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"Das geheime Leben der Kühe": Kuh undercover

Seit Jahrhunderten scheint die Kuh dem Menschen als unverzichtbares Nutzvieh bestens vertraut. Der Fotograf Glen Wexler hat sich Gedanken über das geheime Leben dieser Tiere gemacht - und denkt sie sich in seinen Bildern als Geheimagenten.

Von Carsten Heidböhmer

In der Phantasie des Fotografen Glen Wexler retten Kühe als Superhelden die Welt

In der Phantasie des Fotografen Glen Wexler retten Kühe als Superhelden die Welt

Gibt es eine langweiligere Tätigkeit, als weidenden Kühen zuzuschauen? Oftmals stehen diese Tiere ewig auf demselben Fleckchen Wiese herum und tun nichts. Oder noch schlimmer: Sie kramen aus den Tiefen ihrer Mägen hervor, was sie vor Stunden oder vielleicht auch Tagen - wer weiß das schon so genau? - heruntergeschluckt haben. Wiederkäuer nennt man Kühe deswegen auch, und damit ist schon alles gesagt: Im Zentrum ihres Lebens steht das Zermalmen von Gras. Zwischendurch stößt das Vieh mal ein lustvolles Muhen aus und entlässt nach getaner Verdauungsarbeit einen bestialisch stinkenden Schwall Gas in die Erdatmosphäre - was, nebenbei gesagt, Hauptursache für die Klimaerwärmung ist.

Was wäre aber, wenn es sich alles ganz anders verhielte, Kühe in Wirklichkeit gar kein dämliches Nutzvieh wären, sondern ein den Menschen unbekanntes, höchst spannendes Leben führten? Dieser Frage ist der Fotograf Glen Wexler in seinem Buch "Das geheime Leben der Kühe" nachgegangen. Entstanden sind einzigartige Bilder, die diese Tiere einmal ganz anders zeigen: als Super-Helden, Geheimagenten oder als Außerirdische. So sehen wir eine Kuh im schicken Superman-Kostüm auf der Spitze eines Wolkenkratzers. Ein anderes Bild zeigt ein Milchvieh, das sich behände an einem Seil in eine Maschinenhalle schwingt, wo böse Fabrikarbeiter Rindfleisch zu Burgern verarbeiten. Dann wiederum sitzt eine Kuh im Spielcasino und ermittelt - mit einer Menschenmaske subtil getarnt! - undercover in bester Bond-Manier.

Die Kuh als besserer Bond

Wer dieses Buch durchblättert hat, stellt sich nicht mehr die Frage nach dem idealen 007-Darsteller. Sean Connery hin, Daniel Craig her - keiner von beiden gibt eine derartig gute Figur ab, wenn er sich auf einem fahrenden Zug mit einem Gegner prügelt oder mit einem Fallschirm direkt in einem Motorboot landet. Die Kuh glänzt in allen Situationen. Zwischen den Bildern wird der Leser mit ebenso unnützen wie spaßigen Weisheiten unterhalten. So lernt man: "Forscher haben herausgefunden, dass das schnellste Tier der Erde, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 36 Metern pro Sekunde, eine Kuh ist, die aus einem Hubschrauber geworfen wurde".

Der einleitende Text zu diesem Bildband stammt von Eric Idle, einem der sechs "Irren" von der britischen Komiker-Truppe Monty Python. Sein anarchischer Humor passt ideal zu diesem erfrischend sinnfreien Unterfangen. Und er ist anerkannter Experte auf diesem Gebiet: Schon in seinem Film "Ritter der Kokosnuss" gab es ein "Kuh-tapult", das Rinder durch die Gegend schleudert. Am Schluss bekommt der Leser noch einen Sinnspruch mit auf den Weg: "Zum Rindviehstamm gehört die Kuh, ein End macht Milch, das andere Muh". Was das Tier zwischen diesen Enden noch so alles machen kann, zeigt dieser Bildband.

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