Volkszählung
Zensus in Indien: Wie zählt man 1,4 Milliarden Menschen?

Menschen auf einem Markt in Kalkutta, Indien
Ein ehrgeiziges Vorhaben: Mit digitaler Unterstützung und mehr als drei Millionen Helfern möchte Indien seine Bevölkerung durchzählen (Symbolfoto)
© Debarchan Chatterjee/NurPhoto / Imago Images
In Indien läuft aktuell die erste Volkszählung seit 15 Jahren. Es gilt als größtes Verwaltungs- und Statistikprojekt weltweit. Eine Frage gilt dabei aber als heikel.

Die indische Regierung nennt es das „ehrgeizigste demografische Vorhaben in der Geschichte Indiens“ und sogar die „größte administrative und statistische Aufgabe weltweit“: Der „Zensus 2027“ ist in Indien im vollen Gange. Am 1. April startete das asiatische Land seine erste Volkszählung seit mehr als 15 Jahren.

Indien erfasst dabei erneut seine Einwohnerzahl. Das Land gilt als das bevölkerungsreichste der Erde. Die letzte Zählung im Jahr 2011 ergab mehr als 1,2 Milliarden Menschen. Schätzungen zufolge stieg die Zahl inzwischen auf mehr als 1,4 Milliarden an. Vor drei Jahren löste Indien China als bevölkerungsreichstes Land ab, so die UN.

Volkszählung in Indien dieses Jahr digital

Der Zensus soll aktuelle Daten für Sozialprogramme und staatliche Projekte liefern, etwa für ländliche Entwicklung oder den Bau von Schulen. Die Daten könnten auch die Wahlbezirke neu zeichnen. Ursprünglich war die Volkszählung für 2021 geplant, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Nur: Wie zählt man so viele Menschen? Indien setzt dieses Jahr auf Digitalisierung. Mehr als drei Millionen Helfer sammeln bei der über ein Jahr dauernden Volkszählung über mobile Apps die erwünschten Informationen.

Die Erhebung umfasst 36 Bundesstaaten und unter Bundesverwaltung stehende Gebiete, mehr als 7000 Unterbezirke, 9700 Städte und fast 640.000 Dörfer, berichtet die BBC. Ergebnisse werden im nächsten Jahr erwartet. Die Kosten des Zensus belaufen sich laut „New York Times“ auf etwa 1,2 Milliarden US-Dollar.

Die 16. Volkszählung läuft laut Regierung in zwei Phasen ab. Zunächst werden Informationen über den Wohnungsbestand sowie Merkmale wie Ausstattung und Vermögenswerte der Haushalte gesammelt. Erstmals können die Menschen ihre Daten auch online eingeben. Helfer müssen diese Angaben jedoch durch Besuche verifizieren.

Die Frage nach der Kaste ist umstritten

Neben der Anzahl der Bewohner eines Haushalts werden wirtschaftliche Merkmale, Bildungs- und Migrationshintergrund, Beruf, Religion und eventuelle Behinderungen abgefragt. Auch Fragen zu Dachmaterialien und Zugang zu Internet oder Trinkwasser gehören zum 33 Fragen umfassenden Katalog, so BBC und „Times of India“.

Zudem sollen die Befragten angeben, welcher Kaste sie angehören. Laut „Times of India“ ist es das erste Mal seit 1931, dass diese Daten aus allen Gemeinden erhoben werden. Die jahrtausendealte Tradition des hierarchischen Kastenwesens hat nach wie vor Auswirkungen auf das tägliche Leben vieler Menschen im Land. Das Vorhaben gilt als heikel. Kritiker befürchten, Gräben zwischen den Kasten könnten damit aufgerissen werden. Befürworter argumentieren, dass die Abfrage der Kaste ein aktuelles Bild der Ungleichheit im Land liefere.

Indiens Regierung unter Premierminister Narendra Modi und seiner hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party sprach sich zunächst gegen eine Kastenzählung aus, berichtete die „New York Times“. Nach Druck von der Opposition änderte sie ihre Haltung.

rw

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