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SEXGEFLÜSTER: Spieltrieb

»Du Tarzan ? ich Jane«. So oder so ähnlich könnten die Liebesspiele heißen, die Sie in völlig neue erotische Dimensionen entführen. Hannah Garbaty hat den Reiz fremder Rollen ausprobiert und lädt zum Nachspielen ein.

Ich bekomme bald Besuch. Keine Ahnung, was mich erwarten wird - entsprechend aufgeregt bin ich. Immer unruhiger rutsche ich in meinem Sessel hin und her, zupfe noch mal an meinem Kleid herum und zähle die Sekunden. Endlich, es klingelt! Mit wiegenden Hüften bewege ich mich zur Tür, öffne und ? werde an die Wand gedrückt. Eine Hand schaltet schnell das Licht aus, so dass mein Flur stockfinster wird, die andere schließt die Tür. Ich kann nichts mehr sehen, nur noch spüren. Ein Mund mit heißen, feuchten Lippen findet meinen und küsst mich leidenschaftlich. Eine Hand tastet sich zu meinem Busen, zärtlich werden die Brustwarzen gereizt, bis sich die so entstehenden Schauder auch in weit südlicheren Gefilden niederschlagen.

Der fremde Mann weiß genau, was ich mag und drückt sich ganz fest an mich. Während er an meiner Halsbeuge knabbert, schleicht sich eine freche Hand unter mein Kleid. Die Schenkel rauf und runter, immer näher an mein Lustzentrum heran, das schon fiebrig-feucht auf eine Berührung wartet. Dieser lustvolle Überfall hat mir glatt die Sprache verschlagen und auch der Fremde hat noch kein Wort von sich gegeben. Muss er auch nicht ? schließlich ist er nicht gekommen, um zu reden. Nach einigen aufreizend langsamen Kreisen rund um meine Perle fühlen sich meine Knie an wie Watte.

Plötzlich spüre ich, wie er mir eine Augenbinde umlegt. An beiden Händen führt er mich ins Wohnzimmer, bis zum Sessel. Sanft drückt er mich in die Polster, dann schiebt er meine Beine auseinander und kniet sich dazwischen. Blind taste ich über seinen Kopf, sein Gesicht, seine Schultern und seine Brust. Alles fühlt sich sehr, sehr gut an und so beginne ich dankbar zurückzuküssen und meinerseits zu streicheln. Doch ich bekomme keine Chance. »Lass das!«, zischt er mir gebieterisch ins Ohr, dann greift er entschlossen meine Hände und ich spüre, wie sich fesselnd ein Tuch darum windet. Hilflos muss ich erdulden, was sich der Mann für mich einfallen gelassen hat. Und das ist eine ganze Menge...

Als ich nach einer halben Stunde und einem bahnbrechenden Orgasmus wieder zu mir komme, fühle ich, wie er mich von Fesseln und Augenbinde befreit. Stolz und ein bisschen amüsiert sieht er auf mich herab. - Es ist mein Liebster.

Dieses Spiel ? nennen wir es mal »Besuch des fremden Mannes« - hab ich mir von ihm gewünscht. Die einzige Vorgabe war, dass er als Unbekannter zu mir kommen soll, um mich zu verführen. Mit einem derartigen »Überfall«, mit dieser gefesselten Hilflosigkeit und dem konzentrierten Fühlen im Dunkeln hatte ich nicht im Traum gerechnet ? ja, auch mein Liebster hat Phantasie. Es war himmlisch aufregend!

Kennen Sie das Gefühl, einfach mal in eine andere Rolle zu schlüpfen? Und die auch bis zum Ende auszureizen? Der Alltag, die Sorgen, der Stress bleiben zurück, denn Sie sind ja gar nicht mehr Sie selbst, sondern jemand ganz anderer, der von all den Unannehmlichkeiten in Ihrem Leben gar keine Ahnung hat! Rollenspiele lassen Sie alles vergessen, Sie leben für eine kurze Zeit in einer anderen, aufregenden Welt und können alles tun, was Sie im Normalfall niemals tun würden. Zusätzlich haben Sie eine einzigartige Chance, Ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und auf eine Art Lust zu empfinden, die mit ihrem normalen Sexleben gar nichts zu tun hat. Da kann die rasante Powerfrau ein lüsternes Bauernmädel spielen, das sich im »Heu« mit dem Herren des Hauses vergnügt . Der Intellektuelle wird zum handfesten Klempner, der die »Hausfrau« auf der Waschmaschine verführt. Die eher Zurückhaltende entdeckt den männerverschlingenden Vamp in sich. Und der Möglichkeiten noch viele...

