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LEXIKON DER KNASTSPRACHE: Wenn der »Arschbackendjango« wieder »eindost«

Was hat der »Jenseitsinspektor« dem »Sittenpfiffi« mitzuteilen? Im »Lexikon der Knastsprache« hat ein Würzburger Richter die skurrilsten und wichtigsten Begriffe aus dem Alltag deutscher Gefängnisse zusammen getragen.

Nicht jeder wird gleich verstehen, was Sache ist, wenn der »Jenseitsinspektor« mit dem »Sittenpfiffi« spricht. Des Rätsels Lösung, nämlich ein Gespräch zwischen dem Gefängnispfarrer und einem Sexualstraftäter, enthält das »Lexikon der Knastsprache - Von Affenkotelett bis Zweidrittelgeier«, das jetzt ein Würzburger Richter und Strafrechtsprofessor zusammengestellt hat. Und wenn ein »Arschbackendjango« einen »Gestrauchelten eindost«, dann sperrt der Vollzugsbedienstete einen Häftling hinter Schloss und Riegel.

Aus dem Alltag deutscher Gefängnisse

Von A bis Z listet Klaus Laubenthal die skurrilsten, interessantesten und wichtigsten Begriffe aus dem Alltag deutscher

Gefängnisse auf. Herausgekommen ist laut Verlag ein Wörterbuch, mit dem erstmals eine möglichst umfassende, allgemein zugängliche und aktuelle Wortsammlung zum Jargon von Gefangenen vorliegt. So kann dort auch nachgelesen werden, dass sich »Gittermäuse« gelegentlich »Sargnägel und Fensterkitt einpfeifen«, also weibliche Häftlinge Karotten und Kartoffelpüree essen.

Die etwa 60.000 Inhaftierten, die zurzeit in über 200 deutschen Justizvollzugsanstalten »ihren Kessel abmachen«, bilden eine

weitgehend in sich geschlossene Sprachgemeinschaft, betonte der Verlag zu der Neuerscheinung. Die Gefangenen hätten sich im Lauf der Jahre ihre eigene Sprache kreiert, um sich von der Außenwelt abzuschotten und möchten auch gar nicht verstanden werden.

Rotwelsch ist die alte Gaunersprache

Die »knasttypischen« Ausdrücke leiteten sich teilweise von der alten deutschen Gaunersprache, dem Rotwelschen, her. Vor allem kam der Zufluss von Gruppen, die innerhalb der Strafanstalten dominierten oder dominieren: Zuhälter und Prostituierte, Nichtsesshafte, jugendliche Randgruppen und die Drogenszene.

Wilfried Mommert, dpa

Klaus Laubenthal: Lexikon der Knastsprache - Von Affenkotelett bis Zweidrittelgeier

Lexikon Imprint Verlag, Berlin; 224 Seiten, DM 19,80