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World-Press-Preis: Bilder, die bewegen

Er gilt als bedeutendster Fotowettbewerb der Welt. Eine internationale Jury wählte jetzt das Pressefoto des Jahres 2003 und prämierte zudem die besten Aufnahmen in zehn weiteren Kategorien.

Zärtlich streicht ein Vater über die Stirn seines kleinen Sohnes. Sie sitzen hinter Stacheldraht, dem Mann ist ein Plastiksack über den Kopf gestülpt worden - ein Bild der Liebe im Angesicht des Schreckens, prämiert als World Press Photo des Jahres 2003. Die auf den ersten Blick so einfache Aufnahme zeigt das ganze Grauen des Krieges im Irak, der im vergangenen Jahr die Schlagzeilen bestimmt hat. Es war so stark, dass am Ende des zweiwöchigen Auswahlprozesses aus mehr als 63 000 Bildern von knapp 4200 Fotografen das Bild von Jean-Marc Bouju ganz allein stand. Die Jury wählte es einstimmig, wie die Vorsitzende Elisabeth Biondi erzählt, Fotodirektorin beim amerikanischen Magazin "The New Yorker": "Dies ist kein Propaganda-Bild, für keine Seite. Denn wer die Bildunterschrift genau liest, erfährt, dass die Amerikaner für Vater und Sohn eine Ausnahme gemacht haben: Sie durften zusammenbleiben. Das Bild steht auch für einen Moment der Humanität in den Zeiten des Krieges."

Auch in diesem Jahr waren es wieder die Fotos von Zivilisten zwischen den Fronten, die am meisten berührten und entsetzten. Seien es die amputierten Fußballspieler in Sierra Leone oder die weinenden Angehörigen des Bürgerkriegsopfers in Indonesien.

Die Bilder erinnern. Zu schnell verschwinden heute Konflikte aus den Nachrichten. Dabei zerstören sie Menschenleben noch lange, nachdem das Morden beendet ist. Denn nicht jeder, der seinen Leib rettet, kann auch seine Seele retten. Besonders drastisch zeigen dies die Bilder der Fotografin Stephanie Sinclair. Sie fand in afghanischen Krankenhäusern Frauen, die sich selbst anzündeten. Oft haben sie Jahrzehnte der Gewalt und Unterdrückung überlebt und brechen nun unter dem Gewicht ihrer enttäuschten Hoffnungen im Frieden zusammen. So zündet sich eine Frau nach 13 Jahren gewalttätiger Ehe an, in die sie von Verwandten und Nachbarn immer wieder zurückgetrieben wurde. So wollte die 15-jährige Mariza ihrem Leben ein Ende setzen, als ein Kurzschluss den Fernseher ihres Mannes zerstörte. Sie fürchtete sich vor seiner Wut. Verheiratet mit acht Jahren, ist Mariza nie zur Schule gegangen, fühlt sich machtlos gegenüber einem Leben, das sie oft nicht versteht.

Sinclair will ihr Preisgeld für die Schwerstverbrannten-Stationen spenden. "Diese Geschichte zu fotografieren war herzzerreißend", sagt die Fotografin. "Aber es war mir wichtig, diese Frauen nicht mehr im Dunkeln zu lassen."

Der überwiegende Teil der eingereichten Bilder stammte in diesem Jahr aus dem Irak-Krieg.

Cornelia Fuchs
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