Kämpfende Stachelschweine sollen es gewesen sein, die es den frühen Menschen wert erschienen, an den Wänden ihrer Kalksteinhöhlen für die Ewigkeit festgehalten zu werden. Galten bisher die Malereien in den südfranzösischen Höhlen von Lascaux (Entdeckung 1940) und Chavaux mit ihrem Alter von 18.000 und 36.000 Jahren als Rekordhalter, so konnten jüngst australische Forscher auf der indonesischen Insel Sulawesi dank neuer Isotopen-Forschung dortige Höhlenmalereien noch einmal fast 30.000 Jahre weiter zurückdatieren. Die ARTE-Dokumentation "Sulawesi – Am Anfang war die Höhlenmalerei" (Erstsendung) begleitet die Wissenschaftler bei ihren Entdeckungen in einer traumhaften Gegend.
Offensichtlich "reiste" der Homo sapiens vor langer Zeit von Afrika aus nicht nur nach Europa, sondern eben auch nach Asien und von dort nach Australien und Indonesien – die Eiszeit mit ihren niedrigen Wasserständen machte es möglich. Doch keine Angst: Mit den frühen Kunstwerken von Lascaux halten die Felszeichnungen in den bizarren Felsenregionen des indonesischen Dschungels keineswegs mit. Zu sehen sind mit viel Fantasie kämpfende Wildschweine mit aufgerissenen Mäulern und aufgestellten Nackenhaaren – immerhin.
Nicht die Kunstgeschichte muss also neu geschrieben werden, wohl aber die Kulturgeschichte der Menschheit. Selbst Hollywood-Produzenten könnten neidisch werden, wenn sie die (noch) spekulativen Geschichten der Urmenschen hören. Von Menschen, die sich täglich häuten, ist da die Rede, die erst sterblich wurden, als sie bei diesem Treiben ertappt wurden. Dass der Schlangenwurm mit dem Tod schlechthin identifiziert wurde, erscheint da vergleichsweise banal. Doch wann genau begann die figurative Malerei und aus welchem Grund? Neueste Forschungsmethoden erzeugen da Kopfzerbrechen und lassen befürchten, dass die Jagd auf Altersrekorde noch längst nicht abgeschlossen ist.
Sulawesi – Am Anfang war die Höhlenmalerei – Sa. 18.04. – ARTE: 21.40 Uhr