Podcast „Die Lage – International“
Trumps Kontrollverlust: „Die Iraner werden das ausreizen, solange sie können“

Trauerkundgebung in Irans Hauptstadt
Trauerkundgebung in Irans Hauptstadt Teheran zum 40. Tag nach der Tötung des Obersten Führers Ali Khamenei. Im Hintergrund: ein Poster seines Sohnes und Amtsnachfolgers, Modschtaba Khamenei
© Majid Saeedi / Getty Images
Der Waffenstillstand zwischen dem Iran, Israel und den USA bleibt brüchig. Die prekäre Lage des US-Präsidenten ähnelt zusehends der eines anderen düsteren Autokraten.

Die brutale Unterdrückungsmaschinerie des Regimes im Iran gegenüber dem eigenen Volk hat den 38-tägigen Krieg gegen die USA und Israel nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling nahezu unbeschadet überstanden. 

„Nach dem amerikanisch-israelischen Angriff ist die Hoffnung nicht gestiegen, dass es besser werden kann. Dieses Regime wird sein Überleben weiter bedingungslos schützen – umso mehr, je mehr es gereizt wird“, sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank „European Policy Center“ in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“. 

Daran ändere auch die zusehends verzweifelte wirtschaftliche Lage im Iran wenig, im Gegenteil. „Die Tatsache, dass der Iran von außen bedroht ist, führt ja nicht dazu, dass ihm die Gewaltmittel zur Unterdrückung seiner Bevölkerung fehlen“, so Mölling. Er rechne mit einer „Nordkoreanisierung“ der Islamischen Republik.

Waffenstillstand im Iran zum Scheitern verurteilt

Für den US-Präsidenten gleiche die Lage nach dem vorläufigen Ende des Angriffs auf den Iran hingegen einem Desaster. Der für den internationalen Rohstoffhandel zentrale Seeweg durch die Straße von Hormus sei weiter unterbrochen, der von Trump ausgerufene Waffenstillstand absehbar zum Scheitern verurteilt. 

Trump sei die Kontrolle über die Lage durch eigene Fehler zusehends entglitten. Nun versucht er nach Möllings Analyse, „die Verluste auf andere umzulegen“. 

Die größte Sorge des US-Präsidenten gelte dem Rückhalt im eigenen Land. „Das ist eine interessante Parallele zu der Position, in der auch Putin steckt.“ Ähnlich wie der russische Herrscher für die Fortführung des Kriegs in der Ukraine von der Gunst der Kleptokratie in seinem Umfeld abhängig sei, sei Trump auf die Zustimmung des MAGA-Lagers und der US-Bürger angewiesen. Die schwindet infolge des durch den Irankrieg ausgelösten Energiepreisschocks.

Die Chancen auf eine baldige Stabilisierung der Lage am Persischen Golf stehen laut Mölling aber schlecht, weil viele dortige Akteure mehr Interesse an einer Fortführung der Kämpfe hätten als an einer Beilegung der Krise. „Die Iraner werden die Lage ausreizen, solange sie können“, so Mölling. „Auch Israels Premier Netanjahu ist bereit, jetzt nochmal alles für sich herauszuholen. Den wird Trump fürs Erste nicht eingefangen bekommen.“ Das sehe man an den jüngsten israelischen Luftangriffen auf den Libanon, den schwersten seit Kriegsbeginn.

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