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»TIME MACHINE«: Einmal Zukunft und zurück

Die Zeitreise beginnt im tief verschneiten New York von 1899 und endet in der fernen Zukunft: Wissenschaftler und Erfinder Alexander Hartdegen wird ins Jahr 802.701 katapultiert.

Die Zeitreise beginnt im tief verschneiten New York von 1899 und endet in der fernen Zukunft. Wissenschaftler und Erfinder Alexander Hartdegen (Guy Pearce) wird plötzlich ins Jahr 802.701 katapultiert. Der mit Atem beraubenden Spezialeffekten und Digitaltechnik aufgepeppte Science-Fiction-Streifen »The Time Machine« basiert auf dem Roman »Die Zeitmaschine« von H.G. Wells aus dem 19. Jahrhundert. 1960 brachte Regisseur George Pal den alten Menschheitstraum, durch die Jahrtausende zu reisen, erstmals auf die Leinwand. Jetzt wagte sich Simon Wells, ein Urenkel des Autors, an ein Remake des Klassikers.

Im Zeitraffer durch 8000 Jahrhunderte

»Mein Urgroßvater wäre bestimmt fasziniert davon, was wir heute durch Spezialeffekte im Kino zeigen können«, vermutet der Regisseur. Denn als H.G. Wells den Roman schrieb, gab es noch gar keine abendfüllenden Unterhaltungsfilme. Tatsächlich ist den Filmemachern durch spektakuläre Zeitraffer eine beeindruckende Reise durch 8000 Jahrhunderte gelungen, in denen sich die Erde geologisch und ökologisch total verändert, der Mond auseinander fällt, Eiszeiten hereinbrechen und neues Leben entsteht.

Eloi und Morlocks

Als der erschöpfte Wissenschaftler nach einigen Zwischenstopps mit seiner Zeitmaschine in der Zukunft ankommt, findet er dort eine gespaltene Welt vor: die Menschheit besteht aus dem freundlichen Eloi-Volk und den grausamen Morlocks - wilde Kannibalen, die aus ihrer unterirdischen Welt auftauchen, um die Eloi zu jagen. Hier hört der Vergleich mit der klassischen Wells-Vorlage allerdings auf. Während sich der Autor in seiner düsteren Zukunftsvision mit Evolution, Klassenbewusstsein und politischen Systemen auseinander setzt, wird die »Time Machine« des 21. Jahrhunderts zur Hollywood-Love-Story mit großartigen Effekten.

Zwischen Schicksalsschlägen und Liebeskummer

Nicht Forscher-Neugier, sondern ein persönlicher Schicksalsschlag und Liebeskummer treiben den Erfinder Alexander Hartdegen in sein Abenteuer. Die tragische Geschichte habe ihn besonders interessiert, meint der australische Hauptdarsteller Guy Pearce, der zuletzt in dem viel gelobten Independent-Film »Memento« eine glänzende Leistung vollbrachte. Außerdem sei er als Kind derart von dem George-Pal-Klassiker beeindruckt gewesen, dass er die Rolle in dem großen Hollywood-Remake annahm.

Angst einflößende Monster

Über die haarigen Morlocks mit ihren glühenden Augen aus dem 60er- Jahre-Streifen könne sie heute nur lachen, meint die irische Popsängerin Samantha Mumba, die als Eloi-Frau Mara ihr Filmdebüt gibt. Doch die heutigen Morlocks, die vom Oscar-gekrönten Make-Up-Spezialisten Stan Winston als Angst einflößende Monster geschaffen wurden, hätten sie wirklich beeindruckt. Sie habe die Furcht vor ihnen nicht spielen müssen: »Ich hatte wirklich Angst«, bekennt der Popstar.

Wasserfälle und Abgründe nachgebaut

Der deutsche Filmarchitekt Oliver Scholl hat zudem mit fantasievollen Sets eine faszinierende Zukunftsvision entworfen. Wie Schwalbennester klebt das Eloi-Dorf an einer hohen Felswand, die in einer riesigen Studiohalle mit echten Wasserfällen und tiefen Abgründen nachgebaut wurde. Etwa 80 Millionen Dollar (über 90 Millionen Euro) soll die aufwendige Produktion verschlungen haben.

An der Logik gespart

Dafür sparten die Filmemacher allerdings an den Raffinessen einer gut durchdachten Story. An vielen Stellen vermisst der Zuschauer Erklärungen und logische Zusammenhänge. Sogar Guy Pearce wundert sich, warum er am Ende des Films Samantha Mumbas Hand hält. Eigentlich war im Skript keine Romanze zwischen dem Zeitreisenden und der Eloi-Frau vorgesehen. »Das ist nicht meine Hand«, gibt der Schauspieler zu. »Die muss nach den Dreharbeiten beim Schnitt eingefügt worden sein«. Wer über derartige Hollywood-Eingriffe wegsehen kann, darf sich aber auf eine unterhaltsame Reise in eine weit entfernte Zukunft freuen.

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