass sie keineswegs ein Opfer sei: "Wenn die kolumbianische Regierung immer noch glaubt, ich sei entführt worden, sage ich: Kommt und versucht mich zu befreien. Wir werden sie hier gern willkommen heißen – mit AKs (Kalaschnikows), mit Minen, mit Mörsern, mit allem."
Mettensiefens Dokumentarfilm setzt sich aus Archivaufnahmen, Nachrichtensendungen, Tagebuchaufzeichnungen und vor allem Interviews mit ihr selbst zusammen. Er macht deutlich, dass die Frage "Terroristin oder Freiheitskämpferin?" eine Frage wechselnder Perspektiven ist. Tanja, die noch immer in Kolumbien lebt, wird auch nach dem Friedensschluss mit der FARC von 2016 als Terroristin gesucht. Am offiziellen Friedensschluss war sie selbst maßgeblich beteiligt. Sie wollte, "dass die Welt ein wenig gerechter wird" und setzte sich, wie sie es sah, gegen die Unterdrücker des einfachen Volkes ein.
Tanja – Terroristin oder Freiheitskämpferin? – Mo. 13.04. – 3sat: 22.25 Uhr