Mein Spieltrieb erwachte vor einigen Jahren, hervorgekitzelt durch einen Liebhaber namens Ole. Wir waren hemmungslos ineinander verliebt, ziemlich verrückt drauf und außerdem fern von der Heimat. Draußen war es bitterkalt, in unserem Ferien-Appartement mollig warm und wir hatten Lust, ein bisschen herumzuspielen. Ich war die schüchterne Sekretärin, die vom erfahrenen Chef in die Geheimnisse der körperlichen Liebe eingeführt werden sollte. Er war der Butler, der mir hochwohlgeborener Gräfin hemmungslos zu Diensten sein musste. Ich war das Zimmermädchen, das den Geschäftsreisenden beim Putzen des Hotelzimmers verführte. Er war der Patient, der seine Hände nicht von der Nachtschwester lassen konnte, bis sie sich endlich der Lust ergab... Usw. usf.

Der blanke Wahnsinn!!! So sehr wir beim Ausdenken der Spielvorlage und nach ihrem Vollzug auch kicherten, wir schafften es immer, unsere Phantasien mit dem nötigen Ernst umzusetzen und den maximalen Lustgewinn daraus zu ziehen. Und ich sage Ihnen, dieses Abtauchen in eine völlig fremde Rolle und das Umsetzen von lustvollen Szenarien hat es in sich!

Das war nur natürlich nur ein verrückter Urlaub und wir haben in diesen Wochen öfter normal und liebevoll miteinander geschlafen, als uns in unseren Phantasien herumzutreiben. Aber beides war gleichermaßen erregend und schön ? jedes auf seine Weise.

Ole gehörte bald der Vergangenheit an und ich wurde wieder ausschließlich Hannah Garbaty, die alleinerziehende berufstätige Mutter, die jeden Tag in fünf Richtungen gleichzeitig springt, um alles zu schaffen. Doch die Saat war gesät und ich träumte insgeheim davon, mal wieder jemand ganz anderer sein zu dürfen ? und sei es nur für eine halbe Stunde.

Jens gab mir diese Gelegenheit. Wenn auch alles ganz anders kam, als er sich das vorgestellt hatte...

Wir waren erst kurze Zeit zusammen und ich wusste noch nicht genau, wie ich unsere Beziehung finden sollte, da brachte er mir eines Abends zwei Bücher mit: »Die Geschichte der O« und »Brennende Fesseln«. Die solle ich unbedingt lesen, es wäre sehr wichtig für ihn... Nun stehe ich in keinster Weise auf SM-Praktiken und kann mir weitaus Schöneres vorstellen, als ausgepeitscht und mit Brustklemmen traktiert zu werden. Das stellte ich erst mal klar, bevor ich ihn fragte, ob er mich zu derartigen Spielchen bekehren wolle? »Dazu kann man niemanden bekehren«, bekam ich zur Antwort. Das nahm ich erst mal so hin, doch die Anspielungen hörten nicht auf: Ob ich es nicht doch reizvoll finden würde, mal etwas devoter zu sein? Mich ihm ganz und gar auszuliefern? Und dergleichen mehr. ?

Keine Ahnung, ob ich softe Spielchen dieser Art nicht vielleicht doch mal ausprobiert hätte, wenn ich a) wirklich in ihn verliebt gewesen wäre, b) etwas mehr Vertrauen in ihn gehabt hätte und er mir c) mit den ständigen Anspielungen nicht irgendwann entsetzlich auf die Nerven gegangen wäre. Beim derzeitigen Stadium unserer Beziehung aber erschien mir sein Anliegen einfach nur schräg und unangebracht ? zumal er sich auch im Bett nicht wirklich Mühe gab.

