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Autorin: Angelique: Im Reich von Rüschen-Erotik und Intrigen

Die Abenteurerin Angelique brachte viele Fans zum Träumen, ihre wilden Liebes-Exkapaden provozierten die Moral der 60er Jahre. Jetzt wird die Star-Autorin Anne Golon 75.

Das schöne Mädchen muss einen hinkenden und unattraktiven Mann heiraten, um Königin des Schattens und des Lichts zu werden. Die junge Frau heißt Angélique de Sancé und verdankt ihre Existenz der schriftstellerischen Begabung von Anne Golon. In 14 Bänden hat die Heldin mit den blaugrünen Augen Adlige, Diebe und Stallburschen verführt. Der literarische Siegeszug begann vor mehr als 45 Jahren und hält auch heute noch an. Die «Unbezähmbare Angélique» von 1961 wurde in Frankreich erst dieses Jahr wieder neu aufgelegt. Am Donnerstag (19. Dezember) feiert die Autorin des Fortsetzungsromans ihren 75. Geburtstag.

Die bisher veröffentlichten, je rund 500 Seiten starken Geschichten einer umtriebigen Baronesse aus der französischen Provinz Poitou wurden in 30 Sprachen übersetzt. Bereits in den 70er Jahren erreichten die Romane um Intrigen und Verschwörungen, Hofkabalen und Liebesaffären im Frankreich des Sonnenkönigs eine Auflage von 80 Millionen Exemplare. Auf dem Klappentext von «Angélique und die Verschwörung» aus dem Jahr 1976 ist zu lesen: «Fünfundsechzig Millionen Leser lieben Angélique. Es gibt keine Romanheldin, die berühmter ist, als die schöne Aristokratin aus dem Frankreich des Sonnenkönigs.»

Unter ihrem Mädchennamen Simone Changeux arbeitete die in Toulon geborene Tochter eines Marineoffiziers zunächst als Journalistin. Im Kongo traf sie bei einer Reportagereise auf den 20 Jahre älteren Serge Golonbinoff, einen in Teheran aufgewachsenen französischen Mineningenieur russischer Abstammung. Als Autorenteam Anne und Serge Golon verfassten sie zunächst eine Tiergeschichte und erfanden dann, auf Rat eines Verlegers, die Frauenfigur Angélique. Doch bevor Anne Golon das abenteuerliche Leben der schönen Heldin mit täglich 20 gründlich in den Bibliotheken des Versailler Schlosses recherchiert und annähernd 200 Fachbücher gelesen, um historische Irrtümer auszuschließen.

Die junge Frau, die in «Angélique und der König» die Favoritin des Sonnenkönigs Ludwig XIV. war, und in «Angélique, die Rebellin» eine Aufrührerin gegen den König, brachte viele Fans zum Träumen. Gleichzeitig riefen ihre wilden Abenteuer heftige Kritik hervor. Da die Beschreibungen von Liebesszenen alles andere als prüde sind, wirkten sie in den 60er Jahren besonders provozierend. So reagierte die Fachkritik mit Zurückhaltung auf die ersten Romanerfolge. «Der Erfolg Anne Golons resultiert aus einem Zusammenspiel von ausschweifender Fantasie, Fleiß, dubiosem Geschmack, Fabuliertalent und branchenkundiger Kalkulation», schrieb damals das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Andere hingegen verglichen Golon mit Hedwig Courts-Mahler, der «Königin des Kitschromans», oder bezeichneten sie als weiblichen Karl May.

Fünf «Angélique»-Filme mit der Südfranzösin Michèle Mercier in der Hauptrolle wurden gedreht, in Japan entstand zur «Angélique»- Thematik eine Oper, und in Russland wurden von dem zuletzt veröffentlichte Roman aus dem Jahr 1997 «Angélique und das Königreich Frankreich» 12 Millionen Exemplare verkauft. Seitdem ist es um die Herz- und Schmerz-Autorin ruhig geworden, die in der Nähe von Paris lebt - nicht weit von den Lichtern Versailles entfernt.

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