Man kennt die Konstanten des guten alten Murder Mysterys: Es geht um ein ausgefuchstes Mordrätsel, bei dem an einem abgeriegelten Ort nur eine kleine Schar Verdächtiger als Täter infrage kommen. Diese Verdächtigen sind eine Gruppe von "Typen" und Charakteren, die bewusst an Klischees angelehnt sind. Jüngst schlug mit dem dritten Teil der "Knives Out"-Reihe mit Daniel Craig als Ermittler und großem Star-Ensemble mal wieder ein Blockbuster des Genres bei Netflix ein. Während sich dort internationale Stars wie Glenn Close, Mila Kunis, Josh Brolin oder Josh O'Connor die Ehre geben, macht es Bastian Pastewka – auf Deutsch und bei Amazon – eine Nummer kleiner. Dennoch gilt auch bei "Fabian und Die mörderische Hochzeit" (ab Freitag, 6. Februar, bei Amazon Prime Video): Die oben genannten Konstanten müssen als Spielregeln gewahrt bleiben. Das Besondere ist: Der Kommissar (Pastewka) ist in diesem Film selbst ein Hochstapler. Hat er es als Betrüger auf die Beute des Mörders abgesehen?
Zum Inhalt: Das Krimitrio Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser schickt ein junges Brautpaar zum winterlichen Hochzeitfeiern auf das herrschaftliche, schlossartige Anwesen der Braut-Tante in Litauen. Als außergewöhnliches Hochzeitsgeschenk präsentiert sie eine rund 40.000 Jahre alte Venus-Statuette von unschätzbarem Wert. Die festliche Stimmung kippt, als einer der Hochzeits-Protagonisten ermordet wird und die kostbare Figur verschwindet.
Die Hochzeitsgesellschaft ist von der Außenwelt abgeschnitten. Ein heftiger Schneesturm macht die einzige Zufahrtsstraße unpassierbar. Zudem sind Telefonleitungen sabotiert und Mobilfunkverbindungen blockiert – Hilfe von außen ist also unmöglich. In diesem Moment schlägt die Stunde jenes flüchtigen Hochstaplers, der sich als Fotograf in die Gesellschaft eingeschlichen hat: "Fotograf" Fabian outet sich als Polizist und Ermittler. Wahrscheinlich ebenso eine Lüge, oder? Doch wem in diesem Ensemble kann man überhaupt trauen?
Genre-Parodie, die dennoch sämtliche Gesetze des Genres befolgt
Komiker Bastian Pastewka ist selbst glühender TV- und Krimi-Fan. Vor allem mit Klassikern des Genres kennt er sich beinahe wie ein Murder Mystery-Lehrstuhlinhaber aus. Pastewkas geballtes Wissen mit Schwerpunkt auf Hörspiel-Krimis präsentiert der 53-Jährige übrigens staffelweise seit 2020 im ARD-Podcast "Kein Mucks!".
Dass Pastewka nun mit diesem Murder Mystery, das zwar mit überzeichneten Figuren arbeitet, aber keineswegs der klassische Schenkelklopfer ist, um die Ecke kommt, ist folgerichtig. Pastewka kennt sämtliche Großmeister-Krimirätsel von Edgar Allan Poe über Agatha Christie bis Sir Arthur Conan Doyle aus dem Effeff. Für seine Genre-Parodie, die dennoch sämtliche Gesetze des Genres befolgt, hätte er gern noch eine Spur mehr bissigen Humor und Gaga-Absurdität einbauen dürfen, aber Fans des Genres dürften beim kurzweiligen Film mit "Verdächtigen" wie Tamara Romera Ginés, Barbara Philipp, Bernhard Schütz, Nicole Beutler und Lena Dörrie dennoch auf ihre Kosten kommen.