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Im TV: Alles, was sie wollen, ist Mr. Right

Warum es heute so kompliziert ist, ein Single zu sein? Wenn man den meisten TV-Serien zum Thema glaubt, dann weil sie nicht wissen, was sie wollen! Kuschelige Partnerschaft oder flippige Unabhängigkeit - beides geht halt nicht, ist aber lustig anzusehen.

Seit einiger Zeit wird uns eine neue Generation von TV-Heldinnen und Helden via Bildschirm in die Gehirne gespült: Meist um die 30, schön, klug, erfolgreich, aber SINGLE. Besonders die Frauen in diesen Serien verbindet, dass sie sich "von Werten und Vorstellungen terrorisieren lassen, die jeglichen Emanzipationsbestrebungen entgegengesetzt sind," schrieb dazu Christine Steffen im Tagesanzeiger. Ihre Gedanken kreisen unablässig um Männer, Mode, Diäten. Man erkennt sie an ihrer Schusseligkeit und der schlafwandlerischen Sicherheit, mit der sie Missgeschicke produzieren. Alles, was sie wollen, ist Mister Right. Nur einige wenige Protagonisten erklären den Weg zum Ziel und toben sich ohne Reue in ihrem Singledasein aus. Doch wie kann sie aussehen, die souveräne, unangestrengte Weiblichkeit?

Absolutely Fabulous

Richtungsweisend die Wirrungen der Ur-Mütter aller Edel-Schlampen in dieser britischen Drei-Mädel-Serie. Ihre Personen sind, im Gegensatz zu amerikanischen Sitcoms, absolut nicht Mainstream-tauglich, sondern schlicht unausstehlich: Edina, eine moderne, zweimal geschiedene, emanzipierte Frau in den Vierzigern, schätzt als gestylte Chefin einer PR-Agentur jede modische Verrücktheit - leider ohne jemals die passende Figur dafür zu erreichen. Ihr Tochter Saffron ist das krasse Gegenteil: sensibel, gesundheitsbewußt, verklemmt und entschieden unmodisch. Zur verhängnisvollen Ménage á trois gesellt sich Edinas beste Freundin, Patsy. Die männer- und trinkfeste Mittvierzigerin mit blond-tupierter Hochfrisur und glamourösen Allüren ist Chefin eines Mode-Magazins und hat das letzte Mal "irgendwann in den 70ern" feste Nahrung zu sich genommen. Zusammen mit Edina lebt sie von Champagner, Vodka, Koks, und ihrem gigantischen sexuellen Appetit.

Ally McBeal

Ein ganz anderes Frauenbild repräsentiert Ally McBeal, die neurotische Anwältin aus der gleichnamigen Kult-Fernsehserie. Sie ist erfolgreich im Job, kennt sich aus in Sachen Karriere, Lifestyle und Sex. Und sie trifft genau das Lebensgefühl der Frauen um die 30. Die Generation Ally weiß vor allem, was sie nicht will: weder Karrieremonster sein noch Heimchen am Herd, und schon gar kein Boxenluder. Sie will raus aus der Entweder-Oder-Falle, sich nicht entscheiden müssen zwischen Kind und Karriere, Kopf und Körper, und wartet deshalb in vielen Fragen erst einmal ab - manchmal zu lange. Vielleicht macht das auch den Reiz der Episoden rund um die schwer zickige Karrierefrau aus: Ally ist ein freches und zugleich romantisches Geschöpf, das den Zuschauer mit obskuren Begebenheiten und einem ironischen Blick auf den üblichen Büroalltag erfreut. Ihre hypereffiziente und hyperneugierige Assistentin Elaine treibt Ally fast in den Wahnsinn, Chef "Fish" meint es zwar gut, aber es klingt immer unsäglich, und John Cage ist ein interessanter und brillanter Anwalt, aber ziemlich merkwürdig. Für Ally steht fest: "Ich bin normal, mein Leben ist es nicht!"

Sex and the City

"Die Frauen in "Sex and the City" wissen, dass Männer ihre Probleme nicht lösen können - beziehungsweise sie erst schaffen," lautet eine der wesentlichen Erkenntnisse zur Serie. Carrie, die Protagonistin der US-Erfolgsserie schreibt eine Kolumne über das Paarungsverhalten in einer Millionen-Metropole, und auch sonst beschäftigen sich die Powerfrau und ihre drei besten Freundinnen damit. So ist ein fetziger Mix aus Horror und Humor, Spaß und Schrecken, Leid und Leidenschaft garantiert - und während jede Zuschauerin sich mit einer der vier Frauen identifizieren kann, träumt jeder Mann davon, mit einer der Damen die Laken zu zerwühlen. Nebenbei bekommt man noch Antworten auf so spannende Fragen wie: Was fasziniert Männer am Sex zu dritt? Sind Single-Frauen der erklärte Feind der Ehefrauen? Ist Untreue nur dann schlimm, wenn man sich erwischen lässt? Gibt es in einer Groß-Stadt noch Liebe auf den ersten Blick? Kann man die Männer ändern? Und woher weiß man, ob man gut im Bett ist?

