Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
- Alle zehn Minuten wird weltweit eine Frau oder ein Mädchen zum Opfer tödlicher Gewalt innerhalb der Beziehung der der Familie, schätzt die UN.
- 2024 wurden 83.000 Frauen weltweit umgebracht, in etwa 60 Prozent der Fälle war der Täter ein Familienmitglied oder der Partner.
- Mindestens alle vier Tage stirbt in Deutschland eine Frau, getötet vom Partner, Ex oder von einem Verehrer.
- 2025 wurden mindestens 88 Frauen von ihren Partnern, Ex-Partnern oder von Männern, die gern ihre Partner gewesen wären, getötet.
Das sind schockierende Zahlen. Und dennoch bleiben sie abstrakt, die Opfer zu oft unsichtbar. Eine große Recherche des stern ändert das jetzt.
Wenn Männer ihre Frauen töten – die Geschichten hinter den Zahlen
Wenn ein Verbrechen passiert, dann ist es ein häufiger Reflex, sich für die Täter zu interessieren: Was trieb sie an, was waren ihre Motive? Wir Journalisten geben diesem Reflex leider allzu oft nach.
Ein stern-Team um Johanna Wagner und Isabelle Zeiher geht jetzt einen anderen Weg. Meine Kolleginnen und Kollegen haben versucht, alle Partnerschaftstötungen des Jahres 2025 und ihre Hintergründe zu dokumentieren. Entstanden ist ein interaktiver Kalender, der die traurige Jahresbilanz visualisiert, Todestage dokumentiert – und die Fälle, die sich dahinter verbergen.
Entstanden sind außerdem viele bewegende Texte: Zehn Nachrufe erzählen die Geschichten der Opfer: Was wollten die getöteten Frauen anfangen mit ihrem Leben? Wovon träumten sie? Was machte sie wütend?
Eine exklusive Datenanalyse beleuchtet zudem Hintergründe. Und im stern-Interview steht Bundesjustiz Stefanie Hubig Rede und Antwort zum Thema.
Eine bemerkenswerte Recherche, die aufwühlt und wütend macht und traurig – aber auch Erkenntnisse liefert. Ich möchte Ihnen alle Artikel ans Herz legen, Sie finden sie gebündelt an dieser Stelle.
Meine Kolleginnen Johanna Wagner und Isabelle Zeiher, die das gesamte Projekt koordiniert haben, haben mir einige Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet:
Wie habt ihr recherchiert?
Johanna Wagner: Seit Januar 2025 haben wir im Team jeden Tag das Internet nach bestimmten Keywords abgescannt. Wir suchten nach Meldungen von Tötungen an Frauen – von Partnern, Ex-Partnern oder von Männern, die gern die Partner der Frau gewesen wären.
Isabelle Zeiher: Wir recherchierten die Hintergründe, kontaktierten Polizei, Gerichte und Staatsanwaltschaften, suchten nach Traueranzeigen. Und dann haben wir versucht, die Angehörigen zu erreichen.
Wie schwierig war die Recherche?
Isabelle Zeiher: Die Recherche war zeitlich sehr aufwendig. Eben, weil wir jeden Tag die Meldungen scannen mussten. Außerdem war durch die Aktualität der Fälle oft noch wenig bekannt. Wir mussten viele Telefonate führen, bis wir zum jeweiligen Fall mehr Infos von der Polizei oder Staatsanwaltschaft bekamen, um den Fall einordnen zu können.
Johanna Wagner: Gerade, weil die Taten nicht lange zurücklagen, war der Kontaktversuch zu den Angehörigen besonders heikel und wir mussten sehr sensibel vorgehen. Wir sind es als Journalistinnen gewöhnt, mit Menschen zu sprechen, die schwere Schicksalsschläge erlebt haben. Aber mit jemandem über den Verlust seiner Mutter, Tochter oder Freundin zu sprechen – die vielleicht erst vor einigen Wochen getötet wurde – das sind natürlich sehr emotionale Gespräche. Insbesondere dann, wenn der Tatverdächtige den Angehörigen nahestand.
Was hat euch am meisten bewegt?
Isabelle Zeiher: Fälle, bei denen Kinder im Spiel waren. Kinder, die nun damit leben müssen, dass ihr Vater ihre Mutter getötet hat, die nun ohne ihre Mutter aufwachsen müssen. Wie leben diese Kinder weiter?
Johanna Wagner: Nicht nur eines, sondern viele Leben wurden durch diese eine Tat zerstört. Das klingt wie eine Binse, bis man mit mehreren Leuten an einem Tisch sitzt, die alle um eine getötete Frau trauern – und die dann anfangen, all die anderen Menschen aufzuzählen, die mit ihnen leiden. Und das alles nur, weil sich ein Mann beispielsweise gekränkt fühlte.
Donald Trumps überraschende Kehrtwende
Der gestrige Tag wurde mit Spannung erwartet – und die gab es dann auch, Plot-Twists inklusive.
Erst teilte Donald Trump bei seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos aus: gegen die Europa (zerstört sich selbst, zu viel Einwanderung, zu viele Windräder), aber auch gegen die Nato (wäre nichts ohne die USA als Geldgeber). Dann bekräftigte er seine Grönland-Ansprüche, diesmal aber eher flehend: Das Einzige, was er im Gegenzug für das viele US-Geld wolle, sei doch nur dieses "große, schöne Stück Eis".
Am Abend dann die Überraschung: Nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte Trump, die Rahmenbedingungen "für ein zukünftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und die gesamte Arktisregion geschaffen", die neuen Strafzölle seien vom Tisch. Europa atmet auf – doch der Schaden ist angerichtet, analysiert meine Kollegin Leonie Scheuble hier.
In Davos bleibt es unterdessen spannend: Heute spricht Kanzler Merz. Wir halten Sie weiter im Liveblog auf dem Laufenden:
5-Minuten-Talk: Mercosur zunächst gestoppt: Hackt's bei den Grünen?
Im 5-Minuten-Talk geht es heute um eine Blamage im EU-Parlament: Das Freihandelsabkommen mit Lateinamerika tritt nur vorläufig in Kraft. Schuld daran sind neben Rechtsaußen-Parteien ausgerechnet: die Grünen.
Weitere aktuelle Schlagzeilen
Das passiert am Donnerstag, dem 22. Januar 2026
- Merz redet in Davos: Wie antwortet er auf Trump?
- Sondergipfel in Brüssel: EU berät über Beziehung zu den USA
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Husten zählt zu den häufigsten Gründen, zum Arzt oder in die Apotheke zu gehen. Künstliche Intelligenz hilft, die Geräusche richtig zu deuten und passende Therapien zu finden:
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Donnerstag!
Stefan Düsterhöft