Kolumne: Das Gefühl der Woche Komm raus, im Schnee spielen!

Gefühl der Woche: Spieltrieb im Schnee
Dreimal täglich einen Schnee-Engel zu machen, lockert Schultern und Seele
© stern-Montage: Fotos: Jana Mai / stern; Adobe Stock
Deutschland im Schneegestöber, das weckt den Spieltrieb unserer Autorin. Sie will nur eins: raus in die Flocken! Mit erstaunlicher Wirkung für Schultern und Seele.

Das Jahr hat toll angefangen, was? Ich meine das nicht ironisch im Sinne von Venezuela, Trump, Berliner Stromausfall, Trump, Grönland, Aufruf zur Entführung von Friedrich Merz, Trump … Nein! Ich spreche nicht vom Irrsinn der Welt, ich spreche vom Schnee, der vom Himmel fällt (das reimt sich jetzt, war keine Absicht).

Dieser Schnee, der gerade auf viele Teile Deutschlands niedergeht, macht alles leise und langsam. In Hamburg und Niedersachsen fiel am Freitag die Schule aus, nicht Hitze-, sondern Schneefrei! Große Freude. Der ADAC rät allen Autofahrern zum Homeoffice. Und da sitze ich jetzt auch, schaue in die Flocken, will nicht arbeiten, sondern unbedingt raus, und zwar so doll raus wie in "Guck mal, Madita, es schneit!" Diese kindliche Freude, von der die große Schneeliebhaberin Astrid Lindgren so glänzend erzählt, hat mich diese Woche voll im Griff.

Das Gefühl der Woche: Spieltrieb im Schnee

Ich mache Schnee-Engel auf dem Weg zur U-Bahn und zum Supermarkt. Joggen geht gerade leider nicht, zu glatt, aber eine große Runde durch den Park drehen und alle 200 Meter einen Schnee-Engel hinlegen, das lockert Seele und Schultern. Weitere Werke meines Spieltriebes: ein Schnee-Zwerg, ein Schnee-Monster mit verträumtem Lächeln, eine prächtige Schnee-Frau mit Hut und Busen (peinliches Staunen meiner Söhne).

Wir sollten alle mehr spielen, sagt der Mediziner Eckart von Hirschhausen und verweist auf die Spieltherapie, die traumatisierten Kindern hilft, aber auch Erwachsene seelisch gesünder macht. Der Sinn des Spielens liege nicht im Gewinnen, findet Hirschhausen, sondern im Verlieren – im Sich-selbst-Verlieren und -Vergessen. "Mehr Zeit für Sinnloses!", fordert er. Da kommt der Schnee gerade richtig.

Eine Kollegin mit Wohnsitz auf St. Pauli erzählte, dass in ihrer Straße jetzt sogar die Dealer Schneeballschlachten machen. Wäre das nicht die Lösung?! Schneeball- statt echter Schlachten! Wir wollen doch mal sehen, du Plustemperatur-Trump, wer im dauerverschneiten Grönland den Dicksten hat …

Sperren wegrücken und neue Spuren ziehen

Mir scheint, wir sollten dem Spieltrieb gerade jetzt am Jahresanfang nachgeben, denn Spielen steigert die Risikobereitschaft ("Trägt das Eis am Teich?") und die Lust an der Provokation ("Kann ich meinem Mann die Zigarette aus dem Gesicht schießen? Wie wütend wird er wohl werden?"). Vor allem aber nimmt Spielen die Angst vor Neuem. Vor unserer Haustür liegt eine riesige Straßenbaustelle, deren Hässlichkeit unter einer weißen Decke verborgen ist. Der Schnee hält momentan auch Bauarbeiter und Bagger fern. Los, rück jetzt einfach mal die Sperre weg, denke ich, hake die Barriere aus ihrer Verankerung, gehe drauflos und stehe dann mittendrin im schönsten, unberührten Neuschnee. Ein guter Neujahrsvorsatz für 2026, oder?

Sperren wegrücken und neue Spuren ziehen. Wie das beispielsweise im Beruf gelingen kann, erzählt meine Kollegin Jenny von Zepelin in einer Reportage über fünf verspielte Menschen, die sich gefragt haben: Wohin will ich wirklich?

Gregor Peter Schmitz mit den Buchstaben GPS

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Zum Schluss noch eine philosophische Frage, die mein jüngster Sohn stellte, als er fünf oder sechs Jahre alt war und wir eines Morgens vom Bett aus auf sanftes Schneetreiben schauten. "Mama, kann eine einzelne Schneeflocke auch rieseln, oder braucht sie dafür die Gruppe?" Es entspann sich ein Gespräch über die Natur des Rieselns. Ist Rieseln eher ein Geräusch? Dann kann das nur eine Gruppe von Flocken erzeugen. Oder ist Rieseln eine Bewegung? Das wiederum kann die Flocke auch allein.

Was auch immer der Schnee mit Ihnen und Sie mit dem Schnee machen – spielen Sie schön!

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© Helen Bömelburg

Der Sticker der Woche

Dieser hier klebt an unserem Balkongitter und will sagen: besser nicht auf Gott, die transatlantische Freundschaft oder auf sonst was Unzuverlässiges vertrauen – sondern allein auf Tartiflette, ein Gericht aus den französischen Alpen. Kartoffeln, Speck und Reblochon-Käse. Dazu ein weißer Sauvignon. Tür zu, Kerzen an, raus in den Schnee schauen.

 

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