Tarifkonflikt mit Folgen
Warnstreiks bei Bussen und Bahnen: Was Pendler wissen müssen

Streikbeflaggte Bahnen Anfang Februar. Foto: Henning Kaiser/dpa
Streikbeflaggte Bahnen Anfang Februar. Foto
© Henning Kaiser/dpa
"Fahrt entfällt" - solche Anzeigen wird man am Freitag und Samstag wohl häufig lesen im Nahverkehr. Denn Verdi ruft zum Arbeitsausstand, Tausende Busfahrer und andere Beschäftigte dürften folgen.

Ein neuerlicher Warnstreik in Nordrhein-Westfalens Nahverkehr wird am Freitag und Samstag aller Voraussicht nach zu erheblichen Einschränkungen führen. Verdi fordert deutlich mehr Geld und weniger Arbeitszeit, die Arbeitgeber halten das für überzogen und verweisen auf klamme Kassen. Wie Fahrgäste mit den Widrigkeiten am besten umgehen können - ein Überblick.

Wo wird gestreikt?

Fast überall in NRW. Die Liste der betroffenen Städte ist lang, darunter sind Bonn, Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach, Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen, Dortmund, Hagen, Münster und Bielefeld. Ausnahmen gibt es nur wenige, etwa Aachen, weil sich die Tarifverhandlungen nicht auf die dortigen Verkehrsbetriebe Aseag beziehen. Auch die Wuppertaler haben Glück, in ihrer Stadt findet ebenfalls kein Warnstreik statt. Grund sind die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der dortigen Schwebebahn. Deswegen hat Verdi dort nicht zum Ausstand aufgerufen.

Wie stark werden die Einschränkungen sein?

Beim ersten und bislang einzigen Warnstreik-Tag im laufenden Tarifkonflikt am 2. Februar waren die Einschränkungen groß, damals legten nach Angaben von Verdi 12.000 von gut 30.000 Beschäftigten die Arbeit nieder. Auch bei dem nun angekündigten zweitägigen Ausstand werden die Fahrgäste die Folgen zu spüren bekommen, erneut nehmen die Gewerkschafter mehr als 30 kommunale Unternehmen ins Visier.

Je nach Stadt sieht es unterschiedlich aus. Das Dortmunder Kommunalunternehmen DSW21 teilt mit, dass der Warnstreik den Nahverkehr in der Ruhrgebietsstadt am Freitag und Samstag stilllegen werde, alle Stadtbahn- und Buslinien wurden abgesagt - und zwar von Freitagfrüh bis um halb zwei am frühen Sonntagmorgen. Anderswo werden die Folgen nicht so drastisch sein, etwa am Niederrhein: Die dortigen Verkehrsbetriebe Niag teilen nur mit, dass Fahrten entfallen könnten - ein Stillstand im Nahverkehr wird dort nicht prognostiziert. 

Welcher Teil des Nahverkehrs ist noch aktiv?

Ein Teil der Linienbusse dürfte mancherorts noch unterwegs sein, das zeigen Erfahrungen aus früheren Arbeitsniederlegungen - viele Unternehmen sind bemüht, ein gewisses Grundrauschen im Nahverkehr aufrechtzuerhalten. Die Busse privater Subunternehmen sind nicht von den Warnstreiks betroffen. Die kommunalen Verkehrsbetriebe informieren darüber, welche Buslinien in der jeweiligen Stadt oder Region am Warnstreik noch bedient werden können. Sie geben dazu den Fahrgästen Hinweise auf ihren Internetseiten und in Apps.

Wie komme ich denn jetzt von A nach B? 

Regionalzüge und S-Bahnen sollen planmäßig unterwegs sein, sie gehören zur Deutschen Bahn beziehungsweise zu anderen Bahnunternehmen, die von den Tarifverhandlungen nicht betroffen sind. Das dürfte vielen Pendlern und anderen Fahrgästen zumindest etwas bringen, allerdings dürften die Züge ziemlich voll werden. Und S-Bahn-Stationen gibt es halt deutlich weniger als Bus- und U-Bahn-Haltestellen. Daher dürfte sich der notwendige Fußweg auf der Strecke von A nach B im Schnitt deutlich verlängern.

Was tun, wenn ich nicht zur Arbeit komme?

Viele Menschen sind auf Busse und Bahnen angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Und was, wenn die streikbedingt partout nicht fahren? Grundsätzlich trage der Arbeitnehmer das sogenannte Wegerisiko, sagt der Arbeitsrechtler Robert Lentzsch der Frankfurter Kanzlei LKS. "Er hat Sorge zu tragen, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein." 

Das gelte auch an den Tagen, wenn der Nahverkehr streikbedingt weitgehend ruht. Übergeordnete Umstände gälten nur bei unvorhersehbaren Ereignissen – etwa einer kurzfristigen Vollsperrung nach einem Unfall auf der Autobahn oder einem umgefallenen Baum auf den Bahngleisen. "Die Streikfolgen am Freitag und Samstag sind aber vorhersehbar – die Arbeitnehmer müssen sich um Alternativen für den Nahverkehr kümmern, etwa Fahrgemeinschaften bilden."

Lentzsch rät den Arbeitnehmern, frühzeitig das Gespräch mit ihren Chefs zu suchen. "Wenn ich von meinem Dorf nicht wegkomme, weil der einzige Bus nicht fährt, mich niemand mitnehmen kann und der Weg fürs Fahrrad zu weit ist, dann habe ich mich ausreichend um Alternativen bemüht." Mit dem Arbeitgeber müsse man dann noch nach einer Lösung suchen. Wenn der Arbeitnehmer nachweislich alles Zumutbare versucht hat und objektiv keine realistische Alternative bestand, dann könne man zu Hause bleiben. "Wenn man deswegen später abgemahnt wird, wäre das rechtswidrig."

Also Nahverkehr meiden und rein ins Auto?

Das Auto kann zwar helfen, auf den Straßen dürfte es nach Prognose des ADAC zwischenzeitlich aber deutlich voller werden. "Vor allem am Freitagnachmittag ist mit Staus und zähflüssigem Verkehr in den Städten und auf den Autobahnen zu rechnen, denn dann treffen Berufsverkehr und Freizeitverkehr aufeinander", sagt der Sprecher vom ADAC Nordrhein, Thomas Müther.

Er rät zu Fahrgemeinschaften und für kurze Strecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten, etwa Leihräder oder Elektroscooter. "Das Fahrrad ist besonders in den Städten eine sehr gute Alternative zum Auto, sofern das Wetter mitspielt." Am Freitagmorgen und am ganzen Samstag rechnet Müther eher mit normalem Verkehr - "dann dürften sich die Folgen des Warnstreiks für das Verkehrsaufkommen auf den Straßen und Autobahnen in Grenzen halten".

dpa