HOME

Fiktion und Wirklichkeit: 2016 schrieb er einen Roman über eine Corona-Pandemie - das sagt der Autor zur aktuellen Krise

In Deon Meyers Krimi "Fever" von 2016 löschte ein Coronavirus 95 Prozent der Weltbevölkerung aus. Das sagt der Autor über unheimliche Parallelen und Hoffnung stiftende Unterschiede zur aktuellen Wirklichkeit.

Deon Meyer

Der südafrikanische Schriftsteller Deon Meyer 2015 auf dem internationalen Literaturfest Lit.Cologne

Picture Alliance

Der südafrikanische Krimi-Autor Deon Meyer findet nach eigenen Worten "keinen Gefallen" an den Parallelen zwischen seinem Science-Fiction-Thriller "Fever" und der derzeitigen Coronavirus-Pandemie. "Ich denke ständig an das Leiden der tausenden Menschen, die ihre Liebsten oder ihren Arbeitsplatz verloren haben, und die in Angst leben", sagte Meyer in einem Telefon-Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

In seinem Roman "Fever" aus dem Jahr 2016 erzählt Meyer die Geschichte zweier Überlebender einer Coronavirus-Pandemie, die 95 Prozent der Weltbevölkerung ausgelöscht hat. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Krise wirken die Parallelen zu Meyers Thriller verstörend: In dem Buch überträgt sich ein Coronavirus von einer Fledermaus auf den Menschen und breitet sich in rasanter Geschwindigkeit über den ganzen Erdball aus. Als eine der ersten Maßnahmen schließen zahlreiche Regierungen ihre Grenzen.

"Fever" sei durch die "Anhäufung vieler verschiedener Gefühle und Sorgen", die er empfunden habe, entstanden, sagte Meyer. Er habe immer mehr über die globale Erderwärmung und Virus-Erkrankungen wie Ebola, die Vogelgrippe und die Schweinegrippe gelesen. "Ich konnte nicht anders als zu denken, dass wir in einer Welt leben, in der eine Apokalypse möglich wäre", sagte Meyer.

Literarische Apokalypse

Während eines Fluges von New York nach Kapstadt sei ihm die Idee für die Handlung von "Fever" gekommen, sagte der ehemalige Journalist. Bei seinen Recherchen habe er mit zwei Virologen gesprochen, die ihm als Auslöser-Erreger für die von ihm erdachte Pandemie ein Coronavirus empfohlen hätten. "Sie haben mir detailliert beschrieben, was passieren könnte", sagte Meyer.     

In "Fever" gerät die Welt an den Rand der Apokalypse. Die Krisenpläne der Regierungen funktionieren nicht - im Gegensatz zur Wirklichkeit, wie Meyer betonte. Die meisten Regierungen weltweit handelten auf der Grundlage "guter wissenschaftlicher Empfehlungen", sagte Meyer. US-Präsident Donald Trump bezeichnet er als "eine der wenigen Ausnahmen".    

Doch auch die Folgen möglicherweise monatelanger Ausgangssperren bereiten Meyer Sorgen. Er frage sich, wie lange Menschen in der Lage sein werden, das übergeordnete Wohl über ihr persönliches Wohl zu stellen. Zugleich seien die auch in Südafrika geltenden Ausgangsbeschränkungen für ihn zur Inspirationsquelle geworden, sagte Meyer. Sein nächstes Buchprojekt werde ein Krimi sein - "angesiedelt in Zeiten der Ausgangssperre".

bak / AFP
Themen in diesem Artikel