Will & Grace

Es geht auch anders: Wenn frau nicht den richtigen Mann findet, dann nimmt sie halt einen 'halben'. Genau das ist die Geschichte der einzigartigen Beziehung zwischen Will Truman und Grace Adler: Will ist schwul und Grace zielstrebig. Die Zwei passen unvollkommen zusammen in Kameradschaft und gegenseitigen Respekt, auch wenn sie das gleiche Ziel haben: die ideale romantische Partnerschaft. Will ist ein erfolgreicher Rechtsanwalt in Manhattan - liebenswert, stattlich und charmant, der vor kurzem eine langjährige Beziehung beendet hat. Wie auch Grace, die schöne und selbstständige Innenarchitektin. Beide lieben guten Wein, Mode und Shopping. Will und Grace sind seit langer Zeit Freunde und so stellen sie sich gemeinsam den Hochs und Tiefs des Lebens im Wissen, dass sie immer eine Schulter zum Anlehnen bei dem Anderen finden werden. Auch wenn sie sich damit gegenseitig in den Wahnsinn treiben können.

Caroline in the City

Caroline ist eine erfolgreiche junge Comic-Zeichnerin, die auf der ständigen Ideensuche für ihre Cartoons letztlich immer ihr eigenes Privatleben - und das ihrer Freunde - verwurstet. Caroline, eigentlich eine relativ normale Person, hat dafür einen umso exzentrischeren Freundeskreis. So lebt die Serie auch von den sarkastischen Wortgefechten zwischen der Singlefrau, ihrem Mitarbeiter Richard und der hysterisch-männerverschlingenden Freundin Annie. Natürlich ist der schüchterne Richard schwer in Caroline verliebt, lässt sich aber nichts anmerkern - zumindest glaubt er das. So wird in flockiger Form eine Banal-Version von Shakespeares "Komödie der Wirrungen" gegeben: Jeder liebt und wird geliebt - leider nie von eigenen Objekt der Begierde.

Cybill

Doch auch den etwas 'älteren' Semestern wird geholfen: In der Sitcom "Cybill" brilliert Hollywoodstar Cybill Shepherd in der Rolle einer Schauspielerin, deren Karriere ständig auf und ab geht. Zweimal geschieden hat sie von jedem Mann eine Tochter. Alle nehmen sie nach wie vor in Beschlag, und wenn man sich ihre Verflossenen ansieht, drängt sich die Frage auf, warum auch hier wieder ein Partner gesucht wird. Wichtigste Freundin ist Maryann, ebenfalls geschieden und steinreich. Zusammen meistern die Frauen die Widrigkeiten des (Beziehungs)-Lebens - natürlich auch mit der einen oder anderen Flasche Wein.

Ellen

Klappt's nicht mit dem Partner, dann sollten wenigsten gute Freunde da sein: So ungefähr könnte man diese Serie zusammenfassen. Ellen erzählt aus dem Leben von Ellen Morgan, einer Buchhändlerin in L.A., und ihren Freunden - ein Leben mit allem, was Großstadt-Singles durchmachen müssen: Liebeslust und -frust, Karriereknicks und -kicks, dem Ärger mit der Familie - und dass es unter Freunden dann immer wieder am schönsten ist. In den späteren Serien-Folgen hat die Figur der Ellen (wie die Hauptdarstellerin selbst) ihr Outing als Anhängerin gleichgeschlechtlicher Liebe - für das prüde Amerika eine Sensation.

Susan

Eine der wenigen Serienfiguren, die den umgekerhten Weg geht ist Brooke Shields in ihrer Serienrolle. Susan hat eigentlich alles, was frau sich wünschen kann: Sie ist bildschön, hat einen tollen Job und ihr reicher Verlobter Kip liebt sie über alles. Doch ausgerechnet vor dem Altar wird Susan klar, dass ein Leben mit Kip nicht gerade ihr Wunschtraum ist. Die Hochzeit platzt, und Susan muss sich in ihrem neuen Single-Leben zurechtfinden. Den gerade erst gekündigten Job beim Magazin "The Gate" bekommt sie zwar nicht wieder, dafür überträgt ihr Chefredakteur Jack, der Bruder von Susans Ex-Verlobtem, eine neue Aufgabe: Susan soll für die wöchentliche Kolumne schreiben. Und der Stoff dafür kommt - erraten - aus ihrem tollen Single-Leben.

