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Gerald Donovan Düster, böse, kalt


Heitere Unterhaltung bietet Gerard Donovans Roman "Ein bitterkalter Nachmittag" nicht gerade. Der in New York lebende Ire entwirft ein zutiefst pessimistisches Bild von den Menschen und ihrer Brutalität.
Von Dirk Benninghoff

Iren gelten als lebenslustiger Haufen, dem ein frisches Pint schon zum Glück genügt. Die Wirtschaftskrise wird das nicht ändern, da haben die Iren schon Schlimmeres erlebt. In den Büchern von Gerard Donovan jedoch findet sich von Lebensfreude keine Spur. Einsamkeit, Kälte, Tod und vergängliches Glück haben es dem Wahlamerikaner angetan. Nach dem furiosen und schrecklich traurigen "Winter in Maine", das im vergangenen Jahr auf Deutsch herauskam, ist jetzt sein Erstling "Ein bitterkalter Nachmittag" bei uns erschienen.

Zwei Männer stehen irgendwo in Europa, zu irgendeiner Zeit, in irgendeinem Krieg an einem noch auszuhebenden Massengrab. Einer ist Bäcker, der andere Lehrer. Und einer von ihnen wird sterben, das ist klar. Bis es soweit ist, führen beide aberwitzige Gespräche über blutrünstige Geschichte, Bildung, Liebe und Tod. Wer ist Opfer, wer Täter? Zunächst erscheint die Lage klar.

Menschen in Zeiten des Krieges

Es ist bitterkalt, und es gibt wirklich nichts, an dem sich der Leser erwärmen könnte. Dunkles und Kaltes ist Donovans Sache, er sollte nie über heitere Dinge schreiben, nie aus sonnigen Gefilden berichten. Einsamkeit und Todesangst und Mitleid sind das emotionale Terrain des Iren. Donovans Botschaft ist böse, die ganze Geschichte hoffnungslos und düster - und erneut hervorragend.


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