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"Oh je, Du Fröhliche!": Zwischen Spielplatz und Kinderknast

Vor zwei Jahren geisterte Tom Hanks in "Terminal" auf dem Flughafen umher. Nun steckt vor Weihnachten eine Rasselbande fest und bringt mit ihrem Schabernack den Flughafendirektor in die Bredouille. Für Kinder eine Gaudi, für Erwachsene eine Geduldsprobe.

"Minderjährige ohne Erwachsenenbegleitung" heißen im Bürokraten-Vokabular jene armen Würmchen, die sich ohne Eltern auf hektischen Flughäfen zurechtfinden müssen. In der am 14. Dezember anlaufenden Weihnachtskomödie "O je, Du Fröhliche!" stranden wegen eines Schneesturms Dutzende von Kindern, die auf dem Weg zum jeweiligen geschiedenen Elternteil sind, in einem Flughafen mitten in der Pampa.

Die Angestellten parken die Kleinen in einer riesigen fensterlosen Halle und überlassen die Rasselbande sich selbst. Eine Handvoll älterer Kinder, auf der Suche nach einer funktionierenden Toilette, schafft es aber, zu entwischen und verlustiert sich hemmungslos in den Boutiquen, Restaurants und Werkstätten des Flughafens. Das erbost den grantigen Airport-Manager Oliver derart, dass er die fünf, nachdem er sie wieder eingesammelt hat, weiter in der unwirtlichen Betonhalle schmoren lassen will.

Turbulente Verfolgungsjagden mit dem Sicherheitspersonal

Mittlerweile sind nämlich alle anderen Kinder im Hotel untergebracht worden - darunter auch Katherine, die zimperliche kleine Schwester von Spencer. Die fünf verbünden sich und liefern sich mit dem Sicherheitspersonal turbulente Verfolgungsjagden, um zum Hotel zu gelangen. Die früh pubertierenden Hauptdarsteller sind alte TV-Hasen und veredeln ihre formelhaften Rollen mit Witz und Charme.

Zum knackigen Beginn wird jeder Charakter mit seinem jeweiligen Weihnachts-Trauma vorgestellt: die raubauzige Donna aus der Wohnwagensiedlung boxt den Weihnachtsmann k.o., und der hyperintelligente Charlie fällt bei dessen Anblick in Ohnmacht. Grace ist eine verwöhnte kleine Tussi, Timothy ein Riesenbaby, das nur mit seinen Plastik-Supermannfiguren kommuniziert; angeführt wird die quirlige Truppe vom vernünftigen Spencer, der sich in Grace verguckt. Und wenn sie Oliver austricksen, herrscht eine Stimmung wie auf dem Abenteuerspielplatz.

Mit Ach und Krach zum Happy-End

Aber nicht erst, wenn der im Koffer versteckte Charlie auf dem Gepäckband Achterbahn fährt, empfindet der erwachsene Zuschauer Mitgefühl mit den harmlos-netten Gören. Vollends befremdet der biestige Aufseher, der sie in Einzelhaft nimmt und daran hindern will, den Anschlussflug zu erreichen - schlichte Freiheitsberaubung, die indes ohne Folgen bleibt.

Doch wer nun glaubt, dass auf amerikanischen Flughäfen martialische Vorschriften die Sicherheit garantieren, dem wird der vorgeführte Schlendrian dumpfbackiger Aufpasser gelinde Gänsehaut verursachen. In einer launigen Nebenhandlung will Spencers ökobewusster Papa seine Kinder mit dem Bio-Diesel-Auto abholen, muss sich auf der 1.000-Kilometerstrecke aber zwischen Kindesliebe und Klima-Sünde in Form eines Benzin fressenden Jeeps entscheiden. Doch die Mischung aus zaghafter Satire, Scheidungskinder-Problematik und brachialem Slapstick wirkt zunehmend unausgegoren - und das erlösende Happy-End unterm Christbaum kommt nur mit Ach und Krach zustande. Die Adressaten der Komödie werden die Scharmützel mit den Erwachsenen mögen - zuschauende Eltern aber packt beim Anblick des Flughafen-Kinderknastes das Grausen.

Birgit Roschy/AP / AP
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