Flick Collection Schröder eröffnet umstrittene Ausstellung


Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei der Eröffnung der Flick Collection in Berlin dem Sammler Friedrich Christian Flick Respekt gezollt und für die Leihgabe der Kollektion mit 2500 Werken an Berlin gedankt.

Flick habe die Verantwortung für seine Familiengeschichte auf sich genommen, sagte Schröder am Dienstagabend im Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof. Gleichzeitig forderte er Flick auf, die Sammlung über die zunächst vereinbarten sieben Jahre hinaus in der Stadt zu belassen.

Debatte über Zwangsarbeiter begrüßt

Schröder begrüßte die öffentliche Debatte über die Flick-Dynastie und die Zwangsarbeiter. Dadurch könne auch über die Verflechtungen zwischen dem Nazi-Regime und der Wirtschaft diskutiert werden. Der Sammler sei sich dabei bewusst, dass sein Großvater Friedrich Flick Unrecht begangen habe. Der Enkel habe mit Kriegsverbrechen aber nichts zu tun.

Der Kanzler mahnte, öffentliche Kritik an Flick müsse aufrichtig sein. "Ich würde mir jedenfalls nicht anmaßen wollen, die Lauterkeit und Motive eines Mannes zu bezweifeln, der eine „Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“ gegründet hat." Die Besucher der Sammlung sollten sich mit Kunst beschäftigen können, ohne vorher die Flick-Geschichte studieren zu müssen.

Demonstration wegen NS-Vergangenheit von Friedrich Flick

Kritiker werfen Flick vor, die Sammlung aus dem Erbe seines Großvaters, des NS-Rüstungsunternehmers Friedrich Flick, erworben zu haben. Außerdem habe er sich geweigert, in den Fonds zur Entschädigung der Sklavenarbeiter zu zahlen. Eine kleine Gruppe von Demonstranten erinnerte vor dem Museum an dieses Thema. Auf einem Transparent hieß es: "Sofortige Auszahlung sämtlicher Zinsen! Sofortige Aufstockung der Entschädigung!"

Flick sagte in der Eröffnungsveranstaltung, Kunst tauge nicht zur Verdrängung, sie zwinge vielmehr zur Auseinandersetzung auch mit Gewalt und Terror. "So wenig ich meine Verantwortung auf die Gesellschaft delegieren kann, so wenig kann die Gesellschaft die Verantwortung auf mich delegieren." Zu Schröders Vorschlag, die Sammlung länger als die vereinbarten sieben Jahre in Berlin zu lassen, meinte Flick: "Lassen Sie uns die Verlobungszeit genießen - wenn am Ende eine Hochzeit steht, umso besser."

Leihgabe von zunächst sieben Jahren

Die Werke, darunter Arbeiten von Bruce Nauman, Jason Rhoades, Martin Kippenberger und Paul McCarthy, stellt Flick für zunächst sieben Jahre zur Verfügung. Den Umbau der Rieck-Hallen am Hamburger Bahnhof für acht Millionen Euro hat Flick selbst bezahlt. Die laufenden Kosten übernimmt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

DPA


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