Hubert Fella verstand die Welt nicht mehr: "Die Nerven liegen blank", seufzte der 58-Jährige. Hat ihm womöglich ein Ranger gesteckt, dass das Büro der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel seine Anekdote nicht bestätigt hat? Fella hatte im Camp behauptet, er habe Angie einst in Bad Kissingen getroffen, wo sie ihm verraten habe, sie sei ein "Hot oder Schrott"-Fan: "Ihr versüßt mir den Sonntagabend." Die Geschichte packen wir getrost in die gleiche Schublade wie die des 2021-er Dschungelkönigs Filip Pavlović. Der hatte angeblich Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz in Hamburg ab und zu "in der Shisha-Bar" gesehen.
Aber zurück zu Hubert. Der Hotelfachmann aus Hammelburg überzeugte bislang in seiner Rolle als patenter Pritschen-Psychologe. Als solcher versorgt er bedürftige Mitbewohner stets mit offenem Ohr und harmlosen Kalenderweisheiten. Doch am neunten Tag im Camp fühlte sich der Ehemann von Reality-TV-Diva Matthias Mangiapane auf einmal wie einer der Käfer, der von Bauer Patrick Romer im Camp zertreten wurde: einfach nur platt.
"Ich bin die Heulsuse von Deutschland", geißelte sich Fella und beteuerte gegenüber Simone Ballack sogleich: "Dabei heule ich zuhause nie!" Erfahrene IBES-Zuschauer überraschte der plötzliche Gefühlseinbruch des Allestesters jedoch wenig. Ferndiagnose: latenter Lagerkoller. Behandlungsempfehlung: Gesprächstherapie ohne Wartezeit.
Alt versus jung
Und was eignet sich besser, um vom eigenen Elend abzulenken als sich am Elend der Anderen zu ergötzen? Eben! Passenderweise war Ex-Fußballergattin Simone Ballack gerade auch auf 180 und lederte direkt los: "Es kann schon sein, dass mein slowenisches Blut in Wallung gerät", raunte die 49-Jährige und schaute böse. Das Ziel ihrer Lästerattacke: die jungen Reality-Kandidaten im Camp.
Simone: "Die sind schon so ein bisschen unerzogen."
Hubert: "Die Jugend hat keinen Anstand und nix mehr!"
Simone: "Die machen ja alle nur dieses Reality, die machen ja nix Normales. ICH arbeite hart das ganze Jahr!"
Hubert: "Glaube ich!"
Simone: "Mit so Rotzgören musst du dich rumschlagen. Aber die brechen mich hier nicht!"
Hubert (zurück in der gewohnten Rolle des Pritschen-Psychologen): "Es wird alles gut, mein Simonchen!"
Und als hätte es noch einen weiteren Beleg für die These "Das R in Reality steht für Rotzgöre" gebraucht, wachte Camp-Küken Ariel nach einem herrlichen Morgen ohne Prüfung auf und brachte mit einer Frage binnen Sekunden das ganze Weltbild der Alten zum Wackeln. "Eine Frage: Ist die Erde flach oder rund?", gab die 22-Jährige die Flat Eartherin und erntete allenthalben entsetze Blicke. Mirja du Mont: "Ich verstehe die Frage nicht. Hast du schon mal einen Globus gesehen?" Eva kopfschüttelnd: "Das ist ein schlechter Scherz von Dir?" Hubert: "Will die uns verarschen? Die Blondierung hat sich durchgefressen …"
Dann offenbarte Ariel ihre Quelle: TikTok. Für die Älteren schwer zu begreifen, aber damit steht die 22-Jährige innerhalb ihrer Altersgruppe nun wirklich nicht allein da. Laut Ariel war Neil Armstrong auch nie auf dem Mond. Hardy Krüger junior fasste die Diskussion fatalistisch zusammen: "Wer braucht schon Schule, wenn es TikTok gibt?"
Blödheit oder Taktik?
Doch dann kamen dem Schauspieler Zweifel: Könnte es vielleicht sein, dass Ariel ihre Aluhut-Theorien mit voller Absicht und wider besseren Wissens platziert hat? "Jetzt hat sie wieder die totale Aufmerksamkeit", überlegte er. Stephen Dürr war sich unsicher, ob die Aktion Taktik oder doch nur Dummheit war: "Aufmerksamkeit zu haben und dann wie ein Vollpfosten dazustehen, ist auch nicht so toll", sagte er. Leider hatte niemand ein Kissen dabei, auf dem der Spruch "Stop making stupid people famous!" aufgedruckt war.
Wie hart die Realität sein kann, erlebte Kuppelshow-Teilnehmer Umut Tekin dann bei der Dschungelprüfung am eigenen Leib. Gemeinsam mit Samira, Patrick, Simone, Stephen und Mirja musste er, von Mehlwürmer, grünen Ameisen und Kakerlaken beregnet, Sterne zusammen puzzeln – und war mit der Aufgabe heillos überfordert. "Wir sind gef...t!", stöhnte der 28-Jährige schon zu Beginn. "Oh mein Gott, das tut weh! Die beißen meinen Arsch!", schrie und wimmerte er in einem fort, seinen Augen quollen hinter der obligatorischen Schutzbrille fast über.
Die harte Arbeiterin Simone Ballack erledigte derweil als Einzige die Aufgabe ohne Murren. Während Umut jammerte und Mirja am Puzzle verzweifelte, triumphierte die 49-Jährige und war lange vor der Zeit fertig: "Mir ist langweilig", sagte sie. Die zwei erspielten Sterne gingen allein auf ihr Konto.
Umut Tekin fliegt aus dem Dschungelcamp
Dass Umut nach seiner völlig vergeigten Prüfung noch stolz von sich behauptete: "Ich bin über mich hinaus gewachsen" entbehrte nicht einer gewissen Komik. "Niemand versteht meinen Humor" ist doch bereits das Mantra von Stephen Dürr. Die am Vortag raus geflogene Camperin Nicole Belstler-Boettcher hatte Umut am nächtlichen Lager zuvor zurechtgestutzt, nannte ihn einen "kleinen Jungen", der "emotional etwas unausgereift" sei und fragte übernächtigt: "Boah, wer soll es mit dir aushalten?"
Die Dschungelcamp-Zuschauer wollten das nicht mehr, sie schickten Tekin an Tag neun nachhause. Der Ravensburger reagierte relativ überrumpelt über seinen Rauswurf: "Es kommt mir gerade vor wie ein falscher Traum!", sagte er.
Fest im Sattel sitzt hingegen weiter Aufrührerin Ariel. Ihr Satz "Ich habe noch ein bisschen was vor, das war erst der Anfang" klang fast wie eine Drohung. Eine Kostprobe dessen, was die streitlustige Schweizerin noch alles vorhat, gab sie an kurz vor Schluss schon einmal: Den 35 Jahre älteren Hardy Krüger junior kanzelte sie als "Mann ohne eigene Meinung" ab. Für Bauer Patrick Romer, der sich mit Eva Benetatou ihrer Meinung nach ein bisschen zu gut versteht, kam es noch dicker: "Wenn hier keine Kameras wären, hätte er sie schon längst gebu...t!", behauptete Ariel ketzerisch.
Das war dann wirklich nur noch zum Heulen.