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Kultur-Highlights 2004: Berlin zieht Sammler an

Trotz des maroden Berliner Haushalts, trotz aller Einsparungen - die Hauptstadt mit ihren 175 Museen, 130 Theatern und drei Opernhäusern bietet auch 2004 ein abwechslungsreiches kulturelles Programm.

Ein Höhepunkt dürfte eine Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) in der Neuen Nationalgalerie sein. Vom 20. Februar bis zum 19. September werden rund 200 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts gezeigt - unter anderem von Picasso, Kandinsky, Dali, van Gogh und Cezanne.

Zu verdanken ist die spektakuläre Ausstellung dem Umstand, dass das MoMA umgebaut wird und die Gemälde für diesen Zeitraum ausgelagert werden müssen. Berlin scheint für die internationale Kunstwelt attraktiv zu sein. Gleich drei der international bedeutendsten Sammler bringen im nächsten Jahr ihre Schätze dauerhaft in die Hauptstadt. So will Starfotograf Helmut Newton seine Sammlung mit mehr als 1.000 Arbeiten ab Frühsommer 2004 als Dauerausstellung in der ehemaligen Kunstbibliothek am Bahnhof Zoo zeigen.

Berühmte Surrealisten-Sammlung geht nach Berlin

Umstrittener ist die Gabe des Kunstsammlers Friedrich-Christian "Mick" Flick, die die Stadt Zürich zuvor dankend abgelehnt hatte. Bezahlt worden sein sollen die Gemälde, Fotografien, Installationen und Videos aus dem Erbe seines Großvaters, des Großindustriellen Friedrich Flick. Dieser hatte in der NS-Zeit Karriere gemacht und war wegen Ausbeutung von Zwangsarbeitern als Kriegsverbrecher verurteilt worden. Gezeigt werden sollen die Schlüsselwerke von Bruce Nauman, On Kawara, Sigmar Polke und Nam June Paik ab Herbst 2004 in einer Halle beim Hamburger Bahnhof.

Darüber hinaus soll, wie erst im November bekannt wurde, auch die berühmte Surrealisten-Sammlung des vor drei Jahren gestorbenen Sammlers Dieter Scharf nach Berlin gehen. Die 270 Werke, unter anderem Werke von Max Ernst, Rene Magritte und Gemälde von Dali, Miro, Paul Klee und Giorgio de Chirico, sollen allerdings erst ab 2005 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

"Der Auftrag" - "theatralischer" Leckerbissen

Neben all der Kunst stehen internationale Festivals auf dem Programm: Das "Verdi-Festival 2004" in der Deutschen Oper bringt unter anderem im Januar "La Traviata", "Ein Maskenball" und "Rigoletto" auf die Bühne. Die Staatsoper Unter den Linden veranstaltet vom 12. bis 28. Januar die 2Cadenza Barocktage". Zu einer Institution für zeitgenössische Musik ist die "MaerzMusik" geworden (18. bis 28. März).

Ein "theatralischer2 Leckerbissen versprechen Aufführungen von Heiner Müllers "Der Auftrag" ab 9. Januar im Haus der Berliner Festspiele zu werden. Der Schauspieler Ulrich Mühe führt bei dieser Inszenierung erstmals selbst Regie. Unter anderem werden Stars wie Udo Samel, Inge Keller, Herbert Knaup und Christiane Paul auf der Bühne stehen. Das Berliner Ensemble kann am 24. Mai George Taboris 90. Geburtstag feiern.

Love Parade, CSD und Rattle

In der Schaubühne wird mit Spannung die Uraufführung von Sasha Waltz neuem Werk "impromptus" im April erwartet. Und das Deutsche Theater zeigt im März 2004 Jean Genets "Die Zofen" mit Inge Keller, die kürzlich ihren 80. Geburtstag feierte. Daneben gibt es natürlich auch wieder das Theatertreffen (1. Mai bis 20. Mai).

Alljährlicher kultureller Höhepunkt ist die Berlinale. Vom 5. bis 15. Februar kommen zu den 54. Internationalen Filmfestspielen wieder viele Stars. Ebenfalls Promi-Höhepunkte werden wie jedes Jahr die Verleihungen der Goldenen Kamera (4. Februar) und des Echos (6. März). Weitere feste Institutionen sind der Karneval der Kulturen (28. bis 31. Mai), der Christopher Street Day (26. Juni), die Love Parade (10. Juli), das Classic Open Air (8. bis 13. Juli), das Festival "young.euro.classic" (6. bis 22. August) und der "Tanz im August" (12. bis 29. August).

Junge Kunstszene freut sich auf die "Art Forum"

Darüber hinaus leitet Sir Simon Rattle am 27. Juni das traditionelle Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne (27. Juni). Die Berliner Festwochen (2. bis 26. September) stehen unter dem Motto USA. Die junge Kunstszene freut sich dann auf die Kunstmesse Art Forum (ab 18. September).

Mit Spannung wird ab Mai der Auftritt der Blue Man Group aus den USA im Theater am Potsdamer Platz erwartet. Ihre Show verspricht eine Mischung aus Comedy, Artistik und Musik. Erstmals wird sich die Musikmesse PopKomm in der Hauptstadt präsentieren. Nach dem Weggang aus Köln will man sich in Berlin vom 29. September bis 1. Oktober zu einem der wichtigsten Fachmärkte in Europa entwickeln.

Holger Mehlig, AP