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von-sinnen: Natella und Johannes

Natella Golowjanz, 20, Schülerin, und Freund Johannes Buhre, 20, Zivildienstleistender, aus Hamburg

ER: Wir haben uns vor vier Jahren auf dem Schulflur kennen gelernt. Sie hat mich einfach angesprochen.

SIE: Ich war die Mutige, habe gefragt, ob wir nicht ins Kino gehen wollen. Er war der Einzige, der nicht so arrogant war. Im Kino haben wir uns zum ersten Mal geküsst.

ER: Sie fand das nicht so romantisch.

SIE: Wir hatten vorher fast nichts geredet. Haben Karten gekauft, uns hingesetzt: Hast du Geschwister? Was machst du so?

ER: Die Eckdaten.

SIE: Dann lief der Film, und plötzlich küsst er mich, da denke ich: hallo?

ER: Ich musste meinen ganzen Mut zusammennehmen.

SIE: Meine Freundinnen haben gefragt: War's denn toll? Darauf ich: Hält nicht lange.

ER: Als wir mal in der Stadt beim Einkaufen waren, habe ich gemerkt, dass ich in sie verliebt bin. Es wurde ja auch Frühling.

SIE: Bei mir war das auch an diesem Tag. Wir haben ihm Schuhe gekauft. Dann saßen wir bei Pizza Hut und haben uns Geschenke gemacht. Was wir gerade so dabeihatten. Er schenkte mir einen Schlüsselanhänger in Form eines Vorhängeschlosses.

ER: Ein Werbegeschenk der Hamburger Sparkasse.

SIE: Und ich ihm einen kleinen Schlüssel, den ich gefunden hatte.

ER: Den habe ich dann später verloren. Das wirft sie mir heute noch vor. Die Initiative in der ersten Nacht habe ich übernommen. Sie wollte am Anfang nicht, es war auch für uns beide das erste Mal.

SIE: Ich hab mir so viel Zeit gelassen, weil ich Angst hatte, wenn er mit mir schläft, verlässt er mich.

ER: Und ich war sehr geduldig, weil ich dachte, wenn ich sie zu sehr dränge, haut sie ab.

SIE: Für mich war Sex nicht wichtig. Es war schön, mit ihm zusammen zu sein, mich mit ihm zu unterhalten, aber das Miteinanderschlafen war für mich nie wichtig. Das erste Mal war chaotisch.

ER: Allein das Kondome-Kaufen! Die ersten Nächte verbrachten wir in meinem Zimmer unterm Dach. Aber das waren eher Nachmittage, wenn meine Eltern weg waren. Vorher habe ich immer die Jugendbücher weggepackt.

SIE: Ich habe mich besonders hübsch gemacht.

ER: Hinterher war ich noch verliebter. Ich dachte: Jetzt bist du ein Mann. Aber ich war unglücklich, weil es nicht geklappt hat.

SIE: Ich fand's gut. Unsere Beziehung hat sich dadurch auf jeden Fall vertieft.

ER: Finde ich auch. Probleme sind nicht mehr wichtig. Schule, Fußball: zweitrangig. Ich saß im Unterricht, war glücklich, und was der Lehrer so erzählt hat, tja ...

SIE: Ich bin in der Schule eher besser geworden, weil mein Selbstbewusstsein gestiegen ist, ich habe mich mehr getraut.

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