HOME
präsentiert von

Podcast "Faking Hitler": Folge 1: Die Entdeckung der Tagebücher

Reporter Gerd Heidemann hat die Tagebücher Adolf Hitlers entdeckt. Doch schnell entpuppt sich die Jahrhundertstory als Jahrhundertbetrug: Die Bücher sind gefälscht. Der stern-Podcast "Faking Hitler" rollt den Fall neu auf. Folge 1: Heidemann hat endlich die Telefonnummer eines gewissen Conny Fischer ergattert. Ein Telefonat mit fatalen Folgen.

Jahrelang war er auf der Jagd nach Ihnen - jetzt hat er sie endlich gefunden: Starreporter Gerd Heidemann präsentiert am 25. April 1983 im stern die Tagebücher von Adolf Hitler. Wenige Tage später kommt der tiefe Fall. Das Magazin ist einem riesigen Betrug aufgesessen. Die Tagebücher sind ausgedacht und aufgeschrieben von einem Fälscher: Konrad Kujau. Wie konnte es soweit kommen? Das will dieser zehnteilige Podcast herausfinden.

Dokumentiert wird das Geschehen mit einmaligen Zeugnissen der Zeitgeschichte: den Originaltonbandaufnahmen der Telefongespräche zwischen Gerd Heidemann und Konrad Kujau. So ist der Hörer ganz nah dran, zum Beispiel wenn er das erste Telefonat zwischen dem Reporter und dem Fälscher hört.

Es ist der 15. Januar 1981, als bei Kujau, der sich als Conny Fischer ausgibt, das Telefon läutet: "Guten Abend, Herr Fischer, hier ist Gerd Heidemann. Sie haben gerade mit Herrn Tiefenthäler telefoniert? Ich bin nun leider ein bisschen erkältet, würde Sie aber gern so schnell wie möglich sprechen, will jetzt am Telefon gar nicht lange reden, worum es geht, Sie wissen es ja", so die ersten Worte, die zu einem der größten Presseskandale führen werden.

Es geht in diesem Telefongespräch um Bücher, die aufregender kaum sein könnten. Auf eines von ihnen ist Heidemann bei einem Sammler gestoßen: ein Tagebuch von Hitler. Und es soll noch mehr davon geben. Der Reporter in Heidemann ist sofort ganz Ohr. Was für eine Story das wäre! Er will sofort eine ganz große Geschichte daraus machen und hat jetzt keine Zeit mehr zu verlieren. Er muss Kujau so schnell wie möglich treffen. Und so begegnen sich die beiden zum ersten Mal am Stuttgarter Flughafen.

Dort bekommt er von Kujau ein Geschenk überreicht: ein Bild, gemalt von Adolf Hitler. Angeblich. Der Köder ist gelegt - und Heidemann beißt an.

Faking Hitler: Die Tagebücher lagern im Tresor bei Gruner+Jahr

Was ist Heidemann für ein Typ? Die Geschichte der Hitler-Tagebücher ist vor allem auch die Geschichte ihres Entdeckers. Heidemann ist der Reporter, an den man denkt, wenn man sich einen richtigen Reporter vorstellt. Er verbeißt sich regelmäßig in Geschichten und beschert dem stern damit immer wieder Schlagzeilen. Henri Nannen, der Gründer des Blatts, weiß genau, was er an Heidemann hat und lobt dessen Fähigkeit, Geschichten aufzuspüren. In einem Editorial schreibt er mal über Heidemann: "Was ein Staatsanwalt für die Justiz ist, ist Heidemann für den stern. Spurenerheber, Beweissicherer und Fotograf in einer Person". Mehr Lob geht kaum.

Es läuft bestens für Heidemann. Mal gewinnt er den World Press Photo Award für eine Bilder-Reportage, dann wird er sogar von einem Kollegen für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Wegen einer spektakulären Geschichte, die sich 1970 im jordanischen Bürgerkrieg zutrug.

Was Gerd Heidemann da erlebte, hören Sie hier in Folge 1 von "Faking Hitler": "Die Entdeckung der Tagebücher". (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer.)