Ich wusste schon, dass ich mit ihm Schluss machen würde, da erwachte das Teufelchen in mir und ich dachte: »Okay, mein Süßer. Du willst es also wissen...« Ahnen Sie, was ich plante? Inspiriert durch eine Szene aus »Bitter Moon« beschloss ich, den Spieß umzudrehen und ihm zu der Erfahrung zu verhelfen, wie es ist, sich »ganz und gar ausgeliefert zu fühlen«. Eines Abends war es soweit. Als er zu mir kam, führte ich ihn in mein Wohnzimmer, setzte ihn auf einen Stuhl und fesselte ihn, während ich ihn mit verführerischen Worten um Vertrauen bat. Nachdem ich ihm zusätzlich einen Knebel in den Mund gesteckt hatte, machte ich mich im Schlafzimmer zurecht. Ich hüllte mich in meinen lackschwarzen Regenmantel, trug darunter nur noch meinen schönsten schwarzen Body und schminkte mich sehr dramatisch. Jens traten fast die Augen aus den Höhlen, als ich so wieder zu ihm trat. Ich ignorierte seinen leicht angsterfüllten Blick, und näherte mich ihm ganz langsam ? mit einem Rasiermesser in der Hand. Nun guckte er wirklich panisch und rüttelte an seinen Fesseln, doch ich hatte ganze Arbeit geleistet. Während er noch ruckte und zerrte, legte ich das »Bitter Moon« - Video ein, das ich vorher genau bis zu der Szene gespult hatte, die ich nachzuspielen gedachte ? wie Jens annehmen musste.

Und der Gefesselte starrte fassungslos auf den Bildschirm. Dort zerschnitt gerade Emanuelle Seignier mit einem scharfen Rasiermesser erst Peter Coyote?s Gürtel, dann seine Hose und anschließend seinen Slip? immer ganz nah an seinem besten Stück. Jens traten die Schweißperlen auf die Stirn, denn während er seinem erzwungenen Fernseherlebnis frönte, streichelte ich ihn erbarmungslos mit dem noch zugeklappten Rasiermesser? auch immer ganz nah an seinem besten Stück. Nun trat die schöne Emanuelle im Film gegen den Stuhl mit dem gefesselten Peter und sorgte so dafür, dass er nach hinten umfiel. Mit gespreizten Beinen hockte sie sich über ihn...

Das hatte ich mit Jens keinesfalls vor ? wäre ja noch schöner. Doch das wusste der Ärmste noch nicht. Während ich den Videorekorder aus- und den CD-Player mit klassischer Opernmusik anschaltete, gab er panische Laute von sich und zerrte noch verzweifelter an den Stricken, die ihn an dem Stuhl festhielten. Er hatte keine Chance. Ich klappte das Rasiermesser auf und trat mit diabolischem Blick zu ihm. Angstvoll schloss Jens die Augen ? doch bevor er sich vor Furcht ins Hemd machen konnte, nutzte ich die scharfen Klingen, um ihn loszuschneiden.

Muss ich erwähnen, dass das unser letzter Abend war? Noch heute peitscht mich die blanke Freude, wenn ich an seine Flucht denke...

Okay, okay, das war extrem. Spaß gemacht hat es trotzdem - und ich finde, Jens hatte es verdient.

Die Spielchen mit meinem Liebsten sind mir natürlich wesentlich lieber und tragen auch viel mehr zur lustvollen Wonne bei. Denn eines ist klar: Beide Beteiligten müssen einander vertrauen, Spaß an der Sache haben und freiwillig mitspielen, sonst kommt nicht die erhoffte Freude auf. Dabei ist völlig egal, ob man softe Ausflüge in die SM-Szene unternimmt, die Szenarien aus bekannten Filmen nachspielt und mit Erotik bereichert oder sich irgend etwas anderes einfallen lässt. Man braucht nur Lust, etwas Phantasie und einen aufgeschlossenen Partner, dann kann das aufregende Abenteuer beginnen. Probieren Sie es aus!

In freudiger Erwartung auf Ihre Meinungen und Abenteuer verbleibt bis zur nächsten Woche Ihre Hannah Garbaty

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