Meinung
Ist gut jetzt mit Schnee!

Schnee in Deutschland
Schnee in den Städten: Grauer Matsch statt weißes Idyll
© Busà Photography / Getty Images
Während sie diese Zeilen schreibt, starrt unsere Autorin frustriert auf die Schneeflocken vor dem Fenster und fragt sich: Ja, hört das denn nie auf?!

Es gibt diese zwei, drei Stunden direkt nach frischem Schneefall, in denen der Winter schön ist. So, wie man ihn sich vorstellt: still und weiß und idyllisch. Da rieseln lautlos Flocken vom Himmel und ein weißer Puderzuckerteppich überzieht die Welt. In diesen Momenten kann schon mal der fehlgeleitete Gedanke aufkommen, dass man den Winter doch eigentlich ganz gern mag.

Doch die Realität entzaubert diesen Irrglauben schnell. Denn die unberührte Schneedecke ist schon bald ein grauer Matsch – zertreten von unzähligen Füßen, zermahlen von Fahrradreifen, angehustet von Auspuffrohren und dann auch bald vermengt mit Split oder Sand. Eine zermürbende Pampe. Und seit Beginn dieses Winters schlurfte und schlitterte man nun schon zigmal über halbgeräumte Fußwege, während einem der Schneeregen ins Gesicht wehte, und fragte sich: Wie lange noch?!

Schnee, Eis und Kälte – das macht keinen Spaß

Nach jedem Wintereinbruch folgten ein paar Tage, an denen die Straßen wieder freitauten und man manchmal gar ein Stückchen blauen Himmel oder einen Sonnenstrahl erhaschen konnte. Hoffnung keimte auf: War's das jetzt? Bewegen wir uns jetzt endlich langsam auf den Frühling zu? Also: So langsam, wie über glibschiges Kopfsteinpflaster hin zur Bushaltestelle, an der der Bus vermutlich eine Viertelstunde zu spät hält, wenn er denn überhaupt fährt? Und jedes Mal wurden wir enttäuscht: Nach einer kurzen Verschnaufpause rasselten die Temperaturen wieder in den Keller und Frau Holle schickte Nachschub. Wieder. Und wieder. Und wieder.

Da steht man, professionell eingepackt in seine diversen Schichten, starrt in den grauen Himmel und mag einfach nicht mehr. Der Blick nach links und rechts: trostlos. Der Blick in die Wetter-App: noch trostloser. Und in fordernden Zeiten wie diesen demonstrieren dann auch noch zahlreiche Verantwortliche in Städten und Kommunen, wie wenig man auf das Phänomen Winter vorbereitet sein kann. Da wird tagelang nicht geräumt oder gestreut. Senioren brechen sich Knochen, Radfahrer stürzen, Lkws fahren sich fest. Und das nicht nur bei der ersten Winterwelle, sondern jedes Mal aufs Neue. Von wegen: Aus Fehlern lernt man.

Andererseits: Vermutlich dachten auch die Sachbearbeiter, die die Schneepflüge aussenden, nach jeder Rückkehr des Winters, dass es das nun bestimmt endlich war. 

Der Winter war doch schon dreimal weg, eigentlich!

In den Städten ist man genervt, weil man sich für den Weg zum Supermarkt um die Ecke erst eine halbe Stunde lang anziehen muss wie für eine Polarexpedition, um dann über eine Eisfläche in den Aldi zu schlittern, in dem all jene, die vorher da waren, schon großflächig den anthrazitfarbenen Schmodder, der an ihren Stiefeln pappte, verteilt haben. Es kommt die spießige Sehnsucht nach einem Spaziergang auf, aber das würde doch bei diesem Wetter niemandem Spaß machen. 

Und auf dem Land, wo der Schnee immerhin schöner aussieht und man mit den richtigen Klamotten zumindest eine nette, kleine Winterwanderung machen kann, muss man vor der Fahrt zur Arbeit oder ins Einkaufscenter im Nachbardorf erst Whatsapps an Freunde und Nachbarn schicken, die vielleicht wissen, welche Straßen gerade befahrbar sind. In der Regel nicht die, die man eigentlich nehmen wollen würde. 

Es ist immerhin fast schon März

Einigen wir uns darauf: Es ist gut jetzt mit Schnee. Alle, die Schneemänner bauen, rodeln und Schneebälle werfen wollten, hatten jetzt ausreichend Zeit, das zu tun. Es ist beinahe Ende Februar – fast schon März – und es wird Zeit, dass wir endlich wieder zur Arbeit aufbrechen können, ohne uns über die Logistik des Anfahrtsweges Gedanken machen zu müssen. 

Die Übergangsjacken wollen rausgeholt werden, wir wollen wieder über Nieselregen schimpfen statt über Schneestürme und zumindest eine kleine, eine winzigkleine Hoffnung auf den Frühling spüren. Schneeglöckchen statt Schneeflöckchen!