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Reaktionen: "Mut und Radikalität"

Die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an die österreichische Autorin Elfriede Jelinek hat bei vielen Zustimmung und Überraschung ausgelöst.

"Ich bin begeistert über die unerwartete Entscheidung des Nobelpreiskomitees. Jelineks Texte sind ein Sprachereignis, eine andauernde Herausforderung und eine gnadenlose Zumutung - im wahrhaftigsten Sinne."

(Kulturstaatsministerin Christina Weiss)

"Sie ist eine Autorin, die mit ihrem Zorn und mit Leidenschaft ihre Leser in den Grundfesten erschüttert."

(Der Sprecher der Schwedischen Akademie, der Stockholmer Publizist Per Wästberg)

Ihre Texte sind keine Beruhigungstabletten. Jelinek will benutzt und nicht verehrt werden, dafür wird sie jetzt belohnt. (...) Das ist eine Belohnung dafür, dass sie sich die Freiheit nimmt, das Absurde im System zu attackieren, ohne sich als Märtyrerin zu sehen, sondern vielmehr als Katalysatorin. Ich sehe in ihrer Arbeit auch eine stete Aufforderung zur eigenen Autonomie, die für viele unerträglich ist.

(Der Berliner Regisseur Christoph Schlingensief, der zuletzt im Dezember 2003 mit Jelinek bei der Uraufführung ihres Stückes "Bambiland" am Wiener Burgtheater zusammenarbeitete.)

"Erstens: sehr überrascht, zweitens: sehr verdient und drittens: für die Österreicher ein schwerer Schock - sie werden jetzt anfangen, sie zu lesen."

(Michael Naumann, Ex-Rowohlt-Verleger, früherer Kulturstaatsminister und jetziger "Zeit"-Herausgeber)

"Meine Bewunderung für ihr Werk hält sich in Grenzen. Meine Sympathie für ihren Mut, ihre Radikalität, ihre Entschlossenheit und ihre Wut ist enorm. (...) Jelinek ist eine äußerst extreme und radikale Schriftstellerin."

(Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki)

"Das ist eine fantastische Entscheidung und eine Riesenüberraschung. Ich bin sicher, dass sie von der Nachricht genauso überwältigt ist wie ich."

(Jelineks Lektor vom Berlin Verlag, Delf Schmidt, der im Oktober 2000 zusammen mit Jelinek vom Rowohlt Verlag zum Berlin Verlag wechselte.)

"Da hat man sich für eine Autorin entschieden, die sich vom Literaturbetrieb nicht hat vereinnahmen lassen. Sie ist auf jeden Fall ein Mensch mit einer eindeutigen Haltung."

(Der Sprecher des Berlin Verlags, Carsten Sommerfeld)

"Ich empfinde große Freude über den Preis für Elfriede Jelinek, die eine unerhörte Sprache und ein völlig eigenwilliger Stil auszeichnet."

(Rowohlt-Verleger Alexander Fest)

"Wir freuen uns riesig, zumal es ja auch sehr überraschend kam. Ich schätze sie nicht nur als Dramatikerin, Elfriede Jelinek hat auch wunderbare Romane geschrieben. Diese Ehre gewinnt umso mehr an Bedeutung, weil sie sehr zurückgezogen lebt und in Österreich immer um Akzeptanz gekämpft hat."

(Frank Baumbauer, Intendant der Münchner Kammerspiele)

DPA / DPA
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