Coupling

Auch die Ausgangslage der britischen Sitcom "Coupling" fängt mit einem Paar an. Die Fragestellung hinter der Serie ist: Was passiert, wenn zwei Menschen zusammenkommen und vier weitere Leute mit in diese Beziehung hineinbringen? Nicht umsonst lautet der deutsche Untertitel "Wer mit wem". Die erfrischend-humorigen Episoden geben endlich auch einen Einblick in die gebeutelte männliche Psyche: Oder wußten Sie, dass allein das Aussprechen des Wortes "Brüste" für manchen Mann die Erfüllung sein kann? "Coupling" - sechs Thirtysomethings zwischen Liebe, Sex und Leidenschaft ...

Becker

Ted Danson hält das Rollenbild des ewig grantelnden, männlichen Singles hoch. Er spielt John Becker, einen engagierten und talentierten Hausarzt mit schroffem Auftreten. Unglücklicherweise ist auch sein Inneres nicht gerade warm und freundlich. Während er diejenigen beleidigt, die ihm zu nahe zu kommen versuchen, ist seine Praxis in der Bronx sein ein und alles. Nur für seine Patienten versucht, das Machbare zu ermöglichen. Sonst sieht Becker eine verrückt gewordene Gesellschaft - voller Diskrepanzen und Fehleinschätzungen. Leider hat er keine Skrupel, all das zu sagen, was ihm in den Kopf kommt. Und obwohl es so scheint, als ob er sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit beleidigt, bestehen die Menschen in seiner Umgebung seltsamerweise darauf, Freundschaft mit ihm zu schließen.

Frasier

Die Welt der männlichen Singles wird natürlich auch durch das männliche Mauerblümchen Frasier, gespielt von Kelsey Grammar, hochgehalten. Der Psychologe Dr. Frasier Crane ist nach seiner Scheidung nach Seattle zurückgekehrt. Dort lebt der launisch-egomanische Intellektuelle mit seinem alten Vater und dessen junger, hübschen Physiotherapeutin zusammen. Frasier hat bei dem Radiosender "KACL" eine eigene Sendung bekommen. Während dieser Sendung rufen Hörer an, schildern ihre Probleme und erhalten daraufhin psychologische Ratschläge von Frasier. Natürlich werden seine Ratschläge direkt durch sein eigenes Leben beeinflusst. Frasiers jüngerern Bruder Niles, ebenfalls Psychologe, interessiert sich wie sein Bruder für Kunst, klassische Musik, erlesene Weine und exklusive Restaurants. Die beiden genießen diese Dinge gerne gemeinsam, konkurrieren aber auch ständig darum, wer der bessere von beiden ist. Seit Frasier geschieden ist, ist er auf der Suche nach seiner Traumfrau. Aber natürlich wird daraus nie etwas. Wenn er - oft nach langen Durststrecken - endlich mal wieder glaubt die Richtige gefunden zu haben, endet doch schnell wieder alles mit einer Enttäuschung.

Seinfeld

Jerry Seinfeld, der in dieser Serie einfach sich selbst spielt, und seine drei Freunde Elaine, Kramer und George sind die lebendig gewordenen Beweise für die Richtigkeit der Chaostheorie: Der Kampf um einen Sitzplatz im Restaurant, ein illegaler Kabelanschluß, die Frage nach der richtigen Höhe des Trinkgeldes oder auch nur eine falsche Bemerkung auf dem Anrufbeantworter der neuen Flamme. Diese vier neurotischen New Yorker reiten solange auf den winzigen Widrigkeiten des Alltags herum, bis daraus eine gewaltige Lebenskrise wird. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass alle typische Großstadt-Singles sind und eigentlich immer wieder versuchen dies zu ändern. Aber nur bis es geklappt hat - dann tun sie alles erdenkliche, um wieder ins vertraute Single-Dasein zurückzukehren. Nichts ist zu banal, um eine Beziehung zu beenden: Jerry trennt sich von seiner jeweiligen Freundin, weil sie ihn zwingen will, ihre Zahnbürste zu benutzen; er ihren Namen vergessen hat; sie so tut, als wäre sie seine Frau, um einen Rabatt in der Reinigung zu bekommen; sie zu komisch lacht; sie einen schlechten Geschmack in Sachen Werbespots hat; sie ihn nicht massieren will; sie ihre Erbsen Stück für Stück ißt oder weil sie Männerhände hat. Den Spruch "Wer unabhängig ist, ist auch allein" kann man nämlich auch umdrehen: "Nur wer allein ist, ist unabhängig".

Karin Spitra
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