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Bestsellerautorin: Was macht eigentlich "Die weiße Massai"-Autorin Corinne Hofmann?

1998 erschien ihr Bestseller "Die weiße Massai" – über die Liebesgeschichte mit einem kenianischen Samburu-Krieger. Heute lebt Corinne Hoffmann wieder in Europa, nach Afrika zieht es sie nicht mehr.

"Die weiße Massai"-Autorin: Was macht Corinne Hoffmann heute?

Corinne Hofmann, 59, bekannt durch ihren Welt-Bestseller "Die weiße Massai", zu Hause am Luganer See in der Schweiz

Mit 26 verliebten Sie sich während eines Kenia-Urlaubs 1986 so heftig in den Samburu-Krieger Lketinga, dass Sie die Schweiz verließen, um mit ihm bei seinem Stamm in einem Dorf etwa 450 Kilometer von Nairobi entfernt zu leben. Hat es Sie jemals wieder derartig erwischt?

Ja, vor zwei Jahren – nach fast 15 Jahren als Single. Eine unglaubliche Geschichte: Ich lebe am Luganer See und hatte an jenem Tag plötzlich das Gefühl, unbedingt wandern zu müssen. Das war fast schon wie ein Zwang. Wie magisch zog es mich zu einem Bergsee. Dort stand ein großer Mann und spielte mit seinem Hund. Um ihn nicht zu erschrecken, rief ich "Buongiorno!“ Als er sich umdrehte, haute es mich um.

Hört sich nach dem Beginn einer film­reifen Romanze an.

So ist es. Dario erzählte, dass er Haupt­adjutant bei den Grenadieren ist, einer Eliteeinheit des Militärs, und in einem Steinhäuschen in den Bergen lebt. Das beeindruckte mich. Ich versprach, ihn zu besuchen, doch sein Haus lag so versteckt im Wald, dass ich es nicht fand. Erst 14 Tage später kam ich auf die Idee, ihn bei Facebook zu suchen. Zum Glück hatte er ein Profil. Ich mailte ihm, dass er sich bestimmt an mich erinnert. Er antwortete sofort: "Unser Treffen ist mir täglich präsent!“

Stoff für einen neuen Liebesroman. Hat Ihr Verlag schon Interesse angemeldet?

Ja, die sagten sofort, keine Rechte ver­kaufen ohne uns. Momentan verspüre ich aber keine Lust, zu schreiben.

Sie waren früher aber ja sehr erfolgreich: "Die weiße Massai" verkaufte sich über vier Millionen Mal und kam 2005 mit Nina Hoss in der Hauptrolle sogar ins Kino.

Aber dann müsste ich auch wieder eine ­Lesetour machen, damit möglichst viele Menschen auf das Buch aufmerksam werden. Das möchte ich momentan nicht, das habe ich 20 Jahre lang gemacht, immer wieder erzählt, wie ich Lketinga auf einer Fähre kennenlernte und so von ihm fasziniert war, dass ich später mit ihm ohne Wasser und Strom in einer mit Kuhdung verputzten Manyatta lebte. Gewaschen habe ich mich im Fluss und von dort auch 20-Liter-Kanister mit Wasser nach Hause geschleppt. Es war ein Überlebenskampf.

1989 kam Ihre Tochter Napirai zur Welt. Als sie 18 Monate alt war, verließen Sie Lketinga und kehrten in die Schweiz ­zurück. Warum?

Ich fühlte mich bedroht, denn er war extrem eifersüchtig und trank zu viel. Außerdem erkrankte ich an Hepatitis und Malaria, wog schließlich bei 1,80 Meter nur noch 49 Kilo. Die Ärzte meinten, die nächste ­Malaria würde ich nicht überleben. Bei meiner Heimkehr war ich so ausgemergelt, dass meine Mutter mich am Flughafen nicht erkannte.

Zieht es Sie heute noch nach Afrika?

Momentan nicht. Ich war mit meiner Tochter zweimal dort, um ihren Vater zu besuchen. Er ist wieder verheiratet und hat mindestens fünf weitere Kinder, so genau weiß ich das aber nicht. Er kann nicht schreiben und schickt nur ab und an Fotos per Whatsapp. Nach wie vor unterstütze ich ihn aber finanziell. Das ist mir wichtig, denn er ist der Vater meines Kindes.

Wenn Sie momentan nicht schreiben: Womit beschäftigen Sie sich sonst?

Ich vermiete in meinem Haus zwei Ferienwohnungen. Über Airbnb kann man mein sonniges "Paradies" buchen. Ich hatte schon Besucher aus der ganzen Welt, und es sind tolle Freundschaften entstanden. Ich liebe es, Gastgeberin zu sein.

Interview: Sabine Hoffmann
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