FCAS
Merz stellt Zusammenarbeit mit Frankreich bei Luftkampfsystem infrage

Merz hat sich skeptisch zur Realisierung des von Deutschland, Frankreich und Spanien geplanten Rüstungsprojekts FCAS geäußert
Bundeskanzler Merz (l.) hat sich skeptisch zur Realisierung des von Deutschland, Frankreich und Spanien geplanten Rüstungsprojekts FCAS geäußert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält offiziell an dem Vorhaben fest.
© Ebrahim Noroozi / DPA
Zweimal ist die Entscheidung über das Luftkampfsystem FCAS schon verschoben worden. Jetzt stellt der Kanzler es mit so deutlichen Worten infrage wie nie zuvor.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich skeptisch zur Realisierung des von Deutschland, Frankreich und Spanien seit Langem geplanten Rüstungsprojekts FCAS geäußert. „Wir haben ein echtes Problem im Anforderungsprofil. Und wenn wir das nicht lösen können, dann können wir das Projekt nicht aufrechterhalten“, sagte Merz dem Podcast Machtwechsel. 

FCAS steht für „Future Combat Air System“ und wäre bei einer Realisierung das größte und teuerste europäische Rüstungsprojekt. Die Gesamtkosten werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Das Luftkampfsystem soll im Verbund mit unbewaffneten und bewaffneten Drohnen fliegen und ist insofern mehr als ein Kampfflugzeug. Der Plan ist, dass es den von der Bundeswehr genutzten Eurofighter und auch die französische Rafale ab 2040 ablöst.

Unterschiedliche Vorstellungen von FCAS

Laut Merz ist das Problem, dass die Franzosen ein anderes Kampfflugzeug brauchen als die Bundeswehr. „Ganz konkret: Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation der Kampfflugzeuge ein atomwaffenfähiges und ein flugzeugträgerfähiges Flugzeug. Das brauchen wir in der deutschen Bundeswehr gegenwärtig nicht.“ 

Nun stelle sich die Frage, ob FCAS mit zwei Flugzeugen realisiert werden könne. „Frankreich möchte nur eins bauen und möchte es praktisch auf die Spezifikation ausrichten, die Frankreich braucht. Das ist aber nicht die, die wir brauchen“, sagte Merz. Er brachte die Option ins Spiel, ein neues Kampfflugzeug mit Spanien und anderen Ländern zu bauen. 

Die Entscheidung über FCAS ist bereits zweimal verschoben worden. Nun soll sie bis Ende Februar fallen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält offiziell an dem Vorhaben fest. „FCAS ist der Jet der Zukunft. Wir brauchen ein solches Flugzeug“, sagte er in einem vergangene Woche veröffentlichten Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Er meine, „dass die Dinge vorangehen müssen“. 

Berlin zeigte sich zurückhaltender. Merz hatte Ende Januar gesagt, es werde „in jedem Falle gemeinsame Systeme“ mit Frankreich geben. Inwiefern auch „gemeinsame Flugzeuge“ entwickelt und gebaut würden, werde noch besprochen. Der französische Dassault-Konzern beansprucht bei FCAS eine Führungsrolle, was bei dem deutschen Industriepartner auf Kritik stößt.

DPA · AFP
km