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Joop Swart Masterclass: Interview mit Oded Balilty

Oded Balilty wurde 1979 in Jerusalem, Israel, geboren. Er lernte sein Handwerk als Militär-Fotograf in der israelischen Armee und ist heute Mitglied der Fotoagentur Associated Press.

Hallo Oded, können Sie uns sagen, wie Sie zur Fotografie kamen?
Es war eigentlich schon sehr früh klar für mich, dass ich fotografieren möchte. Auf der Highschool hatten wir einen Fotografiekurs und ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal in meinem Leben durch den Sucher geschaut habe. Es war total interessant zu sehen, dass wir alle in der Klasse an dem gleichen Thema arbeiteten, doch jeder hatte andere

Fotos, hatten einen anderen eigenen Blick für die Sache. Das faszinierte mich sehr. Später ging ich zur Armee und wurde dort Militär-Fotograf. Das fand ich klasse, die Action und auch die Motive, die ich dort fand. Man kann sagen, das ich dort meine fotografische Ausbildung erhalten habe. Und von da an ging es immer weiter.
Verfolgen Sie mir ihrer Fotografie ein übergeordnetes Ziel?
Ich verstehe mich als puren Fotojournalisten und ich denke nicht, dass Bilder etwas ändern können. Ich wäre froh, wenn das so wäre, aber ich glaube nicht daran. Vielleicht haben die Fotos, die ich und meine Kollegen machen, einen Einfluss auf die Menschen, die sie sehen. Vielleicht denkt der eine oder andere auch ein wenig darüber nach, das wäre schön. Aber das ist nicht der Antrieb für meine Fotografie. Ich will als Augenzeuge dokumentieren und nicht meine Meinung äußern, ansonsten würde ich meine Bilder manipulieren.
Gibt es einen Moment oder eine Begegnung in Ihrer fotografischen Arbeit, der sie besonders berührt hat?
Ja, das gibt es. Ich war auf der Beerdigung eines 16-jährigen Jugendlichen in Israel, der bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam. Auf seinem Grab lag weinend seine Freundin und schrie: "Ich liebe dich." Wissen Sie, sie schrie das in meiner Sprache und ich war in diesem Moment so erschüttert, das ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Kamera weglegte. Ich glaube, wenn sie das in einer anderen Sprache, die ich auch verstehe, gesagt hätte, hätte mich das nicht so berührt. Aber es war meine Sprache und ich konnte so dermaßen mit ihr fühlen. Und überhaupt, er war vielleicht oder sehr wahrscheinlich ihre erste große Liebe. Wir alle wissen, wie schön und groß die erste Liebe ist. Diese so zu verlieren, fand ich fast noch schmerzhafter, als die Mutter zu verlieren. Und es war der Ausdruck in ihrem Gesicht, der mich dazu veranlasste, nicht zu fotografieren. Es ist manchmal wichtig, Augenblicke für sich zu haben und sie nicht zu dokumentieren. Ich brauche das, um mich als Mensch zu fühlen.
Könnten Sie sich vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen?
Nein, ich denke, ich werde bis an mein Lebensende Fotograf sein. Ich kann mir nichts anderes vorstellen.
Vielen Dank für das Gespräch

Oded balilty

Dirk Claus
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