Mit weiteren Zeugenaussagen und Detailarbeit wird der Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt fortgesetzt. Die Prozessbeteiligten nahmen am 24. Verhandlungstag Karten zu den einzelnen Standorten von rund 160 Betroffenen in Augenschein. Auch Bilder von der Wohnung des Angeklagten wurden gezeigt. Zu sehen waren Räume mit Kartons, Einkaufstaschen und Getränkekisten, Technik und Medikamenten. Kleidungsstücke hingen auf Bügeln an einer Türklinke und über einer Tür.
Zudem werden in dem Prozess weitere Betroffene gehört. Eine 74 Jahre alte Rentnerin beschrieb, wie der Anschlag ihr Leben und das ihres gleichaltrigen Mannes veränderte. Er habe eine schwere Kopfverletzung erlitten, ein Bein sei zertrümmert worden. Ihr Mann habe sein Kurzzeitgedächtnis verloren, brauche heute einen Rollator.
Dabei seien sie vor dem Anschlag vom 20. Dezember 2024 ein aktives Rentner-Paar gewesen, immer viel unterwegs mit Sport, Tanzen, Englisch-Kursen. "Mein Leben hat sich total verändert", sagte die 74-Jährige, die sich selbst mit einem Sprung zur Seite retten konnte. "Ich muss für meinen Mann da sein." Er habe Verlustängste, könne nicht mehr allein sein. Das alles sei schwer für sie zu akzeptieren. Wenn sie an die Tat denke, bekomme sie unheimliche Wut, sie spüre dann Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen.
Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg lenkte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen kurz vor Weihnachten einen PS-starken Mietwagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Die Anklage wirft Al-Abdulmohsen unter anderem sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor.
Der Prozess soll am kommenden Montag (23. März) fortgesetzt werden.